Umbau Vorfeld in Neu-Ulm: Wettbewerb zur Umgestaltung des Viertels

Der Altbau der Hochschule wird spätestens 2019 frei. Dann sind neue Nutzungen für das Gebäude gefragt – falls es nicht abgerissen wird.
Der Altbau der Hochschule wird spätestens 2019 frei. Dann sind neue Nutzungen für das Gebäude gefragt – falls es nicht abgerissen wird. © Foto: Matthias Kessler
Neu-Ulm / Chirin Kolb 07.12.2016
Das Neu-Ulmer Viertel Vorfeld soll innenstädtischer werden: mit mehr Wohnungen, Gewerbe und Soziokultur. Vorschläge soll ein Wettbewerb bringen.

Für die Bewohner ist das Vorfeld ein wunderschönes Wohngebiet, innenstadtnah und mit viel Grünflächen. Die Stadtplaner sind mit dem Viertel allerdings nicht ganz so zufrieden. Ein derart zentrales Wohngebiet soll innenstädtischer werden, soll nicht nur reines Wohnviertel sein, sondern vielfältiger genutzt werden mit Gewerbe, Soziokultur, Bildungseinrichtungen. Die Stadt Neu-Ulm möchte sich dazu am europäischen Ideenwettbewerb Europan 14 beteiligen. Er soll Möglichkeiten aufzeigen, wie das Vorfeld weiterentwickelt werden kann.

Das Ziel beschreibt Stadtbaudirektor Markus Krämer so: „Wir möchten eine Belebung und Aufwertung, die einen Mehrwert bietet für die jetzigen Bewohner.“ Ein Baustein dazu wäre nach Krämers Ansicht die Ansiedlung von Gewerbe. Er verweist auf die Dienstleistungszeile in Wiley-Süd, mit der die Stadt gute Erfahrungen gemacht habe. Wichtig ist der Stadtverwaltung, eine Nutzungsmischung hinzukriegen.

„Keine sozialen Brennpunkte“

Krämer hält außerdem eine Nachverdichtung für nötig. Das Vorfeld habe „keine urbane Struktur“, obwohl es an die Innenstadt grenzt, und zu viele Grünflächen, die nicht genutzt werden, sagte er im Ausschuss für Stadtentwicklung. Mechthild Destruelle (Grüne) warnte: „Die Nachverdichtung darf keine sozialen Brennpunkte schaffen.“ Das Maß an sozialem Wohnungsbau reiche im Vorfeld aus. Es dürften deshalb nur „andere Wohnformen“ dazukommen. Dieses Ziel verfolge auch die Stadt, sagte Krämer: „Wir wollen nicht einfach nur Nachverdichtung.“

Der Umbruch im Vorfeld wird dadurch noch befördert, dass in den nächsten Jahren für die öffentlichen Gebäude neue Nutzungen anstehen:

- Die Grundschule ist geschlossen, in dem Gebäude sind derzeit unter anderem Kindergartengruppen und ein Kinderhort untergebracht. Sie werden langfristig im Quartier gebraucht und müssen sogar ausgebaut werden.

- Die Hochschule Neu-Ulm (HNU) nutzt ihr altes Gebäude im Vorfeld noch übergangsweise, bis der Erweiterungsbau im Wiley im Herbst 2018 fertig wird. Ab 2019 sollen die Räume neu genutzt werden, beispielsweise für Gewerbe, Bildungseinrichtungen oder als soziokulturelles Zentrum.

- Das Jugendhaus soll im Vorfeld bleiben, könnte womöglich aber auch in Räume der Hochschule umziehen. Denn das sanierungsbedürftige Jugendhaus an der Bradleystraße könnte auch abgerissen werden und Platz für Wohnungsbau machen.

- Das Vorfeld Inn als Stadtteiltreff hat zu beengte Räumlichkeiten.

Ob die Gebäude der Grund- und Hochschule erhalten bleiben, ist ungewiss. Die Stadtverwaltung stellt sich eine höhere Bebauung vor, die Gebäude können aber aus statischen Gründen nicht aufgestockt werden.

Auch die Straßen, Geh- und Radwege und Parkplätze sind im Blick der Stadtplaner. Zum Beispiel sollen überdimensionierte Straßen und Kreuzungen zurückgebaut werden.

Info Die Stadt Neu-Ulm informiert über die Ziele des Wettbewerbs Europan 14 am Dienstag, 13. Dezember, um 18 Uhr im Vorfeld Inn.

Von der Bundesfestung zum Wohngebiet

Vorfeld

Das Vorfeld war Teil der Befestigungsanlagen der Bundesfestung – daher kommt auch der Name des Gebiets zwischen Ringstraße, Memminger Straße und Reuttier Straße. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es von den amerikanischen Streitkräften übernommen, die im Vorfeld das Wohnquartier für die in den Wiley- und Nelson-Barracks stationierten US-Soldaten und ihre Familien einrichteten. Nach Abzug der US-Truppen erwarb die städtische Wohnungsgesellschaft Nuwog die Häuser mit rund 350 Wohnungen.