Menschenrechte 7300 unterschreiben Petitionen für Mesale Tolu

Mesale Tolu hat am Samstag Geburtstag. Am Freitag wurde mit Kerzen, Kuchen und einem Ständchen vorgefeiert.
Mesale Tolu hat am Samstag Geburtstag. Am Freitag wurde mit Kerzen, Kuchen und einem Ständchen vorgefeiert. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Christoph Mayer 09.12.2017
Kurz vor dem erneuten Prozess gegen die in der Türkei inhaftierte Ulmerin Mesale Tolu gibt es einen Brief an Außenminister Gabriel und mehrere Petitionen mit vielen Unterzeichnern.

Am Freitag gab Angelika Lanninger das Schreiben bei der Post auf, in diesen Stunden ist es unterwegs ins Auswärtige Amt. In einem persönlichen Brief an Sigmar Gabriel bittet die ehemalige Lehrerin der seit Mai in der Türkei inhaftierten Ulmer Journalistin Mesale Tolu den Bundesaußenminister „inständig, sich nochmals um die Freilassung zu bemühen“. Im Anhang sendet Lanninger Gabriel die Namen der ersten 500 Unterstützer zu, die die von ihr vor zwei Wochen initiierte Petition zur Freilassung (wir berichteten) unterzeichnet haben.

Ehre für Essinger

Die pensionierte Sportlehrerin des Anna-Essinger-Gymnasiums, dort machte Tolu  2006  Abitur, schreibt: „Mit ihrem couragierten Eintreten für die Menschen- und Frauenrechte in der Türkei macht Mesale Tolu dem Namen unserer Schule große Ehre.“ Auch für Essinger, die während der Nazi-Diktatur vielen jüdischen Kindern das Leben rettete, sei das  Eintreten für Gerechtigkeit oberstes Gebot gewesen.

Solidarität mit Mesale Tolu gab es Am Freitagabend auch unter freiem Himmel. In der Hirschstraße hatte der lokale Unterstützerkreis zur „Geburtstagsfeier“ eingeladen. Am Samstag wird die im Istanbuler Frauengefängnis Bakirköy sitzende gebürtige Ulmerin mit deutschem Pass 33 Jahre alt. Ihre in Neu-Ulm lebende Oma Gülay hatte reichlich gefüllte Teigtaschen und türkische Süßspeisen gebacken, die an die gut 100 Teilnehmer der Kundgebung verteilt wurden. Dazu brannte man Wunderkerzen ab und sang eine abgewandelte Version des Geburtstagsliedes „Viel Glück und viel Segen . . . Gesundheit und Freiheit (!) sei auch mit dabei“.

Die gute Stimmung spiegelte den Optimismus der Angehörigen wenige Tage vor dem erneuten Prozesstermin gegen Tolu wider. Am 18. Dezember muss sich die wegen „Unterstützung einer terroristischen Vereinigung“ angeklagte Journalistin im Istanbuler Justizpalast verantworten. „Ich bin mir zu 90 Prozent sicher, dass sie dann endlich freikommt“, sagte Mesales Vater Ali Riza Tolu, der am Freitag zur Kundgebung gekommen war und die letzten Monate überwiegend in Istanbul verbracht hatte, um seiner Tochter beizustehen. Die Freilassung ihres ebenfalls angeklagten Ehemanns Suat Corlu vor wenigen Tagen sei ein gutes Zeichen, glaubt Ali Riza Tolu. „Die Anklageschrift gegen meinen Schwiegersohn las sich viel heftiger als die gegen meine Tochter.“ Gleichwohl bleiben auch bei Ali Riza Tolu Restzweifel. „Wir wissen, dass meine Tochter Erdogan als politisches Druckmittel gegen Deutschland dient.“

Cengiz Dogan vom lokalen Solidaritätskomitee dankte den Unterzeichnern der bisher für Mesale Tolu verfassten Petitionen.  „Alles in allem sind 7300 Unterschriften zusammengekommen.“ Allein für Lanningers Petition hatten bis Freitagabend, 20 Uhr, mehr als 4700 Menschen unterschrieben – bis Mittwoch sind 5000 angepeilt. Auch alle ihre Namen wird Außenminister Gabriel zu lesen bekommen.

Unterstützung via Internet

Petition Die von Angelika Lanninger gestartete Petition findet man im Internet unter weact.campact.de/petitions/sofortige-freilassung-von-mesale-tolu-1.

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