Neu-Ulm 90 Jahre Allgäu-Schwäbisch Musikbund und ein junges, starkes Konzert in Neu-Ulm

ANDREA FADANI 12.09.2016
„Spartacus“ und der „Fluch der Karibik“: Ein gewaltiges Konzert des Jugendblasorchesters des Allgäu-Schwäbischen Musikbunds im Scharff-Haus.

Der Allgäu-Schwäbische Musikbund feiert sein 90-jähriges Besethen und lässt die Jugend spielen, die sich in herausragender Verfassung präsentiert: Als Botschafter des Musikbundes trat das hochkarätige Schwäbische Jugendblasorchester im nur zur Hälfte gefüllten Edwin-Scharff-Haus auf und bewies, wie mitreißend sinfonische Blasmusik sein kann.

In einer einwöchigen Probenphase hatte Dirigenten Toni Scholl mit den Musikern ein modernes Programm erarbeitet. In den Vereinen spielen zirka 15 000 Jugendliche, die ihre talentiertesten Musiker in dieses Orchester entsenden, und man merkte ihnen beim Konzert an, mit wie viel Freude sie in diesem Spitzenorchester mitwirken. Mit der „Festive Fanfare“ von Marco Pütz, einem Auftragswerk des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes, zeigte das 70-köpfige Orchester seine hohe musikalische Präsenz.

Der erste Höhepunkt des Abends war das Konzert für Altsaxophon von David Maslanka, welches von der Günzburgerin Regina Reiter mit hoher Virtuosität dargeboten wurde. Sie ist seit zehn Jahren als Registerführerin der Saxophonisten im Schwäbischen Jugendblasorchester und über den Musikbund hinaus als Dozentin tätig. Großartig, wie sie mit schnellen Läufen über dem mächtigen Orchesterklang glänzen konnte. Aber auch in den Orchesterstücken, wie „Cry For The Last Unicorn“ von Rossano Galante offenbarte sich die hohe Brillanz und kraftvolle Spielweise der einzelnen Gruppen: der virtuos spielenden Holz- und Blechbläser und der präzisen Schlagzeuggruppe. Immer wieder konnte der Dirigent Scholl dem Orchester viele differenzierte Klangfarben entlocken.

Der niederländische Komponist Jan van der Roost hat für sinfonisches Blasorchester eine höchst anspruchsvolle Musik geschrieben, die die Geschichte des Sklaven und Gladiators Spartacus erzählt. Rhythmisch äußerst anspruchsvoll und alle Instrumente musikalisch fordernd, gelang dem Blasorchester ein großes Klanggemälde. Auch bei Hardy Mertens „Rose des Sables“, einem rasenden, wilden Musikstück mit orientalischen Melodien, glühte das Orchester vor Leidenschaft. Hymnisch aufspielend, glückte dann David Gillinghams „With Heart And Voices“, bei dem die Schlagzeuger dominieren konnten.

Das Programm endete mit der mitreißenden Filmmusik „Fluch der Karibik“ von Hans Zimmer und Klaus Badelt. Die Musiker bewiesen, dass sie selbst nach zwei Stunden noch hoch konzentriert alle rhythmischen Klippen meisterhaft umsegeln und mit mächtigem Klangvolumen Captain Jack Sparrow an die Donau holen konnten. Den großen Applaus des Publikums belohnte das Orchester mit der elegischen Zugabe „Share My Yoke“. Für den Solopart des Flügelhorns wählte der Dirigent fast zufällig einen der sieben Trompeter aus. Der Solist Gunter Schmid bestätigte dann, dass er mit feinem Klang das wehmütige Solo selbst nach einem großen Konzert wunderschön blasen konnte.