Interview Karl Schwer: 24 Jahre lang Hausmeister im Ulmer Rathaus

Eines der schönsten Gebäude Ulms war sein Arbeitsplatz: Karl Schwer, Hausmeister im Rathaus, geht in den Ruhestand.
Eines der schönsten Gebäude Ulms war sein Arbeitsplatz: Karl Schwer, Hausmeister im Rathaus, geht in den Ruhestand. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Chirin Kolb 19.01.2019
Karl Schwer war 24 Jahre lang Hausmeister im Rathaus, Aushilfsfahrer des OB und vieles andere. Ein Gespräch.

Wenn Karl Schwer Ende des Monats in den Ruhestand geht, hat er 32 Jahre lang bei der Stadtverwaltung Ulm gearbeitet, 24 davon als Hausmeister im Rathaus. Mit seinem Kollegen ist er zuständig für den reibungslosen Ablauf der Empfänge, Veranstaltungen und Sitzungen. Die dauern manchmal lang, sehr lang. Und Karl Schwer war dann oft derjenige, der als Letzter das Licht ausknipste.

Herr Schwer, Sie kennen das Rathaus in- und auswendig. Welches ist Ihr liebster Raum?

Karl Schwer: Habe ich keinen. Ich denke oft, wenn ich morgens komme: Ich habe schon einen schönen Arbeitsplatz. Das Rathaus ist einfach ein schönes Haus. Aber manche, die den Wein gern mögen, sagen: am schönsten ist der Weinraum.

Wo hat das Rathaus denn einen Weinraum?

Im zweiten Untergeschoss. Da lagern wir außer Wein auch Sekt, O-Saft und Apfelsaft für die Empfänge, zum Beispiel den an Schwörmontag.

Macht Ihnen Ihr Job eigentlich Spaß?

Sehr. Er ist abwechslungsreich, interessant, und es gab viele tolle Begegnungen und schöne menschliche Kontakte.

Mit welchen Prominenten hatten Sie es denn zu tun?

Wir hatten Empfänge mit dem Bundespräsidenten Herzog, mit den Ministerpräsidenten Teufel und Kretschmann, mit Bischof Fürst. Das Highlight für mich war aber die Einweihung der Synagoge.

Warum gerade dieses Ereignis?

Es galt Sicherheitsstufe eins im Rathaus. Ein Bombenspürhund ist durchgelaufen, dann wurde zugeschlossen, und im Rathaus waren nur noch ich, die Sicherheitsleute und die Polizei. Mittags um vier  kam dann Bundespräsident Gauck zum Eintrag ins Goldene Buch.

Gutes Verhältnis zu Ex-Ob Gönner und den Stadträten

Sie haben länger im Rathaus gearbeitet als jeder OB, am längsten mit Ivo Gönner. Wie war er denn so als Chef?

Einen besseren Chef kann man nicht haben. Er war ein Ausnahme-Chef, menschlich einfach toll. Ihm ist eine Putzfrau so viel wert wie ein Abteilungsleiter. Er ist locker, hat mal einen schwäbischen Spruch, mag die Leute. Und die spüren das.

Klingt nach einem richtigen persönlichen Verhältnis.

Ich war eine Zeitlang auch noch sein Aushilfsfahrer. Da brauchte man nie ein Navi, er wusste immer, wo’s hingeht. Da ist schon ein persönliches Verhältnis entstanden. Er ist so redselig wie ich. Wenn Herr Gönner oder seine Frau mal ins Rathaus kommen, schauen sie immer noch bei uns vorbei.

Und wie sind die Stadträte so? Welche sind Ihnen die liebsten?

Ich habe ein gutes Verhältnis mit allen. Da hat’s nie nix gegeben, mit keinem. Manche sieht man ja jeden Tag. Sie kommen zu Sitzungen von Ausschüssen, Aufsichtsräten und Verbänden, zu Empfängen, in die Fraktionsbüros... Die Sitzungssäle sind manchmal mehrfach am Tag voll.

Das bedeutet dann besonders viel Arbeit für Sie, oder?

Wir zwei Hausmeister sind für den reibungslosen Ablauf von allem verantwortlich. Wir arbeiten in zwei Schichten, der eine früh, der andere spät.

Wie spät?

Kommt darauf an, wie lange die Sitzungen dauern. Wir sind die Letzten, die aus dem Rathaus gehen. Wir räumen alles auf. Das dauert dann noch mal eine Stunde.

Können Sie sich an Ihre längste Sitzung erinnern?

Ja, die dauerte bis nachts um halb zwei. Da ging es nicht-öffentlich um eine Personalsache.

Hochwasser und Touristen

Was war denn Ihr schlimmstes Erlebnis?

Richtig Schlimmes ist nicht passiert. OB Ernst Ludwig ist mal während eines Empfangs zusammengebrochen, aber das war vor meiner Zeit (der Ulmer Ehrenbürger, der 2017 starb, erlitt 1990 einen Herzinfarkt). Am schlimmsten in meinen 24 Jahren als Hausmeister war eigentlich das Unwetter vor zwei Jahren, als Ermingen und Eggingen überschwemmt waren und das Wasser auch im Ulmer Rathaus stand.

Was ist damals passiert?

Abends hat mich die Feuerwehr daheim angerufen und hat gesagt: Bei euch läuft das Wasser rein, aber wir können nicht danach schauen, wir haben noch 130 Einsätze vor uns. Ich bin gleich losgefahren, aber kaum durchgekommen, weil Straßen und Unterführungen unter Wasser standen. Im Rathaus ist mir dann auf der Treppe schon das Wasser entgegen geflossen.

Wo kam das her?

Übers Glasdach. Die ganze Haustechnik fiel aus, im Hausmeister-Büro stand das Wasser, Telefon und PC waren außer Betrieb.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job am besten?

Ach, da gibt’s vieles. Schön ist es zum Beispiel mit den Touristen. Die kommen rein, um sich das schöne Rathaus anzuschauen. Wir zeigen ihnen dann mal was, erklären was, schließen mal den Sitzungssaal auf und sagen Ihnen, wo der OB sitzt. Die freuen sich immer sehr und sagen dreimal Danke. Das gehört zum Job dazu. Das Rathaus ist ein offenes Haus.

Werden Sie es vermissen?

Ach... Es war eine gute Zeit, eine interessante. Aber ich freu’ mich schon auf zuhause, meinen Garten, und darauf, viel draußen zu sein. Wir haben viele Obstbäume, Gewächshäuser mit Paprika, Gurken und Tomatenstöcken. Letztes Jahr hab’ ich viele Äpfel geerntet.

Das klingt aber auch nach viel Arbeit, oder?

Ach, das ist ein Hobby, das ist schon schön. So wie Du aufwächst, so gefällt’s Dir am besten.

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Biografie Karl Schwer, 62, ist gelernter Metzger, hat 48 Jahre lang gearbeitet, davon 32 bei der Stadt Ulm. Er stammt aus Eggingen. Am liebsten arbeitet er in seinem Garten. Schwer ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder und drei Enkel. Die seien wie er selbst, sagt der Opa: „Die sind am liebsten draußen.“

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