Gerade einmal sechs Wochen erst dauert der Versuch einer Verkehrsberuhigung  für den Marktplatz und die Herdbruckerstraße, da bringen sich die Parteien im aufziehenden Kommunalwahlkampf in Stellung. Am deutlichsten tut dies aktuell die CDU-Fraktion, die beispielsweise am Rathaus das Rechtsabbiegen von der Neuen Straße aus auf den Marktplatz wieder zulassen und andererseits den ursprünglich auf sechs Monate angelegten Versuch sofort beenden will.

Wenn am Dienstagnachmittag im Rathaus der Bauausschuss zusammentritt, will die CDU 750 Unterschriften an die Stadtspitze übergeben, mit denen „ansässige Geschäftsinhaber“ – wie es in dem Schreiben heißt – den sofortigen Abbruch fordern. Die Fraktion, die am liebsten gleich, aber spätestens in der nächsten Sitzung des Gemeinderats am 8. Mai, darüber sprechen will, schlägt überdies vor, die Ampelanlage am Dreieck Neue Straße/Frauenstraße/Donaustraße zu optimieren, wo ihrer Ansicht nach der Kern des Problems liegt. Durch eine bessere Steuerung, so die CDU, könne der Abkürzungsverkehr über die Herdbruckerstraße nach Neu-Ulm verhindert werden.

Sinneswandel bei der CDU

Interessant ist dieser von allen zehn Stadträten unterzeichnete Antrag auch deshalb, weil der Beschluss für den Testlauf im vergangenen Herbst einstimmig gefasst wurde – also mit den Stimmen der CDU, die jetzt beklagt, dass für die Händler frühere Kunden genauso ausblieben wie erhoffte Neukunden. Eines der Probleme sei, dass die schmale Schelergasse, über die jetzt die Andienung läuft, oft blockiert sei und selbst Müllautos nicht mehr durchkämen.

Wie komplex das ganze Thema ist, zeigt ein weiteres Schreiben, dass der Redaktion vorliegt. Darin bedankt sich das Ehepaar Drs. Jürgen und Romy Popp ausdrücklich bei der Stadt für den Mut zu diesem Versuch. Das Paar ist direkt betroffen, wohnt in der Herdbruckerstraße und spricht den Stadträten aller Fraktionen ihr Kompliment aus:  „Die Verkehrssituation in der Straße hat sich tagsüber wesentlich beruhigt.“

Überdies sei die Parksituation längst nicht mehr so angespannt, schreibt das Ehepaar weiter, was eine große Erleichterung für die Bewohner sei, zumal sich auch die Aufenthaltsqualität auf dem Marktplatz spürbar verbessert habe. Nicht einverstanden sind sie damit, dass die Nachtsperre weggefallen ist, was im Vorfeld zumindest den Anwohnern nicht klar gewesen sei. Die Nachtruhe sei das höchste Gut, weshalb die „Sperrung ab 22 Uhr nicht wegfallen darf“.

Nachtsperrung muss bleiben

Auch die SPD-Fraktion greift das Thema wieder auf. Aller unterschiedlicher Meinungen zum Trotz, halten sie an dem Verkehrsversuch fest und sehen schon nach sechs Wochen, dass der Marktplatz an Qualität gewonnen habe.

Allerdings leide das Museum unter der geänderten Verkehrsführung, die die Andienung durch größere Lkw schlicht unmöglich mache . „Wir bitte darum, kurzfristig eine Möglichkeit zu schaffen, dass Lkw direkt vor das Museum fahren können“, heißt es in dem von der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Katja Adler unterzeichneten Schreiben.

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Das Museum kann nicht mehr angefahren werden


Andienung Grundsätzlich begrüßt die Museumsdirektor Stefanie Dathe die Verkehrsberuhigung am Marktplatz, von der auch die Besucher ihres Hauses und des Museums-Cafés profitierten. Was die Andienung mit größeren Kunstwerken betreffe, habe sich die sowieso schon schwierige Lage aber noch verschlechtert. Grundlage sei die Fehlplanung des Friedbaus. „Wir sind vermutlich das einzige Museum, das über den Haupteingang bedient wird.“ Das aber ist jetzt auch nicht mehr möglich, weil auf dem Marktplatz große Betonbänke quer gestellt seien, sodass keine größeren Lkw mehr ans Museum heranfahren können. „Das ist ein Folgeproblem der Fehlplanung. Unsere Kunstspeditionen kommen nicht mehr ans Haus durch.“