Ulm 7. Ulmer Denkanstöße zum Thema "Der Zwang zum Glück?"

Ulm / LAURA THUMM . 14.03.2014
Am Freitag gehen die 7. Ulmer Denkanstöße in den dritten Tag, Thema: "Der Zwang zum Glück?" Doch was ist Glück in unserer Erlebnisgesellschaft? Eine Straßenumfrage aus Ulms Innenstadt liefert Antworten.

"Glück ist für mich Gesundheit und Zufriedenheit", erzählt Ewald Höhning (63) aus Ulm. Er habe in der Vergangenheit bereits zwei Herzinfarkte gehabt, sodass dieses Jahr nur noch besser werden könne. "Glück ist nicht, eine halbe Millionen zu gewinnen, sondern dass du mit dir zufrieden bist". Das mache den inneren Frieden aus. Weiter erzählt Höhning, der früher als "Krettaweber" für die Stadt unterwegs war, dass es auch Glück sei, eine nette Freundin zu finden. "Da muss man wirklich Glück haben."

Glück, das ist das Thema, das derzeit bei den 7. Ulmer Denkanstößen im Stadthaus diskutiert wird. Die Menschen haben durchaus verschiedene Vorstellungen von Glück, wie eine Umfrage auf der Straße zeigt. So antwortet Madeleine Tok (42) aus Ulm auf die Frage, was Glück sei: "Wenn die Kinder gesund sind und es ihnen gut geht." Sie spricht außerdem darüber, dass sie im Hinblick auf die schrecklichen Nachrichten, über die jeden Tag im Fernsehen berichtet werde, denkt, "Gott sei Dank ist bei uns kein Krieg und welch ein Glück, dass wir genug zu essen haben". Im Alltag denke sie darüber nicht so genau nach, doch wenn sie die Nachrichten sehe, werde es ihr bewusst, welch ein Glück wir haben, hier in Frieden zu leben.

Für Moritz Burkhart (20) aus Ulm hat Glück dagegen eine völlig andere Bedeutung. "Ich bin Buddhist, das ist meine Antwort." Ziel des Buddhismus ist die Befreiung vom Leiden. Diese Ziel soll durch ethisch korrektes Verhalten und die Entwicklung von Mitgefühl und Weisheit erreicht werden. Der Buddhismus erlaubt es, alles in Frage zustellen. Zudem gibt es kein Entweder-Oder, was zu Toleranz und Frieden führt. "Man baut sich seine eigene Welt." Es gibt keine äußere Autorität. "Glück muss von innen heraus entwickelt werden." Das bedeutet das Ende aller falschen Vorstellungen vom Dasein und die Loslösung von Gier und Ich-Sucht. Hat man diesen Zustand erreicht, so erlebe man "zeitlose Freude und Glück, das nicht mehr vergeht".

"Gesundheit und Liebe" sind das Wichtigste für die Ulmerin Saskia Pluskat (34). "Das Leben sollte einen glücklich machen."

Zu Besuch in Ulm sind Petra Freimann aus Kempten (59) und Ulrike Lemke (58) aus Zeitz in Sachsen-Anhalt. Für sie sei Glück, dass sie Urlaub haben und sich die Stadt Ulm, das Fischerviertel und die schöne Altstadt bei traumhaftem Frühlingswetter in Ruhe anschauen können. Lächelnd erzählt Petra Freimann, dass sie es außerdem als Glück empfindet, dass sie seit 40 Jahren - und immer noch - glücklich verheiratet sei. Ulrike Lemke ist glücklich darüber, dass sie ein fröhlicher Mensch ist und schnell Anschluss findet.

"Die kleinen Dinge" machen Robert Mättner (38) aus Ulm glücklich. Entscheidend sei, dass man mit sich zufrieden ist. Außerdem sei Glück für ihn, "keine Probleme und keinen Stress" zu haben. "Geld ist unwichtig - es ist zwar praktisch, aber unwichtig."

Eine andere Sichtweise nimmt Gerlinde Gürtler (71) aus Ulm ein. "Glück ist für mich Freiheit von Illusion." So erklärt sie, dass Himmel und Hölle in den Menschen seien. "Jeder hat eine andere Wahrnehmung für das, was die Welt uns zeigt." Innerer Friede sei entscheidend. So mache man sich frei von den zur Zeit nicht so schönen Begebenheiten in der Welt.

Der Ulmer Patrick Matheis (25), der am Donauufer den Sonnenschein genießt, bezeichnet es als Glück "wenn man die Situation, in der man gerade ist, genießen kann." Des Weiteren fügt er hinzu, dass man von Glück sprechen könne, wenn man zeitlos vor sich hinleben könne, ohne Druck.

"Gesundheit, Geld und Arbeit." Das sind die entscheidenden Komponenten für Saliha Suleman (49) aus Ulm, um glücklich zu sein. Die aus politischen Gründen aus Eritrea gekommene Einwanderin ist seit 1984 mit ihrer Familie in Ulm. Sie sei sehr froh darüber, dass es hier keinen Krieg gebe und also keine Menschen sinnlos Opfer werden. Diese Ruhe und dieser Frieden, das sei Glück

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