Jubiläum 38 Jahre lang am Theater gearbeitet

Wird heute 90 Jahre alt: Lotte Glauninger-Imbacher.
Wird heute 90 Jahre alt: Lotte Glauninger-Imbacher. © Foto: Privat
Ulm/Schießen / ruk 07.11.2018

Auf der Bühne stand sie nur einmal. Wobei: Sie stand nicht, sie lief. Der Regisseur hatte nach einer Statistin verlangt – und da sie sich sowieso immer bis spät nachts im Theater aufhielt, lag die Idee nahe, sie als Komparsin einzusetzen. Ansonsten war sie die Frau im Hintergrund und darauf bedacht, die Schauspieler in Szene zu setzen. Lotte Glauninger-Imbacher arbeitete 38 Jahre lang in der Schneiderei des Ulmer Theaters, davon drei Dekaden als Gewandmeisterin. Heute feiert sie, die die„wilden Theaterzeiten“ erlebt hat, ihren 90. Geburtstag.

Gustav Deharde, Peter Wackernagel, Joachim von Groeling, Kurt Hüber, Ulrich Brecht, Detlof Krüger, Peter Borchardt, Volkmar Clauß und Pavel Fieber – mit all diese Intendanten hat sie gearbeitet. Und mit so manchem ihre Erfahrung gemacht. Klar, das Ego der Theaterleute ist groß, bisweilen übergroß, „denen habe ich dann die Meinung gegeigt. Die brauchten eine klare Ansage“. Selbst Ralf Milde, der vor seiner Zeit als Stadtrat am Ulmer Theater Regie führte, lernte, sich zu zügeln. Heute noch sagt er: „Vor Lotte Glauninger hatte ich wirklich Respekt.“ Für andere wiederum musste die Gewandmeisterin nach stundenlangen Proben gute Worte finden, „die waren schon erledigt und standen dann noch bei mir in der Schneiderei“.

Oft arbeitete sie vor den Premieren die Nächte durch, speziell die drei Premieren am Eröffnungswochenende Anfang Oktober 1969 hat sie noch in Erinnerung. „Da braucht es Nerven wie Drahtseile, die Kostüme mussten ja fertig werden.“ Eines, das aus dem Rosenkavalier, hat sie immer noch vor Augen. Ein Kostüm mit einem Einsatz, der damals ein Vermögen kostete. 625 Mark der Meter. In München hatte sie den Stoff gesehen – der sollte es sein und kein anderer. Aber der Preis! Also bat sie den Verkäufer, zehn Meter aufzuschreiben, um nicht, zurück in Ulm, einen Kopf kürzer gemacht zu werden. Denn Sparen stand natürlich an oberster Stelle, „der Fundus musste schon immer eingesetzt werden“, sagt sie, die hinter der Bühne auch ihren Mann kennenlernte: Bühnenmeister Winfried Imbacher. Er starb im März dieses Jahres.

Was bleibt? Der Spaß, den ihr der Beruf als Gewandmeisterin trotz allen Stresses gemacht hat. Und ein Satz aus dem Rosenkavalier: „Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein.“ Dann lacht Lotte Glauninger.

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