Langenau 650 Fans beim Naurock-Festival in Langenau

Leidenschaftliche Headliner des Naurock-Festivals: Die Happy mit Marta Jandová und Thorsten Mewes.
Leidenschaftliche Headliner des Naurock-Festivals: Die Happy mit Marta Jandová und Thorsten Mewes. © Foto: Volkmar Könneke
Langenau / CHRISTOPH A. SCHMIDBERGER 07.09.2015
Der Naurock in Langenau feiert 25. Geburtstag - und der Himmel weint Freudentränen. Teilweise Regen, klamme 11 Grad. Trotzdem kamen fast 650 Besucher zum Festival mit Die Happy und anderen Bands.

Pig-Ass and the Hoodlums aus Meßkirch mit ihrer feurigen Mischung aus Rockabilly und einem Schuss Psychobilly fiel die etwas undankbare Aufgabe zu, den Langenauer Naurock zu eröffnen. Wenig Besucher noch ob der frühen Stunde, trotzdem gab das Trio sein Bestes. Zu einem ins Blut gehenden Rhythmus von Schlagzeug und Kontrabass inklusive akrobatischer Einlagen nölte Sänger und Gitarrist Dietmar Krigar seine Stories über Teenagersorgen.

Einen Zeitsprung hinein in die 80er gab es dann mit der Ulmer Kultband Aida, die nach 20 Jahren Bühnenabstinenz wieder ab und an live zu sehen ist. Mit selbst komponierten Songs eifert man dem Progressive und Art Rock von Bands wie Marillion, Genesis oder Saga nach. Charakteristisch der Wechsel von Minimoog-Synthesizer, getragenem Gitarrenspiel und rauem Gesang: "We Can Build Together" hieß ihr eingängigster Titel, bevor sie mit Partykanonen dem Veranstalter Salut schossen. Kurz war der Auftritt der blutjungen Rocker von Van Holzen, die früher Ulms Bühnen unter dem Namen Rockfish unsicher gemacht hatten und nun mit krachenden Gitarren und deutschen Texten lautstark für Dynamik sorgten.

Niemand anderes als die Queen Revival Band war dann eingeladen, um mit den nun scharenweise nach vorne strömenden Besuchern Freddie Mercurys Geburtstag zu feiern, der just an diesem Samstag 69 Jahre alt geworden wäre. Mühelos gaben die Jungs um Sänger Harry Rose und Gitarrist Stefan Pfeiffer, die beide in ihrem Äußeren ihren Idolen ähneln, Klassiker um Klassiker zum besten. Dabei orientierte sich das Bühnenbild stark an die Zeit von Queens größten Live-Erfolgen Mitte der 80er Jahre. Herrlich "Radio Gaga" mit den Keyboards von Sebastian Simmich, "Bohemian Rhapsody" sorgte für glänzende Augen bei gestandenen Männern, und "The Show Must Go On" war nicht der einzige Refrain, der vom ausgelassen feiernden Publikum einmütig mitgesungen wurde - aber sicher der wehmütigste. Da wurden Queen geradezu angebetet: Rose stolzierte im sportiven Bühnenoutfit, das Handtuch und den Mikrofonständer schwingend, umher, zum Schluss gar mit der obligatorischen Krone und dem Königsmantel.

Für einige Besucher war dies vermutlich auch das Finale des Abends, denn als der Headliner Die Happy gegen halb Zwölf die Bühne betrat, war es merklich leerer geworden beim Naurock. Voller Spielfreude gab die Band um Frontfrau Marta Jandová, die sich einmal mehr als kraftstrotzender Wirbelwind erwies, von Anfang an Gas. Verständlicherweise kam die Grande Dame des Ulmer Rock wieder auf ihre jüngste Mutterschaft zu sprechen, aber auch auf die diesjährige Sommertour, die aus gerade mal zwei Auftritten bestand und beim Naurock ihr Ende fand: "Ich habe dringend eine Pause gebraucht." Neben Klassikern und Songs aus dem aktuellen Album "Everlove" warfen die Vier deshalb frisch erholt Alternative-Hymnen der Marke "The Rebel In You" unter die Menge, die so viel Power mit lautstarker Zustimmung quittierten.

Nach einem Appell gegen Fremdenfeindlichkeit verabschiedeten Die Happy das Publikum musikalisch mit einer leidenschaftlichen Coverversion von Destiny's Childs "Survivor".