Um sein Ziel zu erreichen, betreibt Volker Typke einigen Aufwand. „Keiner hätte was dagegen, wenn sie Vorteile brächten“, sagt er. Das tun die Tempo-30-Zonen in Ermingen, Eggingen, Donaustetten, Wiblingen und Unterkirchberg in seinen Augen jedoch nicht. Der Pendler hat daher eine Bürgerinitiative für die Wiedereinführung von Tempo 50 ins Leben gerufen.

„Wir haben eindeutig die Mehrheit“, ist Typke überzeugt. Er schätzt die Unterstützerzahl für seine zwei Petitionen gegen Tempo 30 in den besagten Ortschaften – auf Papier und online – auf etwa 750 Menschen und Unterschriften. Die meisten davon entfallen auf die Wiblingen und Unterkirchberg betreffende Petition. „Damit dürften wir einige hundert mehr als die Anwohner haben“, sagt der Ingenieur.

Typke sieht sich jedoch nicht nur in der Mehrheit, sondern auch im Recht. Er ist überzeugt, dass es seit der Tempo-30-Einführung mehr Staus gibt: „Die Leute stehen jetzt länger in den Einmündungen. Mir kann keiner sagen, dass das Lärmvorteile bringt.“ Eine Gefahrenlage, die Tempo 30 berechtigen würde, kann er auch nicht erkennen. Stattdessen fühlt er sich wie viele andere Pendler auf dem täglichen Weg zur Arbeit beeinträchtigt.

Zum Verständnis: Ende 2014 war in Wiblingen von der Ulmer Straße über den Pranger bis in die Haupt- und Donautalstraße hinein Tempo 30 eingeführt worden. Bereits im Januar gingen beim Regierungspräsidium Widersprüche dagegen ein. Zurecht, wie das Präsidium feststellte. Die Stadt wurde aufgefordert, Tempo 30 partiell wieder rückzubauen. Darauf reichten Tempo-30-Befürworter im Landtag eine Petition zur Beibehaltung der Begrenzung ein. Die Gegen-Petition Typkes folgte. Nun wartet die Stadt die Entscheidung aus Stuttgart ab, ehe sie Begrenzungen zurücknimmt.

Um in der Hauptstadt Bericht erstatten zu können, sah sich Dieter Hillebrand die besagten Straßen genauer an. Der Reutlinger Landtagsabgeordnete ist Teil des Petitionsausschusses. Diesem liege noch keine Stellungnahme vom Verkehrsministerium vor, so Hillebrand, weswegen eine Entscheidung auf sich warten lässt. Der CDU-Politiker gibt jedoch zu bedenken: „Es kommt nicht darauf an, wer die Mehrheit hat, sondern wie die Rechtslage ist.“

Kommentar von Frank König: Auf der falschen Spur

Aus Sicht der Berufspendler ist Tempo 30 in Ulmer Ortsdurchfahrten wie in Wiblingen und Donaustetten ganz klar eine Zumutung. Hier riskiert man sehr schnell Punkte in Flensburg oder sogar ein Fahrverbot, ohne je ein Raser zu sein. Daher ist das Regierungspräsidium nach Einwendungen zurecht eingeschritten und hat die Regelung wieder aufgehoben, die lediglich durch Petitionen am Leben gehalten wird.

Insofern ist es auch schlechter Stil seitens des Rathauses, dass in den umstrittenen Tempo 30-Zonen Geschwindigkeitsmessungen laufen. Bis zur Klärung der Sache sollte eine Kulanzregelung gelten.

Über kurz oder lang wird bei der Baustellen-Problematik ohnehin kaum jemand mehr freiwillig nach Ulm fahren, da sollte man den Leuten den Trip nicht zusätzlich vermiesen. Die Stadtverwaltung überspannt hier eindeutig den Bogen, dies beweist nun die Petition der Pendler für Tempo 50. Ein Kompromissvorschlag, auch mit Blick auf womöglich leidgeprüfte Anwohner, wäre zweifellos die IHK-Variante mit Tempo 40.

Apropos Anwohner: Wenn die Stadt hier etwas Sinnvolles tun möchte, kann sie ihre Kontrollen bei Tunern und Tempo-100-und-mehr-Fahrern in der Olgastraße ausbauen. Da werden nämlich klar Spielregeln verletzt, während sie in den Ortsdurchfahrten falsch aufgestellt wurden. Denn Tempo-30-Zonen gehören in Wohngebiete. Die Stadt ist mit der Ausweitung in dieser Form auf die falsche Spur geraten.