Demonstration Tierschützer protestieren vor dem Schlachthof

Ulm / Christoph Mayer 14.08.2018
Friedlicher Protest statt radikaler Kampagnen: Erstmals demonstrieren Aktivisten der Organisation „Save Movement“ im Donautal.

Bewusstsein für das Leid von Schlachttieren schaffen: Dieses Ziel verfolgt die 2010 in Kanada entstandene Organisation „Save Movement“ weltweit und zunehmend auch in deutschen Städten wie Nürnberg, Erlangen, Stuttgart, Berlin – sowie am Montagabend erstmals in Ulm. Die Vorgehensweise der Aktivisten ist immer die gleiche: Bei Mahnwachen vor Schlachthöfen sollen ankommende Viehtransporter mit Einverständnis des jeweiligen Fahrers für maximal drei Minuten gestoppt werden. Die Aktivisten geben den Tieren frisches Wasser, reden ihnen gut zu, und filmen mit ihren Handys und Kameras die Gesichter der Schweine, Rinder oder Schafe, bevor diese ins Schlachthaus kommen. Diese Filme oder Fotos werden dann über soziale Medien wie Facebook oder Instagram verbreitet.

Aktion über Soziale Netzwerke organisiert

Die etwa 50 Demonstranten, die sich am Montagabend vor dem Schlachthof im Donautal versammeln und dort ganze vier Stunden ausharren werden, kennen sich größtenteils nicht. Es sind fast ausschließlich junge Leute, viele Studenten und deutlich mehr Frauen als Männer, die über soziale Netzwerke von der Aktion Wind bekommen haben. Dennoch scheint alles generalstabsmäßig vorbereitet zu sein. Es werden Gruppen eingeteilt und positioniert, Warnwesten ausgegeben, Wasserkanister verteilt. „Bitte keine Aggression gegen die Fahrer, keine Bilder vom Schlachthof, kein Blitzlicht, wir sind nur für die Tiere da“, erklärt Patricia Jakesch, eine der beiden lokalen Organisatoren.

Niemandem Ärger bereiten: Dieses für eine Tierschützer-Demo ungewöhnliche Konzept ist Teil der Strategie von „Save Movement“, sagt Co-Organisator Robin Baumann. Er hat eine Genehmigung der Bürgerdienste eingeholt, die Schlachthofbetreiber vorab informiert, aber keine Antwort erhalten, wie er sagt. Die Polizei überwacht die Aktion mittels patrouillierender Streifenwagen. Einschreiten muss sie nicht.

Toleranz gegenüber anderen Meinungen

Stephan Lange, Geschäftsführer des Schlachthofs, mischt sich unter die Demonstranten, auch er wird vier Stunden nicht von der Stelle weichen.  „Ich toleriere andere Meinungen“, sagt er, fordert diese Toleranz aber auch gegenüber seinem Gewerbe ein. Immer wieder kommt es zu Diskussionen, wobei Lange bemüht ist, rein sachlich zu argumentieren. Von Tierquälerei könne keine Rede sein, sagt der Mann, der selber einmal den Schlachterberuf gelernt hat. Allerdings wird deutlich, dass die Positionen unvereinbar sind. Etwa dann, wenn Lange darauf besteht, dass „wir die Tiere nicht töten“. Sie würden betäubt und dann entblutet. Das sei etwas anderes.

Keiner hält an

Die Aktion in Ulm ist ein Flop. Kein einziger der fünf Schlachtviehtransporter, die im Laufe des Abends in die Steinbeisstraße einbiegen, hält an. Keine Reaktion, nur ein paar Schweine strecken ihre Schnauzen durch die Luftritzen und quieken. Dabei hätte jeder Lkw-Fahrer ein Erfrischungsgetränk und eine Packung Schokowaffeln bekommen. Doch die auf den Bürgersteigen stehenden Demonstranten mit ihren Warnwesten, Schildern und winkenden Händen wirken wohl abschreckend. Gestörter Betriebsablauf, späterer Feierabend: nein Danke. Auch die nach Schichtende heimgehenden Schlachthofmitarbeiter – fast alle ausländische  Arbeitskräfte – schauen auf die Aktivisten wie auf Wesen von einem anderen Stern.

„In anderen Städten hat es geklappt mit der Kontaktaufnahme“, sagt eine Demonstrantin aus Nürnberg. Organisator Robin Baumann ist überzeugt, dass es auch in Ulm klappen wird. „Wir müssen dranbleiben und weitermachen.“

Das könnte dich auch interessieren:

Und noch eine Aktion am Freitag

Truck Mit einem umgebauten Viehtransporter macht das Deutsche Tierschutzbüro am Freitag (11 bis 18 Uhr) auf dem Münsterplatz Station. Ziel: die Bevölkerung über Tiertransporte aufzuklären. Man kann den Truck über die Laderampe betreten und dort Videos ansehen, die die Zustände bei Transporten zeigen. Unter dem Motto „Tiertransporte schmecken nicht“ sind die Tierrechtler auf Tour durch 32 Städte. „Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass täglich 3,7 Millionen Tiere auf deutschen Straßen transportiert werden. Mit unserer Kampagne wollen wir das Leid sichtbar machen“, sagt Fabian Steinecke, Sprecher des Tierschutzbüros.

Einer der größten Schlachthöfe im Land

Kapazität Der zur Müller-Gruppe (sie hat nichts mit Drogerie-Müller zu tun) gehörende Ulmer Schlachthof in der Steinbeisstraße ist laut ISN-Schlachthofranking 2017 der fünftgrößte in Deutschland. Nach Angaben von Geschäftsführer Stephan Lange werden in der Anlage im Industriegebiet Donautal wöchentlich 2500 Rinder und 35 000 Schweine geschlachtet. Zulieferer sind landwirtschaftliche Zucht- und Mastbetriebe aus einem Umkreis von rund 80 Kilometern. Die Schweine werden zunächst mit CO2-Gas betäubt und dann per Schnitt entblutet, wie es in der Fachsprache heißt. Im Ulmer Schlachthof sind etwa 500 Mitarbeiter beschäftigt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel