SSV Hooligans 200 Risikopersonen im Zug zum Pokalfinale

Der Ulmer SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir hat nach den Ausschreitungen von Fans des SSV Ulm eine Kleine Anfrage an das Innenministerium gerichtet.
Der Ulmer SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir hat nach den Ausschreitungen von Fans des SSV Ulm eine Kleine Anfrage an das Innenministerium gerichtet. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Ulrike Schleicher 03.07.2018
Das Innenministerium antwortet auf Martin Rivoirs Anfrage zu den Ausschreitungen im Zug nach dem Pokalfinalspiel des SSV Ulm.

In Baden-Württemberg gibt es eine große Anzahl an Initiativen und Projekten, die Rechtsextremismus bekämpfen sollen. Speziell auf Fußballfans ausgerichtete Maßnahmen gibt es seitens des Landes jedoch nicht. Das teilt das Innenministerium dem Ulmer SPD-Landtagsabgeordneten Martin Rivoir mit.

Rivoir hatte Ende Mai aufgrund der Ausschreitungen nach dem Pokalfinalspiel des SSV Ulm 1846 Fußball gegen den TSV Ilshofen eine so genannte Kleine Anfrage an das Innenministerium gerichtet. Wie berichtet, hatte laut Zeugen ein Teil der SSV-Fans auf der Heimfahrt in einem Zugabteil antisemitische, schwulen- und frauenfeindliche Parolen skandiert und die Arme zum Hitlergruß gereckt. Der Fußballverein distanzierte sich von den Vorkommnissen – „für den Fall, dass sich diese so ereignet haben“ – hieß es in einer Pressemitteilung und bat ein paar Wochen später Ministerpräsident Winfried Kretschmann um eine konzertierte Aktion aller zuständigen Ministerien in Sachen „Gewalt in und außerhalb von Stadien“. Fußball sei Grundlage für  Ausschreitungen und würde von Gruppen instrumentalisiert. Insoweit handle es sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem, das nicht allein von Fußballvereinen gelöst werden könne, so der Vorstand des SSV Ulm 1846 Fußball.

Von „szenekundigen Beamten begleitet“

Zum Geschehen am Tag des Pokalfinalspiels antwortet das Ministerium: In Zügen angereist waren rund 350 Ulmer Fans, darunter „200 Risikopersonen (alle relevanten Ulmer Hooligan- und Ultragruppierungen)“, die von szenekundigen Beamten der Bundespolizei begleitet wurden. Auf Empfehlung der Bundespolizei habe die Bahn in Stuttgart  mehr Züge bereit gestellt. Eine Panne verschärfte das Problem: Weil ein Unbekannter in Stuttgart im stehenden Zug die Notbremse zog und der Zug defekt war, mussten alle über Aalen fahren.

Die Folge: Fans und sonstige Fahrgäste verbrachten zusammengepfercht vier Stunden im Zug. Auf der Fahrt eskalierte die Situation in einem Abteil. In den anderen Großraumwagen saßen wohl szenekundige Polizeibeamte. Sie stellten Verstöße gegen das Bundesnichtraucherschutzgesetz und Sachbeschädigungen fest. Im Einsatz seien Bundespolizisten aus Stuttgart gewesen sowie 34 weitere Bundespolizisten.

Zu den Fragen Rivoirs hinsichtlich des SSV-Fußballvereins – also was macht der ehrenamtliche Fanbeauftragte, wie war er an dem Tag eingebunden, welche Maßnahmen sollte der Verein ergreifen? – gibt das Ministerium folgende Auskunft: Er habe die An- und Abreise der Fans begleitet und sich mit den szenekundigen Beamten der Bundespolizei abgestimmt. Insbesondere sei es dabei um die Zahl der Fans, die Reisemittel- und -wege gegangen.

SSV beteilige sich an Initiativen gegen Rassismus

Es gebe keine speziellen Projekte im Land, die Rechtsradikalismus und Gewalt unter Fußballfans bekämpften, sagt das Ministerium. Jedoch zahlreiche Initiativen, die Fußball integrierten, so wie etwa „Kicken gegen Rechts“ unter dem Dach des Demokratiezentrums Baden-Württemberg. Der Ulmer Fußballverein beteilige sich „nach aktuellem Kenntnisstand“ an Aktivitäten des DFB gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung.

Das Innenministerium verweist zudem auf die seit 2017 installierten „Stadionallianzen“. Deren Ziel sei, die Zusammenarbeit zwischen Sicherheitsakteuren der jeweiligen Spielorte zu verbessern. Es handle sich um einen umfangreichen und langfristigen Prozess, der zu tragfähigen Konzepten führen solle. Ziel sei eine höhere Sicherheit in den Fußballstadien und die Entlastung der Polizei. Nach der ersten Saison seien bereits Verbesserungen bemerkbar.

Dass Stadionallianzen ausreichen, hatte der SSV-Vorstand in seinem Brief an Kretschmann allerdings bezweifelt. Das belege unter anderem der Vorfall nach dem Pokalspiel sowie die massiven Ausschreitungen beim Spiel Mannheim gegen Uerdingen.

Ermittlungen sind im Gange

Ermittlungsstand Nach Angaben der Bundespolizei in Stuttgart haben sich bislang vier Zeugen zu den Vorfällen im Zugabteil gemeldet. Eine Zeugin habe eine Aussage gemacht, zwei andere hätten schriftliche Aussagen gemacht und würden noch gehört. Bei der vierten Person sei noch nicht klar, ob ihre Aussagen relevant seien. Bislang werde wegen Sachbeschädigung, wegen Missbrauchs des Notrufs sowie wegen der Verwendung von Zeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt. Wenn dieser Vorgang abgeschlossen sei, werde alles an die zuständigen Staatsanwaltschaften gegeben.

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