Illegales Autorennen Prozessauftakt: „Alter, das Auto ist so Porno“

Ulm / Hans-Uli Mayer 04.12.2018
Vor Gericht hat ein Prozess gegen zwei Männer begonnen, die sich auf dem Altstadtring ein Rennen geliefert haben sollen.

Kai K. und seine Frau kamen gerade vom Yoga und waren auf dem Heimweg. Es ist der 9. März, ein Freitagabend, etwa gegen 21 Uhr. Das Ehepaar steht mit seinem Wagen wie vier, fünf andere Autos an einer roten Ampel auf der Frauenstraße, als es an der Einmündung von Bock- und Kornhausgasse plötzlich links und rechts von zwei großen Autos überholt wird.

In Sekundenschnelle

„Die hatten eine unglaubliche Geschwindigkeit drauf, ich schätze so 100 Sachen“, sagte der 51-Jährige am Montag als Zeuge vor dem Jugend-Schöffengericht, wo sich zwei 18 und 20 Jahre jungen Männer wegen eines illegalen Autorennens verantworten mussten. „Das ging alles in Sekundenschnelle. Aber ich dachte noch, wenn das schief geht, dann kracht es.“ Vor allem habe er sich damals Sorgen gemacht, weil vor der Shisha-Bar im ehemaligen Postgebäude mehrere Gäste auf dem Gehweg standen.

Gekracht hat es tatsächlich – auch wenn sich die beiden Autos nur touchierten, als sie mit hoher Geschwindigkeit wieder einscherten. Allerdings war ein Auto dabei ins Schlingern und zumindest mit den rechten Rädern kurz auf den Gehweg vor der Shisha-Bar gekommen. Die Fahrer konnten die von ihren Eltern geliehenen Fahrzeuge aber wieder abfangen und fuhren weiter, als sei nichts geschehen.

„Das Auto ist so Porno“

Dass es sich bei der Verkehrsgefährdung um ein richtiges Rennen gehandelt hat, bestritten die beiden Freunde am Montag. Ein Beifahrer meinte sogar, bis zum Aufprall sei alles normal verlaufen. Man habe sich hinter der Post am Bahnhof getroffen, wie so oft in jenen Tagen, und dann zu McDonalds in die Blaubeurer Straße fahren wollen. Anstatt aber den direkten Weg zu wählen, entschieden sich die jungen Männer noch zu einer Runde durch die Stadt. „Irgendwie cool tun halt und den Damen nachschauen“, sagte der 20-Jährige. Sein jüngerer Kumpel wurde deutlicher. Für ihn geht es um Show. Sich zeigen, sich präsentieren und schauen, wer das schönere Auto hat, nannte er als Beweggründe für die Runden auf dem Altstadtring. Autos seien ihnen eben wichtig in der Clique. Vor allem dem 18-Jährigen, der keine drei Monate zuvor den Führerschein bekommen hatte. In einem von der Polizei aufgezeichneten Telefon-Chat gab er seiner ganzen Begeisterung Ausdruck und schrieb ungeniert: „Alter, das Auto ist so Porno.“

Dass die jungen Männer nach dem Vorfall am 9. März schuldbewusst waren, zeigt der weitere Chatverlauf. So hatten sich alle Zurückhaltung für die nächsten Monate auferlegt, weil die Polizei jetzt sicher auf sie aufmerksam geworden sei. Andererseits brüsteten sich alle Beteiligten mit den Autorennen („Hahaha, haben Ulm gefickt“), vor allem benennen sie es – anders als vor Gericht – eindeutig als Rennen.

Während der Vorfall vom 9. März für den 20-Jährigen der einzige Anklagepunkt ist, muss sich der 18-Jährige weiteren Tatvorwürfen stellen. Nur wenige Tage später war er erneut in einen Unfall verwickelt. Diesmal auf der Augsburger Straße, wieder mit erhöhtem Tempo. Ob er den Unfall hätte verhindern können, muss ein Sachverständiger klären, der in einem schriftlichen Gutachten davon ausgeht. Wegen Nachfragen muss er persönlich erscheinen. Der Prozess wird am 20. Dezember fortgesetzt.

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Immer wieder schwere Unfälle auf dem Altstadtring

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1, August 2015 Auf der Olgastraße erfasst ein Raser einen Radfahrer, der sehr schwer verletzt überlebt und bis heute an den Nachwirkungen zu leiden hat.

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