Daten Digitalisierung: Neues Netzwerk für Mini-Daten in Ulm

Ulm / CHRISTINE LIEBHARDT 14.12.2016
LoRaWAN heißt eine neue Technologie, die jetzt in Ulm eingesetzt wird. Weil sie nur winzige Datenmengen überträgt, reicht eine Handvoll Antennen aus, um das gesamte Stadtgebiet abzudecken.

Ist ein Parkplatz belegt oder frei? Muss der Radweg an der Donau gesperrt werden, weil sie über das Ufer getreten ist? Auf diese und ähnliche Fragen gibt es nur zwei Antworten. Kleinste Sensoren können dieses „ja“ oder „nein“ ohne viel Aufwand über weite Strecken funken: dank einer neuen Funktechnologie, mit dem sperrigen Namen „Long Range Wide Area Network“, kurz Lorawan.

Es ist ein Netz für das Internet der Dinge, das da gerade von der Initiative Ulm Digital (IUD, siehe Info-Kasten) aufgebaut wird. Kostenlos, offen für alle, gleich ob Bürger oder Unternehmer, und in der ganzen Innenstadt verfügbar. Dank einer Handvoll Antennen, installiert auf den Dächern von Unternehmen der IUD.

Im Gegensatz zum bekannten, räumlich stark begrenzten W-Lan kann eine einzige Lorawan-Antenne Daten auf einer Distanz von bis zu zehn Kilometern empfangen – aber nur mit einer sehr geringen Bandbreite. Es geht also nicht darum, mit dem Smartphone Musik zu streamen oder unterwegs Videos zu schauen. Dazu hat das Netz nicht die Kapazität.

„Von den Sensoren werden weniger Daten verschickt als in einer SMS“, erklärt IUD-Projektmanager Stefan Kaufmann, der auch das Verschwörhaus der Stadt leitet. Dort, im ehemaligen Sparkassen-Gebäude zwischen Schwörhaus und Neuer Synagoge, fanden bereits mehrere Workshops dazu statt, was man mit dieser Funktechnologie und den entsprechenden Sensoren so alles anstellen könnte. Mit dabei waren vor allem Multiplikatoren: von der Hochschule, vom Freifunk, den Stadtwerken sowie Mitarbeiter der in der IUD vertretenen Unternehmen. Sie bauten gleich erste Prototypen.

Doch auch jeder interessierte Bürger soll ins Verschwörhaus kommen und experimentieren können. „Wir liefern die Technologie, um damit Innovationen zu fördern“, erklärt Andreas Buchenscheit, Geschäftsführer von Cortex Media. „Wir wollen nichts vorgeben, aber aus industrieller Perspektive liegt vieles auf der Hand.“ So könnten in Zukunft über die Funktechnologie etwa Zählerstände ausgelesen werden. Oder in Ziegelsteinen verbaute Sensoren könnten Strukturschäden an Gebäuden melden. Ein Workshop-Teilnehmer hat einen Feuchtigkeits-Messer mit einer Software für Laien so programmiert, dass der meldet, wann er in seinem Schrebergarten gießen muss. Was die Sicherheit angeht, verspricht Buchenscheit: „Auf dem Weg vom Sensor zur Antenne werden die Daten verschlüsselt verschickt.“ Zusätzlich müssen sie vom Anwender am Empfangsgerät entschlüsselt werden. Noch steht nur das Netz, Sensorik ist noch nicht im Einsatz.

„Aber wir wollten die Chance nutzen, die Technologie in der ganzen Stadt auf einmal einzusetzen“, sagt Buchenscheit. Die Mitglieder der Initiative stellen kostenlos Server bereit. Weil nur Mini-Mengen verschickt werden, können an einem Knotenpunkt bis zu 100.000 Geräte gleichzeitig Daten übertragen. Damit das auch wirklich klappt, schlagen die Macher Zeitfenster und Dateneinheiten vor, die Nutzer nicht überschreiten sollen – freiwillig.

„Wenn wir digitale Vorzeigestadt sein wollen, müssen wir ein Experimentierfeld bieten“, findet Christian Geiger, bei der Stadt zuständig für Ulm 2.0. Kaufmann betont den Austausch zwischen Firmen und Community: „Es gibt die Macher und die Möglichmacher – und beides ist wichtig.“

Info Wer mit Sensoren experimentieren will, kann sich auf der Projekt-Homepage informieren: lora.ulm-digital.com

Wer hinter der Initiative Ulm Digital steckt

Das Ziel der Unternehmerinitiative ist es, digitale Talente und Ideen zu fördern und Nachwuchskräften und Machern ein passendes Umfeld zu schaffen. Sie ist ein Netzwerk von Unternehmern, Bildungseinrichtungen, Verwaltung und Bürgern; auch die SÜDWEST PRESSE ist Mitglied. Den Vorsitz hat Heribert Fritz. Sein Wunsch: „Die ganze Ulmer Gesellschaft soll mitmachen.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel