Förderung 440.000 Euro fürs HfG-Archiv

Als man in Ausstellungen noch rauchen durfte: Das Publikum in der ersten HfG-Schau 1958, in der Mitte Sisi Maldonado mit Zigarette.
Als man in Ausstellungen noch rauchen durfte: Das Publikum in der ersten HfG-Schau 1958, in der Mitte Sisi Maldonado mit Zigarette. © Foto: Klaus Wille
Ulm / LENA GRUNDHUBER 18.08.2016
Soviele Drittmittel hat das Ulmer Museum nie auf einen Batzen gesehen: 440.000 Euro erhält das HfG-Archiv von der Volkswagenstiftung.

Ausgerechnet ein Freitag der 13. war der Glückstag: „Aber da hatte ja auch Otl Aicher Geburtstag“, sagt Martin Mäntele, der sonst eigentlich nicht des Aberglaubens verdächtig ist. Bei so einem Ereignis aber kann man schon mal an gute Geister glauben. 440.000 Euro haben der Leiter des HfG-Archivs und zwei professorale Mitstreiter von der Volkswagenstiftung bekommen, nachdem sie an besagtem Freitag ihr Forschungsvorhaben in Hannover vorgestellt hatten. Fast eine halbe Million an Drittmitteln – soviel habe das Ulmer Museum, zu dem das HfG-Archiv gehört, seines Wissens noch nie für ein einzelnes Projekt erhalten, sagt Mäntele.

Zumal für eines, das auf den ersten Blick schon recht akademisch wirkt. „Gestaltung ausstellen. Die Sichtbarkeit der Hochschule für Gestaltung Ulm: Von Ulm nach Montréal“ lautet der Titel des Vorhabens, das nun im Rahmen der Initiative der Volkswagenstiftung „Forschung in Museen“ gefördert wird. Über vier Jahre hinweg sollen die vier Ausstellungen untersucht werden, die die einstige Hochschule für Gestaltung zwischen 1958 und 1967 über sich selbst gemacht und unter anderem auf der Weltausstellung in Montréal präsentiert hat.

Das Material dazu sei im HfG-Archiv vorhanden, sagt Mäntele. Bislang habe man es relativ unkritisch als Quellenmaterial benutzt, nun will man sich das Ganze noch einmal historisch-kritisch ansehen: „Wir wollen wissen, welches Selbstverständnis und welche Strategien der HfG dahinterstecken.“ Im Laufe ihres Bestehens zwischen 1953 und 1968 habe die Gestaltungshochschule, zuletzt schon in der Krise, immer wieder den Nachweis über ihre Existenzberechtigung führen müssen. So habe es 1963 im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ einen kritischen Artikel gegeben: „Keine Gründung hat aber auch so viel mehr versprochen als gehalten, keine andere akademisch-künstlerische Lehr- und Forschungsanstalt wurde bis auf den heutigen Tag von so vielen Krisen und Querelen heimgesucht“, hieß es darin. Gegen solche Anwürfe hatte die HfG sich unter anderem zu verteidigen.

In internationalen Ausstellungen präsentierte sich die Schule als die maßgebliche Gestaltungshochschule, die das Berufsbild des Industriedesigners revolutionierte. „Ich denke, dass das sehr ergiebig ist“, sagt Mäntele. Ausstellungsgestaltung scheine momentan generell ein Thema von Interesse; man werde das sicherlich gut vermitteln.

Den Anstoß zu dem Forschungsvorhaben habe Professor Thomas Hensel von der Hochschule Pforzheim gegeben, der zu Recherchezwecken im HfG-Archiv war. Zweiter Projektpartner ist Steffen Siegel, Fotografie-Historiker von der Folkwang Universität in  Essen. Zwei Doktoranden der beteiligten Professoren werden hauptsächlich an dem Thema forschen, dazu kommen Volontäre und Hilfskräfte. Der Großteil der Mittel fließe also ins Personal, sagt Martin Mäntele. Am Ende sollen dementsprechend zwei Doktorarbeiten, Workshops, eine internationale Tagung zur „Öffentlichkeit der Gestaltung“ und ein Buch zur Tagung stehen sowie wohl eine Ausstellung.

„Schon nicht schlecht“, sagt Martin Mäntele bescheiden, der in Wahrheit natürlich schon ein bisschen stolz ist: „Wir sind eines von neun Museen, die gefördert werden, und es ist das letzte Mal, dass das Programm aufgelegt wird.“

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