Ulm 4500 Banater Schwaben in Ulm

Ulm / CHRISTINE LIEBHARDT 10.06.2014
Alle zwei Jahre kommen die Banater Schwaben in ihrer Patenstadt zusammen. Der Heimattag ist immer auch politisch. Heinz Günther Hüsch, dem viele ihre Ausreise aus Rumänien verdanken, wurde geehrt.

"Man trifft hier Landsleute, die man jahrelang nicht sieht", erklärt Peter Merstorf den Reiz des Heimattages, an dem sich am Pfingstwochenende wieder tausende Banater Schwaben in Ulm getroffen haben. Merstorf war in den Neunzigern aus Rumänien ausgewandert, ebenso wie Jochen Schied. In einem Wohnheim in Müllheim bei Freiburg lernten die Männer sich kennen. Heute lebt der eine in Göppingen, der andere in Rheinbischofsheim. Sie treffen sich selten, aber in Ulm laufen sie sich immer über den Weg. "Es ist toll, dass das ganze Brauchtum hier weiterlebt und dass alles ehrenamtlich gemacht wird", findet Jochen Schied.

Heimat und Tradition bewahren und das Unrecht, das den Rumäniendeutschen in ihrer Wahlheimat nach dem Zweiten Weltkrieg angetan wurde, nicht vergessen - diese Themen waren stets präsent beim Heimattag 2014: bei den Auftritten der Banater Trachtengruppen in der Fußgängerzone, bei der Gedenkfeier am Auswandererdenkmal an der Donau, bei den Reden in der Donauhalle am Sonntag, wo sich Tausende versammelten.

"Ihre Tragödie endete erst vor einem Vierteljahrhundert", sagte Landtagspräsident Guido Wolf (CDU) in seiner Festrede. Die Leidensgeschichte der Banater Schwaben sei Aufforderung, konsequent ein Europa zu schaffen, in dem Menschen ohne Furcht leben können und in dem das Recht auf Heimat ein Menschenrecht ist. Die Donau bezeichnete Wolf als "Achse des Guten". Er bedankte sich bei den Einwanderern, die Baden-Württemberg mit zu dem gemacht hätten, was es ist: "Durch Ihre Geradlinigkeit leisten Sie unserem Land einen unschätzbaren Dienst."

Einen ebenso unschätzbaren Dienst hat Dr. Heinz Günther Hüsch den Banater Schwaben geleistet: Durch seinen Einsatz konnte Deutschland bis zum Mauerfall rund 226 000 Landsleute aus Rumänien freikaufen, sie durften ausreisen. Mehr als eine Milliarde Mark ist dafür an das Ceausescu-Regime geflossen. Für diese Verdienste verlieh die Landsmannschaft Hüsch jetzt ihre höchste Auszeichnung, die Prinz-Eugen-Nadel.

Im Januar 1968 hatte der damals 38-jährige Rechtsanwalt von der Bundesregierung den Auftrag erhalten, mit Offizieren des rumänischen Geheimdienstes über Familienzusammenführungen zu verhandeln. "Ohne das Beharren der BRD hätte es keine Ausreise gegeben", sagte Laudator Ernst Meinhardt. Bei Hüsch als alleinigem Verhandlungsführer liefen über Jahrzehnte alle Fäden zusammen. "22 Jahre dauerte dieser Kampf der Worte, der Argumente und auch des Geldes", sagte Hüsch. "Das war die größte humanitäre Aktion, die die Geschichte kennt." Der Geehrte drückte seine Hochachtung davor aus, wie die Banater Schwaben ihr Schicksal meistern. "Ich wollte helfen, und ich stehe auch heute dazu: Es war richtig, so zu handeln." Für diese Worte gabs stehende Ovationen und Rührung in den Gesichtern der Anwesenden. Sie haben ihm viel zu verdanken.

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