Ich denke, also bin ich. Dieses Gerücht soll der junge Descartes ja entwickelt haben, nachdem er 1619 in einer Ulmer Winternacht in philosophische Zweifel gestürzt worden war. So gesehen ist es zwar ein wenig verspätet, aber nur konsequent, dass es seit 2008 Ulmer Denkanstöße gibt. Heute ist es wieder soweit, mit dem Auftakt zur fünften Runde, Thema diesmal: "Leben, um zu arbeiten - arbeiten, um zu leben? Eine Gesellschaft im Wandel."

Nachdem bislang die Interkulturalität, das Sterben, Respekt und Gewalt sowie die Spannung zwischen dem Ich und dem Wir erörtert wurden, haben Renate Breuninger vom Humboldtstudienzentrum der Universität und Iris Mann von der Kulturabteilung der Stadt Ulm mit der Arbeit wieder ein Thema gefunden, das Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft neue Antworten abverlangt - die bisher nicht wirklich zu sehen sind. Bis einschließlich Samstag wollen Fachreferenten in Vorträgen und Debatten der Zukunft aber etwas näherkommen.

Dabei hat ausgerechnet die von Descartes mit in die Spur gebrachte Aufklärung den Wert der Arbeit für die Identität des Menschen erst begründet, wie er jetzt in Frage steht: Während vielen die Arbeit ausgeht, beherrscht sie das Leben derer, die welche haben, mit Dauerverfügbarkeit. Der Benediktiner Notker Wolf (Hobby: E-Gitarre spielen) dürfte da mit seinem Vortrag am Donnerstag gleich mal die Bremse reinhauen, gehört doch das ora zum labora. Am Freitag und Samstag geht es in Foren um Geschichte und Wandel des Arbeitsbegriffs und das Spannungsfeld von Arbeits- und Lebenswelt. OB Ivo Gönner bringt am Samstag, 14 Uhr, mit "Ulmer Arbeitswelten" womöglich lokale Denkansätze ein.

Nichts ist mehr klar in einer Zeit, die entdeckt, dass ja auch Hausfrauen Arbeit verrichten, in der Jugendliche über Dauerpraktika ins Leben finden müssen und Politiker aufs Ehrenamt schwören, während schon die nächste technologische Welle auf die Arbeitswelt zurollt. Deren Zukunft ist zum Abschluss dann Thema von Trendforscher Matthias Horx - der mit seiner "Floppologie" schon mal eine Theorie des technischen Scheiterns entwickelt hat.

Info Heute läuft der Film "Up in the Air": George Clooneys Job ist es, Leute zu feuern. Xinedome, 18 Uhr, Eintritt frei. Zum Vortrag von Notker Wolf morgen, 19.30 Uhr, Stadthaus, gibt es noch Stehplätze. Weitere Veranstaltungen im Tageskalender.