Reisefilm 8700 Kilometer strampeln: Auf dem Rad zum Baikalsee

Ulm / Madeleine Wegner 11.09.2018

Heinrich Kerns Radreise beeindruckt allein schon durch die Fakten: 127 Tage, 8704 Kilometer und 6 Zeitzonen. Nun gibt es zu den Zahlen auch einen Film: Während der begeisterte Tübinger Radler im Sommer 2016 von Süddeutschland bis an den sibirischen Baikalsee fuhr, hatte er eine Videokamera dabei. Entstanden ist daraus ein 100-minütiger Dokumentarfilm über seine Russland-Reise.

Von der Heimatstadt Tübingen aus machte sich der Radsportler Kern am Ostersonntag 2016 auf den Weg. Für die Reise hatte er sein Masterstudium Elektrische Energiesysteme und Elektromobilität an der Hochschule Ulm für ein Urlaubssemester unterbrochen. Mittlerweile arbeitet der 32-Jährige als Ingenieur bei einer Tübinger Firma, die Bremssysteme für E-Bikes entwickelt.

Nach einem holperigen Start – in den ersten Tagen machte Kern seine Achilles-Sehne zu schaffen – ging es zügig voran: Bis zu 130 Kilometer fuhr er täglich. Und das, obwohl es in Russland nur wenige asphaltierte Straßen gibt. Auf manchen staubigen oder schlammigen Pisten sei es gar einfacher gewesen, abseits des Wegs zu fahren.

Zunächst durchquerte Kern mit dem Rad Polen, das er als „flach und eintönig“ empfand und in dem er auf der Durchfahrt auch kaum Kontakt zu den Menschen hatte. In Weißrussland hingegen habe er sich „wie 20 Jahre in der Zeit zurückgesetzt“ gefühlt.

Zwei Semester lang hatte der Student zuvor Russisch gelernt. Das reichte zumindest für die einfache Verständigung im Alltag aus. Auf seiner Reise lernte Kern einige Menschen kennen, besonders die Gastfreundschaft hat ihn beeindruckt. So haben ihn ein paar Bauarbeiter am Baikalsee spontan zum Mittagessen eingeladen. Auch über ein Internet-Portal für Radfahrer fand er immer mal wieder eine Übernachtungsmöglichkeit und neue Bekannte. Meistens übernachtete er im Zelt, das er im Gepäck dabei hatte. Zur Erholung nahm er sich etwa alle zwei Wochen ein Hotelzimmer.

In Kasimov, einer Stadt in der Provinz, schaffte er es sogar ins Fernsehen. Der lokale TV-Sender machte gleich ein mehrminütiges Interview mit ihm. „Touristen sind hier eine absolute Rarität“, sagt Kern. So muss es ein großer Zufall gewesen sein, dass Kern auf seiner Reise einen Radfahrer aus Berlin traf, der auf dem Weg nach Neu-Dehli war. Fünf Tage waren sie gemeinsam unterwegs, bis sich ihre Wege wieder trennten.

In den vier Monaten fuhr Kern durch die südwestrussische Stadt Engels, wo Juri Gagarin nach seinem Weltraumflug 1961 landete, er machte einen Abstecher nach Kasachstan, fuhr hunderte Kilometer durch Steppe und erlebte die Schönheit und Einsamkeit der Taiga – bis er schließlich nach vier Monaten sein Ziel erreichte: den Baikalsee.

An der einen oder anderen Stelle hätte es dem 100-Minüter sicher gut getan, das Material etwas zu straffen. So ist Kerns Film in erster Linie ein persönlicher – und vor allem durch die Musik manchmal gar pathetischer – Blick auf die Länder, Landschaften, Städte und Menschen, die er in den vier Monaten auf dem Radsattel erlebt hat.

Die 100-Minuten-Doku „Bei Bären klingeln“

Film „Wie reserviert man ein Bett für ein Fahrrad in einem kasachischen Schlafwagenabteil? Erfahren Sie die Antwort im Film und kommen Sie mit auf diese besondere Reise.“ So macht Heinrich Kern Werbung für den Film „Bei Bären klingeln – Mit dem Rad durch Russland“. Er läuft am Sonntag, 16. September, beim Donau­flimmern im SSV-Bad. Beginn ist bei Einbruch der Dunkelheit.

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