Veranstaltung 39. Neu-Ulmer Stadtfest war gut besucht

Bürgermeister Reinhard Junginger erledigte den Fassanstich mit zwei Schlägen. Trotz Regenschauers waren die Besucher gut gelaunt, gleich darauf waren die Bänke wieder voll.
Bürgermeister Reinhard Junginger erledigte den Fassanstich mit zwei Schlägen. Trotz Regenschauers waren die Besucher gut gelaunt, gleich darauf waren die Bänke wieder voll. © Foto: Volkmar Könneke
Neu-Ulm / Bernd Rindle 11.06.2018

Beim Neu-Ulmer Stadtfest gab es bislang eine Konstante: die Sonne. Die schien immer, halt meistens über den Wolken. Wenn man sich auf eines verlassen konnte, dann auf das verlässliche Eintreffen einer hartnäckigen Regenfront. Das war am Samstag – fast – anders. Bei der Terminierung der großen Freiluftparty haben sich die Organisatoren wohlweislich an jene gehalten, die sich mit miesem Wetter auskennen: die Engländer. Wenn die ihre Militärparade „Trooping the Colour“ zu Ehren der Queen aus Witterungsgründen auf Juni verlegen, obwohl die im April Geburtstag hat, kann man an diesem Tag auch in Neu-Ulm getrost feiert.

Und siehe da: Es war nahezu Kaiserwetter. Zu mehr als Drohgebärden brachten es vereinzelte Wolken tagsüber nicht, die vorbeizogen wie die britischen Truppenteile an ihrer Monarchin. In diesem Fall haben es die hiesigen Partygänger übrigens besser getroffen, denn sie mussten nicht stehen blieben. Schon am frühen Nachmittag war die Biertisch-Armada auf dem Rathausplatz weitgehend in Besitz genommen.

„Bier-Pong“ und Partymusik

Darunter auch eine unvermeidliche Gruppe von Junggesellinnen, die den bevorstehenden Abschied einer der Ihren ins Eheleben feierten. Logistisch geschickt in der Nähe des Cocktail-Mobils, einem umgebauten VW-Bus mit Klappdach, spielten die in Rosa gewandeten Damen „Bier-Pong“ und hingen, soweit noch möglich, ihren Gedanken nach oder an der Flasche. Partymusik mit einschlägigen Gassenhauern dröhnte aus dem mitgebrachten Ghettoblaster vom Leiterwagen.

Was eigentlich nicht nötig gewesen wäre, denn Beschallung gab’s zuhauf auf dem Rathaus-, Johannes- und Petrusplatz. Eher Volkstümliches mit reichlich Blecheinsatz lieferten die Neu-Ulmer Stadtkapelle und die Schützenkapelle Reutti ab, bevor abends „Robbie & Friends“ mit Hits der Rock- und Popgeschichte spielten. Härtere Töne kamen zunächst von „Razzmattazz“ auf der Petrusplatzbühne, bevor die „Partyschwaben“ ihrem Namen alle Ehre machten.

Unausweichlich auch, dass kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft auch bei einem Stadtfest das Runde ins Eckige musste. „Drei unten, drei oben! Das läuft im Prinzip wie das klassische Torwandschießen, wie man es kennt“, erklärte Balljunge und Radio-7-Moderator Dominic Gebauer. 100 Hobbykicker hatten dabei die Möglichkeit, den Ball aus sieben Metern Abstand einzulochen. Als Preis winkte eine Prämie von 77 000 Euro. Profis waren übrigens nicht zugelassen, wobei die angesichts ihrer Verdienstklasse wohl erst gar nicht angetreten wären. Allerdings hätte man auch Nationalkicker vor dem Hintergrund ihrer jüngsten Leistungen ruhig mitmachen lassen dürfen. Geschafft hat’s übrigens keiner. Mehr als zwei Bälle konnte niemand versenken.

Geschafft hätte man auch die Fülle der angebotenen Nahrungsmittel an den einzelnen Ständen eher nicht. Dennoch versuchte „Taverne“-Wirtin vom Johannesplatz, Litsa Georgiu, sich im einem Akt gut nachbarschaftlicher Beziehung von Stand zu Stand durchzufuttern: „Ich habe fast bei allen etwas gegessen.“ Zuletzt „noch Currywurst, eine Bratwurst und Kuchen“, gefolgt „von einem Rotwein bei der SPD“. Bei denen es nicht nur Rotes gegeben hat: „Manche Wurst ist schwarz geworden“, sagte eine Helferin.

Was die gereichten Schmankerl betrifft, war kein zwingender kausaler Zusammenhang mit der parteipolitischen Ausrichtung gegeben. Gut, die Grünen schenkten unter anderem den Cocktail „Green Touch“ aus, was eine gewisse Nähe suggerieren könnte, während die CSU neben Kuchen „Scharfe im Semmel“ feilbot, und die Freien Demokraten mit ihren Holzfällersteaks rustikal unterwegs waren.

Akku-Schrauber in der Küche

Noch kerniger gingen die Bürger Pro Neu-Ulm ans Werk: Um „Spiralkartoffeln“ herzustellen, benutzten sie einen Akku-Schrauber als Küchengerät. Mit Erfolg, denn das Geschäft lief scheinbar prächtig. „Besser als wenn man Brillen verkauft“, ließ Stephan Salzmann wissen. Die Freien Wähler haben dagegen gar nichts verkauft: Sie mussten ihre Beteiligung schweren Herzens absagen, da der Großteil der potenziellen Helfer nach den Pfingstferien in Urlaub gefahren sind, sagte Andreas Schuler und versprach: „Nächstes Mal sind wir wieder dabei.“

Zumindest ist sind sie trockenen Fußes geblieben, denn einen Regenguss gab es dann doch noch, so viel Tradition muss sein: Exakt um 19.45 Uhr öffneten die dicken grauen Wolken ihre Schleusen. Doch nach einer halben Stunde war der Spuk wieder vorbei und die Party konnte weitergehen. Ansonsten gab es keine besonderen Vorkommnisse, wie die Polizei sagt. Was blieb, war ein veritabler Regenbogen über der Festmeile.

100

Hobbykicker versuchten sich beim Torwandschießen. Aber keiner schaffte die geforderten sechs Treffer, so blieb die Siegerprämie von 77 000 Euro unangetastet.

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