Ulm 150-Millionen-Investition: Gemeinderat vergibt Auftrag an Investorengruppe

Ulm / JAKOB RESCH, HANS-ULI THIERER 26.04.2012
Die MAB Development, die deutsche Tochter einer holländischen Investorengruppe ist, plant und baut die Einkaufgalerie Sedelhöfe. Samt Grundstücken steht Ulm eine Investition von 150 Millionen ins Haus.

Ulmer Großprojekte, das nächste: Der Gemeinderat hat am Mittwoch nach zunächst viereinhalbstündiger nichtöffentlicher Sitzung einstimmig zugestimmt, Planung, Bau und Vermarktung der rund 18 000 Quadratmeter großen Einkaufsgalerie Sedelhöfe an die MAB Deutschland GmbH zu vergeben; es handelt sich dabei um ein Tochterunternehmen der holländischen Rabo Real Estate Group, die getragen wird von der Rabo Bank. MAB hat das Berliner Planungsbüro Grüntuch Ernst Architekten an seiner Seite.

Unseren Informationen zufolge wird MAB in Ulm Geld in einer Größenordnung von 140 bis 160 Millionen Euro in die Hand nehmen; darunter die Kosten für die Grundstücke, die so lange im städtischen Besitz bleiben, bis die Baugenehmigung erfolgt ist. Die Stadt hat die Flächen rund um die Sedelhof-Tiefgarage unseres Wissens für 30 Millionen Euro erworben und erlöst jetzt 31,5 Millionen. MAB wird die Grundstücke erst übernehmen, wenn die Gebäude abgerissen sind, sozusagen "oberflächenbereinigt" oder "besenrein". Der Terminfahrplan sieht vor, in diesen Jahr die Planungen laufen zu lassen, Mitte 2013 mit dem Hochbau zu beginnen und die Galerie Sedelhöfe im Frühjahr 2016 zu eröffnen.

Baubürgermeister Alexander Wetzig betonte, dass mit diesem Entwurf "keine Einkaufsmaschine" entstehe, sondern ein Einkaufsquartier, das auf zwei Tiefgaragenebenen Wohnen und Dienstleistung gleichermaßen beinhalte. Entsprechend werde der große Raum über die Verkaufsfläche hinaus in viele kleinere untergliedert. "Es wird vielfältige räumliche Angebote geben", es entstehen Plätze, Terrassen "und grüne Wohnhöfe auf dem Dach". Gleichzeitig wird das Quartier nach außen hin geöffnet, mit einer neuen Gasse zur Friedrich-Ebert-Straße. Überhaupt wachse in den Sedelhöfen "kein geschlossenes Ambiente", sie sollen sich durch offene, öffentliche Räume mit blauem Himmel über dem Kopf auszeichnen.

"Wir sind überzeugt davon, dass die Sedelhöfe nicht nur auf das Quartier und das Wengenviertel, sondern insgesamt auf den Handelsplatz Ulm ausstrahlen werden."

Damit hatte Wetzig die beiden großen Zielrichtungen des "neben dem Citybahnhof zweitwichtigsten Projekts der Stadtentwicklung" benannt: Erstens die Stärkung des Handelsstandorts: "Wir wollen damit die Spitzenposition in der Region ausbauen." Und zweitens die Stadterneuerung und innerstädtische Entwicklung "in einem bisher etwas vergessenen Bereich im Nordwesten der Altstadt".

Oberbürgermeister Ivo Gönner erinnerte noch einmal daran, wie das Sedelhöfe-Projekt im Team der Stadtverwaltung "in dieser Form bundesweit einmalig" auf den Weg gebracht worden ist. Dadurch, dass die Stadt die Grundstücke erworben und arrondiert habe, sei erst der Wettbewerb möglich geworden.

Der Entscheidung vorausgegangen war - wie bei der Ratiopharm-Arena - ein EU-weites Ausschreibungsverfahren unter städtischer Federführung Wetzigs und des Kämmerers Gunter Czisch und unter Berücksichtigung eines von einem Einzelhandelsspezialisten entwickelten Konzepts, das IHK und Verein Citymarketing vorgeschlagen hatten. Auf die Ausschreibung hin gaben zehn aus Investoren und Architekturbüros bestehende Bietergemeinschaften Angebote ab. Sieben wurden aufgefordert, Bewerbungsunterlagen abzugeben. Drei kamen in die Finalrunde. Aus einer Punktewertung, die laut EU-Ausschreibungsrecht gewisse Abwägungsspielräume lässt, soll MAB eindeutig als bester Anbieter hervorgegangen sein.

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