Bau 450 Wohnungen und ein Büroturm für Neu-Ulm

Am Computer visualisiert: Das Büro-Hochhaus, das den Südstadt-Bogen markant prägen soll. Daran anschließt eine kammartige Bebauung mit 15 Wohngebäuden. 
Am Computer visualisiert: Das Büro-Hochhaus, das den Südstadt-Bogen markant prägen soll. Daran anschließt eine kammartige Bebauung mit 15 Wohngebäuden.  © Foto: Mühlich, Fink und Partner
Neu-Ulm / Hans-Uli Thierer 13.10.2016

Harakiri? Ist nicht die Sache von Walter Hopp. Der Chef der Ulmer Realgrund AG, die Bauprojekte entwickelt und realisiert, ist bekannt dafür, dass er sein Unternehmen mit durchaus strenger Hand führt. Und damit stets auch mit klarem Blick für das Machbare. Risiken müssen überschaubar bleiben. Eben keine Risikogeschäfte.

Diese Philosophie steckt auch hinter dem  Vorhaben „Südstadtbogen“, das eines der größten Investitionsprojekte in der Geschichte der Stadt Neu-Ulm werden könnte. Für 140 Millionen Euro sollen am südwestlichen Eingang zur Neu-Ulmer Innenstadt – nördlich von Bahnlinie und Turmstraße und westlich der Glacis Galerie – ein markantes, 13 Stockwerke hohes Bürohaus, der Südstadtturm, und  450 neue Wohnungen ganz unterschiedlicher Zuschnitte entstehen. Dies auf dem Deckel einer drei Ebenen in den Boden reichenden Tiefgarage. Sie geht 30 Meter in die Tiefe und erstreckt sich, so Hopp über den derzeitigen  Planungsstand, auf einer Länge von 350 Metern unter dem 16.800 und damit zwei Sportplätze großen Baugrundstück.

Alles in allem sollen an die 800 Stellplätze geschaffen werden. 450 sind für den  Bedarf, der durch die  Neubauten entsteht. Mit 350 Stellplätzen soll das  Bauvorhaben die öffentlichen Stellplatzprobleme lösen,  die der Stadt Neu-Ulm durch die notwendig gewordene Schließung des abbruchreifen Bahnhof-Parkhauses entstanden sind.

Der „Südstadtbogen“, der so heißt, weil er mit dem Baugrundstück die langgestreckte Kurve der Bahnlinie folgt, tritt an die Stelle der gescheiterten „Grünen Höfe“ des Illertissener Planers und Investors  Ulrich Nickel. Er hat das Baugrundstück an die Realgrund verkauft. Die plant nun  nach gegenwärtigem Stand mit einem Gesamt-Investitionsvolumen von 140 Millionen Euro.

Diese Summe ist es, die die Frage nach dem unternehmerischen Wagnis aufwirft. Wie kommt ein Unternehmen wie die Realgrund mit 35 Mitarbeitern und einem durchschnittlichen Jahresumsatz von 40 Millionen Euro dazu, sich auf  ein solches Großprojekt zu stürzen? Auf diese Frage lehnt sich Hopp erst einmal gelassen zurück. „Natürlich begrenzen wir unser eigenes Risiko.“ Der „Südstadtbogen“ solle ohne Bankenfinanzierung realisiert werden. Wie das? Indem die Realgrund potente Investoren gewonnen hat. Namen nennt Walter Hopp nicht, aber Branchen: Überregionale Versicherungsgruppen und Pensionskassen stehen als Geldgeber und Geldanleger parat.  Dies nicht nur, weil solche Investoren  angesichts der anhaltenden Niedrigzins-Phase ihr Heil in  Beton suchen, also auf dem Immobilienmarkt aktiv werden. „Es hat sich auch herumgesprochen, dass Ulm/Neu-Ulm ein interessantes Pflaster ist. Die Wirtschaft boomt, die Menschen verdienen gut, wir sind Zuzugsgebiet. Das schafft Aufmerksamkeit. In Neubauten zu investieren ist attraktiver und lukrativer als Geldanlagen“, schildert Hopp seine Erfahrungen mit den Partnern im Hintergrund.   

Sie entlasten die Realgrund AG, indem sie in den Wohnungsbau finanzieren, während die Realgrund auf eigene Rechnung den Büroturm baut und später vermarktet. Darin sollen 6300 Quadratmeter Büroflächen entstehen; im sich Richtung Süden anschließenden etwa halb so hohen Anbau zur Gartenstraße hin sind im Erdgeschoss außerdem Flächen für Gastronomie und Einzelhandel vorgesehen.

Ein Ulmer Büro plant

Alles in allem plant das Ulmer Büro Mühlich, Fink und Partner, das für die Realgrund schon die Bebauung am Neu-Ulmer Jahnufer entwickelt hat, einen Komplex aus 15 Gebäuden. Er wird unterbrochen durch einen platzartigen Durchgang. Die Neu-Ulmer Südwestflanke in die Innenstadt erhält also ein neues  Stadtquartier in zeitgemäßer Architektur.

Der Bebauungsplan ist auf dem Weg. Er kommt nächsten Dienstag in den Neu-Ulmer Fachausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. Hopp ist wie schon am Donauufer angetan von der unkomplizierten und unbürokratischen Herangehensweise der Stadtspitze und des Oberbürgermeisters Gerold Noerenberg an dieses Großvorhaben. Sollte es auf der Planungsschiene nicht zu Verzögerungen kommen, rechnet Hopp mit dem Baubeginn im Sommer des nächsten Jahres. Fertigstellung des „Südstadtbogens“ wäre in diesem Fall Mitte des Jahres 2020.

Ein Büroturm und 450 Wohnungen

Das Konzept Neben dem Büroturm und Einzelhandels-/Gastro-Nutzungen im an das Hochhaus angedockten Gebäude sieht das städtebauliche Konzept von Mühlich, Fink und Partner eine kammartige Bebaung mit Wohnblöcken vor, die vier bis acht Geschosse hoch werden. Alles in allem sind 450 Wohnungen geplant mit einer Gesamtwohnfläche von 30 000 Quadratmetern. Darunter werden 90 Einheiten für Senioren und betreutes Wohnen sein, die das Ulmer Büro Ziegler plant. Die  Betreuung übernimmt, so Realgrund-Vorstand Walter Hopp, die Caritas. Bei den restlichen Wohneinheiten handelt es sich um Eigentums- und Mietwohnungen. 120 von letzteren baut die Realgrund selber.

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