Ulm 3. Ulmer Frauenlauf: Wenn Frauen Spaß haben

Mit Tüllröckchen oder ganz normal: Heute Abend ist wieder Frauenlauf angesagt.
Mit Tüllröckchen oder ganz normal: Heute Abend ist wieder Frauenlauf angesagt. © Foto: Matthias Kessler
UTE GALLBRONNER 08.07.2016
Punkt 19 Uhr fällt am Freitagabend der Startschuss zum 3. Ulmer Frauenlauf. Anschließend sind Highheels gefragt.

Am Freitagabend werden sie wieder aus ihren Löchern kommen. Diejenigen, die eigentlich alles bescheuert finden, was nicht mindestens so viel Tiefgang hat wie die Titanic. Aber die Frauen, die von 19 Uhr an durch die Stadt rennen, haben in der Tat keinerlei intellektuellen Anspruch im Gepäck. Sie wollen nicht die Welt retten, nicht mal Spenden sammeln oder gegen etwas demonstrieren. Nein! Sie tun es nur aus Spaß an der Freude.

Natürlich werden die Bedenkenträger wieder maulend vor den Absperrgittern stehen. Sie werden die Ordner anpöbeln, wenn sie ein paar Meter Umweg laufen müssen. Andere werden lästern. Wahlweise über hechelnde Weiber, die ihre Kilos um die Runde wuchten, oder über dürre Ausdauerbiester ohne weibliche Rundungen. Aber, meine Herren: Das ist den 1500 Frauen schlicht egal.

Der Frauenlauf ist ein Phänomen. Schon kurz nach der Veranstaltung im vergangenen Jahr waren die 1000 Startplätze vergeben. Die Veranstalter, die auch den Einstein-Marathon organisieren, haben schnell reagiert und nachgelegt. Die Strecke wurde verändert und eine weitere Schleife eingebaut, damit sich das Feld verteilt. Auch die zusätzlichen Startplätze waren in wenigen Tagen vergriffen. Mehr ist einfach nicht drin. Dabei ist das alles mit 25 Euro Startgeld kein Schnäppchen. Doch es macht halt Spaß.

Um was es geht? Etwa ein Prozent ist auf der Jagd nach dem Sieg. Gewonnen hat die Dame, die in einer Stunde die meisten Runden dreht. Dieses eine Prozent der Schnellläuferinnen hat es aber nicht leicht im Gros der Gemütlichen. Da wird schon mal gekeift, wenn sich jemand in seinem Vorwärtsdrang gebremst fühlt. Die allermeisten Damen sammeln aber nur ihre Bändchen, die sie für jede Runde bekommen. Die können dann in Sekt oder andere Getränke umgesetzt werden.

Männer gibt es am Freitagabend übrigens auch: Ein paar stöckeln immer verkleidet mit, was sie in der Regel mit üblen Blasen in den Highheels bezahlen. Zudem sind 150 Freiwillige dabei, die Bändchen und Getränke verteilen sowie die Gaben der Sponsoren. Dazu die Ehegatten, Söhne und Freunde am Rande der Bande, die den häufig in Gruppen und passendem Outfit auftretenden Damen anfeuernd zur Seite stehen und zwischendurch füttern, damit sie die Stunde auch durchhalten.

Egal ob Männlein oder Weiblein: Wer gut gelaunte Menschen nicht leiden kann, sollte am Freitagabend die Innenstadt lieber meiden.