Ulm 75 RKU-Mitarbeiter müssen gehen

Ulm / CHRISTOPH MAYER 31.07.2012
Frust und Furcht am RKU: Rund 75 Mitarbeiter aus Service und Haustechnik werden entlassen. Fremdfirmen sollen die Aufgaben künftig übernehmen.

Sprechen Manager von „Prozessoptimierung“, meinen sie meistens „Stellenstreichungen“. Das ist auch im aktuellen Fall nicht anders: An den Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm auf dem Oberen Eselsberg (RKU) sollen nach den Worten von Geschäftsführer Dr. Uwe Gretscher alle hausinternen Dienstleistungsbereiche aufgegeben und an Fremdfirmen vergeben werden. Konkret bedeutet das: 70 Servicekräfte aus Küche, Cafeteria, Speisesaal, Hauswirtschaft, Bettenzentrale, Hol- und Bringdienst sowie der Medizintechnik werden gekündigt. Hinzu kommen weitere 5 Beschäftigte aus der Haustechnik, die aufgrund einer Novellierung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes nicht mehr hausintern gestellt werden dürfen.

Hintergrund der Personalkürzungen sei eine „Konzentration auf das Kerngeschäft“, wie Gretscher es formuliert. Es gebe schließlich einen klaren Auftrag der Kostenträger, der da laute: „Krankenhäuser müssen unternehmerisch handeln.“ Eine von den beiden gleichberechtigten Gesellschaftern der Klinik – der privaten Sana AG und der Uni-Klinik Ulm – in Auftrag gegebene Kosten- und Nutzenanalyse habe ergeben, dass Serviceleistungen durch externe Dienstleister nicht nur günstiger, sondern auch effizienter erbracht werden können. Das Einsparvolumen beziffert der Geschäftsführer mit rund 800 000 Euro jährlich. Dieses Geld werde das RKU künftig in die Krankenversorgung investieren. „Wir können jeden erwirtschafteten Euro nur einmal ausgeben.“

Gerüchte, denen zufolge das RKU einen Patientenrückgang zu verzeichnen habe, da insbesondere orthopädische OPs zunehmend in ambulanten Kliniken vorgenommen werden, dementiert Gretscher. Man schreibe seit 1984 durchgehend schwarze Zahlen und sei auch weiterhin auf Wachstumskurs. Insbesondere vor dem Hintergrund zahlreicher anderer in die roten Zahlen gerutschter Krankenhäuser gelte es nun aber, frühzeitig zu reagieren. „Wir wollen verhindern, dass uns in den nächsten Jahren ein ähnliches Schicksal ereilt.“

Der Geschäftsführer will in diesem Zusammenhang auch klargestellt wissen, dass es sich um einen Abbau von lediglich 45 Vollzeitstellen handele. Seit 2005 habe man das Personal von 475 auf 575 Vollzeitstellen aufgestockt. „Durch die Kürzungen sind wir nun wieder auf dem Stand von 2010.“ Für die von der Entlassung bedrohten Beschäftigten sieht Gretscher nicht schwarz. Angesichts einer Arbeitslosenquote von weniger als drei Prozent, dürften die meisten rasch neue Jobs finden, prognostiziert er.

Betriebsrat und Gewerkschaft sehen die Sache naturgemäß anders. Für heute, 14 Uhr, ist eine außerordentliche Betriebsversammlung angesetzt. „Unsere schlimmsten Befürchtungen sind eingetroffen“, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Anton Schmid. Die Entlassungswelle sei angesichts der „Millionen-Gewinne“ des RKU „absolut nicht nachvollziehbar“. Viele der betroffenen Mitarbeiter seien seit mehr als 20 Jahren im RKU tätig und hätten zur Erwirtschaftung der Gewinne beigetragen. „Jetzt wird ihnen einfach der Stuhl vor die Tür gesetzt.“ Schmid will Proteste „bis hin zu Arbeitsniederlegungen“ nicht ausschließen.

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