Ulm 28-jähriger Täter in Ulm zu Haftstrafe verurteilt - Opfer traumatisiert

HANS-ULI MAYER 13.12.2013
Zu einem Jahr und drei Monaten Haft hat das Amtsgericht Ulm einen 28-Jährigen verurteilt. Der hatte einer Frau zwei Ketten vom Hals gerissen.

Für einen 28-jährigen Mann aus Polen sollte es das schnelle Geld sein, für sein 67-jähriges Opfer war der Überfall ein traumatisches Erlebnis, das ihr Leben bis heute deutlich einschränkt. Es war der 4. September, mittags um 14.20 Uhr an der Endhaltestelle der Linie 7 an der Prittwitzstraße. Die Frau war mit einer Bekannten auf dem Friedhof gewesen und wollte gerade in den Stadtbus einsteigen, als sie von hinten angegriffen wurde. "Meine Geldgier hat mich wohl dazu getrieben", sagt der Angeklagte, der sich vor Gericht nicht mehr erklären konnte, warum er sich hat dazu "hinreißen lassen". An jenem Tag aber hat er der 67-Jährigen von hinten an den Hals gegriffen, um ihr zwei lange Goldketten samt Anhänger über den Kopf zu ziehen: "Ich dachte, die kann ich in Polen verkaufen."

Doch sie verhakten sich am Henkel einer Tasche, die die Frau quer über die Schulter gelegt hatte, zerrissen und fielen auf den Boden. Ohne Beute musste der Täter flüchten, konnte durch das beherzte Eingreifen von Passanten aber wenig später festgenommen werden.

"Ich dachte, was ist jetzt los und bin sehr erschrocken", sagt die Frau, die einen 15 Zentimeter langen Bluterguss am Hals erlitten hat. Noch schlimmer aber wiegt die psychische Belastung, die Angstzustände, die sie seither hat. Nachts könne sie nicht mehr richtig schlafen, allein aus dem Haus traut sie sich schon gar nicht mehr: "Es ist nichts mehr so, wie es war. Das steckt tief in mir drin", sagt sie und lehnt eine Entschuldigung des jungen Mannes kategorisch ab.

Der ist kein unbeschriebenes Blatt und hat in seiner Heimat wegen ähnlicher Delikte schon viereinhalb Jahre im Gefängnis gesessen. Wie er vor dem Ulmer Amtsgericht sagte, sei er auf Arbeitssuche nach Deutschland gekommen und erst in der Nacht zuvor in Ulm angekommen. Wie ernst die Arbeitssuche war, ließ sich nicht klären. Konkrete Adressen hatte er nicht bei sich. Bekannte hätten sich darum kümmern wollen, sagte er. Um welche Art von Arbeit es sich dabei handeln sollte, konnte er aber nicht sagen.

Jetzt hat er ein Jahr und drei Monate lang Zeit, darüber nachzudenken. So lange muss er hinter Gitter.