Ulm / Ulrike Schleicher  Uhr
Risse in Häusern und Kollisionen mit Baufahrzeugen – Wie werden Hauseigentümer entschädigt, wenn etwas beim Straßenbahnbau passiert?

Schließlich ist Daniel Allgaier mit seiner Familie aus Ulm weg gezogen. Grund waren die Bauarbeiten für die Linie 2. „Unerträglich“, sagt er. Denn an seinem Haus in der Saarlandstraße fahre der gesamte Umleitungsverkehr zum Kuhberg vorbei. „Dazu gehören auch große Gelenkbusse der SWU.“ Was wiederum nicht so das Problem wäre, befände sich die Saarlandstraße in einem besseren Zustand. Doch man habe sie vor Beginn der Bauarbeiten nur notdürftig geflickt. „Und nun rumpeln täglich Busse und Lkw vorbei – das ganze Haus vibriert.“ Er habe Risse im Trockenbau festgestellt, sagt der Bauingenieur. Und: „Ich habe sie der Stadt gemeldet.“ Ein Gutachter kam.

Allgaier ist nicht der einzige, der aufgrund der Straßenbahnarbeiten Schäden am Haus beklagt. „Insgesamt 80 Fälle sind uns bislang gemeldet worden“, sagt Ralf Gummersbach von der SWU Verkehr auf Anfrage. Eine Teil davon seien Risse in Häusern, beim Rest handle es sich um verschiedene Vorkommnisse wie: „Ein Bagger rammt die Hauswand.“ Oder ein Bauschild falle auf ein Auto. Die beiden zuletzt genannten Vorfälle würden von der verantwortlichen Baufirma mit den Hauseigentümern geregelt.

Wie bei Stuttgart 21

Anderes müssen die SWU regeln. Als Bauherr habe sie in den Häusern, die nah an der Baustelle liegen, eine so genannte Beweissicherung veranlasst. Wie beim Bau der  Neubaustrecke Ulm-Stuttgart nahmen Gutachter jeden Riss und Schaden an den Häusern vor Beginn der Bauarbeiten auf. Nach Ende der Grabungen und Bohrungen hätten sich 25 Hauseigentümer wegen Rissen gemeldet, sagt Gummersbach. „24 Schäden stellten sich als bereits vorhanden heraus.“ Bei einem habe man sich auf eine Kulanzzahlung geeinigt. Klar sei, Häuser müssten eine gewisse Erschütterung aushalten. Aber: „Wir nehmen uns zunächst jedem Schadensfall an.“

Was den Zustand der Umleitungsstrecken betrifft, so sagte ein Mitarbeiter der SWU Verkehr in der Infoveranstaltung vergangene Woche, dass alle nach Ende der Bauarbeiten saniert werden müssten: „Die Belastung dieser Straße ist enorm hoch.“ Für Allgaier spielt das keine Rolle mehr: „Ich wohne jetzt auf dem Land und habe meine Ruhe.“ Sein Haus hat er vermietet und die Risse auf eigene Kosten saniert. „Ich hatte die Schnauze voll.“ Auch weil ihm das Ergebnis des Gutachtens trotz Aufforderung nicht mitgeteilt worden ist. „Ein Jahr warte ich schon.“

Der Grund dafür ist banal: „Es ist wahrscheinlich einfach liegen geblieben“, heißt es seitens der Verantwortlichen. „Wir schicken es Herrn Allgaier gerne zu.“

Zuletzt war die Vollsperrung in der unteren Römerstraße Thema:

Die Vollsperrung in der unteren Römerstraße zieht grundlegende Veränderungen für die Anwohner nach sich.