Der Schock nach dem großen Feuer in der Kathedrale Notre-Dame in Paris ist am Dienstagabend noch nicht überwunden. Die Bilder der brennenden Kirche haben die Menschen auf der ganzen Welt bewegt. Doch als der Schnellzug TGV aus Paris im Bahnhof Ulm einfährt, scheint zumindest ein wenig Normalität eingekehrt zu sein.

Rauchschwaden am Nachthimmel - Ulmer werden auf Feuer in Paris aufmerksam

Erschöpft hieven Gudrun und Thilo Butzbach ihre schweren Koffer aus dem TGV. Neben ihrem Gepäck wiegen auch die Erinnerungen an den vergangenen Abend in der französischen Hauptstadt schwer. Das Ehepaar aus Neu-Ulm hat das Feuer in der Kathedrale in Paris live miterlebt. „Wir saßen gerade im Taxi, als wir die Rauchschwaden über der Stadt aufsteigen sahen“, erinnert sich Gudrun Butzbach an den Beginn der Feuerkatastrophe.

Neu-Ulmer Ehepaar unter den Menschenmassen

„Es ist alles gut!“, habe der Pariser Taxifahrer rasch abgewunken. Es handle sich lediglich um ein kleines Feuer im Dachstuhl der Kathedrale Notre Dame. „Der Brand ist bald gelöscht“, habe der Franzose versichert.

Dass es sich bei dem Feuer allerdings doch um eine größere Katastrophe handeln musste, wurde dem Ehepaar aus Neu-Ulm spätestens klar, als sie die Menschenmassen in Richtung Seine strömen sahen. Der Schock stand den meisten ins Gesicht geschrieben.

Menschenmassen strömen an die Seine

„Alle Menschen waren erschüttert aber auch neugierig“, erzählt die 53-jährige Neu-Ulmerin. In den Häusern hielt es kaum jemanden. „Die Pariser mussten einfach selbst sehen was passiert ist.“ Auch Gudrun und Thilo Butzbach mischten sich daher rasch unter die Menge während die Hubschrauber am verrauchten Pariser Nachthimmel unermüdlich ihre Kreise zogen.

Der Ruf „Church!“ „Church!“ in den Straßen: „Und trotzdem war nicht klar, dass Notre Dame in Flammen steht“

Agnes Rottler-Riemenschneider aus Günzburg war mit dem Fahrrad in Paris unterwegs, als sie die große Rauchsäule am Horizont aufsteigen sah. Die harmonische Stimmung auf der Straße habe sich binnen kürzester Zeit verändert. Ein Mann habe geschrien: „Church! Church!“ „Doch selbst zu diesem Zeitpunkt war uns überhaupt nicht klar, dass Notre Dame in Flammen steht.“

Die Nachricht um den Brand der Kathedrale habe sich dann doch wie ein Lauffeuer unter den Menschen verbreitet. Und mit ihr die Panik. „Es herrschte eine unglaubliche Trauer unter den Franzosen“, berichtet Rottler-Riemenschneider. Tränen seien geflossen. Das Ausmaß der Katastrophe war zu diesem Zeitpunkt nicht abzuschätzen.

Über Nacht sei diese allerdings ebenso rasant in Erleichterung umgeschlagen. „Wir waren überglücklich, als bekannt wurde, dass die Kathedrale stehen bleiben würde. Überall war zu hören „Notre-Dame, das ist unser Nationaldenkmal. Wir halten zusammen.“

Notre-Dame brennt: „Wir dachten zuerst an einen Anschlag“

Aufgeregt steht Annette Vintiska aus Ulm am Dienstagabend am Gleis. Mit ihrem Handy filmt sie die Einfahrt des TGV. „Mein 15-jähriger Sohn sitzt im Zug aus Paris“, erklärt sie. Mittels Whatsapp habe er die Nachricht von dem Brand an seine Mutter geschickt. „Notre Dame brennt!“, lautete die kurze Notiz, die bei seiner Mutter auch Angst auslöste. „Wir dachten zuerst an einen Anschlag“, gesteht die 55-Jährige. „Daher waren wir tatsächlich heilfroh, dass es ‚nur‘ gebrannt hat. Bei diesen schrecklichen Bildern von der brennenden Kirche hatte man ja sofort wieder die Zwillingstürme des World Trade Centers vor Augen.“ Umso erleichterter ist sie, als sie ihren Sohn nach der vierstündigen Zugfahrt nun endlich wieder in ihre Arme schließen kann.

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