Familienbetrieb Steinmetz Scherer - 150 Jahre Geschichte

Familienbetrieb: Sabine Scherer arbeitet im Geschäft mit und hat mit ihrem Mann Andreas Scherer das Museum eingerichtet.
Familienbetrieb: Sabine Scherer arbeitet im Geschäft mit und hat mit ihrem Mann Andreas Scherer das Museum eingerichtet. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Julia Kling 24.06.2018
Seit 150 Jahren gibt es den Steinmetzbetrieb Scherer. Neben Grabsteinen zählen auch Restaurationsarbeiten zum Betätigungsfeld der Familie.

Der Handwerkszug über dem Wöhrl-Eingang in der Hirschstraße, Häuserfassaden in der Heimstraße oder der Eingang zur Klosterkirche in Oberelchingen – die Arbeiten von Steinmetz Andreas Scherer und seinen Mitarbeitern sind in Ulm und der Region an vielen Stellen zu bestaunen. Und das, obwohl in Ulm, wie Scherer sagt, sehr wenig kaputt geht. „Das Problem ist, dass hier in Ulm mehr oder weniger der Zement erfunden wurde.“ Deshalb sei in der Stadt vieles, was auf den ersten Blick nach Naturstein aussieht, Kunststein. „Und der geht kaum kaputt.“

Rund ein Drittel der Aufträge sind beim in der Stuttgarter Straße ansässigen Steinmetzbetrieb Restaurations- und Neubauarbeiten. Die anderen zwei Drittel betreffen Grabmale. „Von Bitterfeld bis Basel“ kommen die Anfragen, sagt Scherer. Der Großteil komme jedoch aus dem näheren Umkreis. „Aber der Markt auf dem Friedhof schrumpft“, sagt Scherer. Der gesellschaftliche Wandel schlage sich auch bei der Grabgestaltung nieder. „Immer mehr Angehörige wollen sich nicht mehr um die Grabpflege kümmern.“ Bestattungsformen in Friedwäldern oder Urnengräber seien immer beliebter. „Deshalb herrscht hier auch Konkurrenz.“ Allein in Ulm gebe es fünf Betriebe.

Alles in Eigenarbeit

Auch auf dem Friedhof gehe es immer häufiger um Schnelligkeit und Wirtschaftlichkeit. „Der Friedhof ist ein Spiegel der Gesellschaft. Alles wird anspruchsvoller.“ Zudem komme immer mehr Fertigware aus Indien auf den Markt. „Der Steinmetz handelt dann nur noch mit den Steinen.“ Scherer hat sich früh bewusst gegen diese Strategie entschieden. „Wir machen alles selber.“ Auch in seinem Betrieb werde so viel wie möglich maschinell gemacht, „aber es ist noch ein Handwerk“. Der 54-Jährige beschäftigt sieben Steinmetze. „Wir wollen uns mit individuell Gestaltetem und nicht mit seelenlosen Billigprodukten am Markt positionieren.“ Zudem habe der Familienbetrieb schon früh auf Restaurierungen gesetzt.

Bereits seit 150 Jahren und inzwischen in fünfter Generation besteht das Traditionsunternehmen. 1868 gründete Konrad Scherer den Betrieb, damals noch in der Harthauserstraße in Söflingen. Seit der Neue Friedhof 1899 am Michelsberg eröffnet wurde ist der Betrieb, der einen Jahresumsatz von rund einer Million Euro erwirtschaftet, am jetzigen Standort.

Im hauseigenen Museum lässt sich erahnen, welche Entwicklungen der Betrieb in den vergangenen 150 Jahren gemacht hat. Zahllose Holzhämmer und Meißel, Steinmetzarbeiten aus dem vergangenen Jahrhundert, Zeitungsartikel aus Zeiten der Münster-Fertigstellung zeugen von der Firmengeschichte ebenso wie eine demolierte Hitlerplastik. „Da hat jemand wohl aus Wut reingeschlagen.“ Das Museum hat Andreas Scherer gemeinsam mit seiner Frau Sabine eingerichtet.

Zeitweise eigene Werkstatt

Den Familienbetrieb leitet Scherer seit 20 Jahren. „Vom Stein war ich früh begeistert“, sagt er. „Aber ich wollte nicht gleich in den elterlichen Betrieb einsteigen.“ Deshalb arbeitete er nach seinem Meister zunächst in einem großen Unternehmen, wo er Arbeiten etwa am Weißen Haus in Washington betreute. 1995 zog es ihn schließlich zurück nach Ulm. „Ich habe in Söflingen am Friedhof meine eigene Werkstatt aufgemacht.“ Der Schritt in die Selbstständigkeit war im Rückblick das Richtige, sagt Scherer. „Es ist zwar alles kleiner, aber man kann komplett eigenverantwortlich arbeiten.“ Der Standort in Söflingen dient inzwischen als Ausstellung. „Die Werkstatt haben wir hier konzentriert.“

Als Chef habe er immer seltener Zeit zum Arbeiten am Stein. „Ich betreue viel unsere Baustellen. Aber ich komme schon noch dazu, ein kleines bisschen zu hauen.“ Für große Arbeiten brauche es aber Zeit. „Da muss man dran bleiben.“ Im Betrieb will Scherer noch eine Weile aktiv bleiben, dann soll der Nachwuchs übernehmen. „Die sechste Generation ist wohl gesichert.“ Einer der beiden Söhne ist bereits Steinmetz und studiert Architektur. „So lange ich fit bin, soll er Erfahrungen sammeln. Wenn er hier einsteigt, soll er schnell Verantwortung übernehmen.“

Feier im Betrieb

Festakt Auf dem Firmengelände, Stuttgarter Straße 150, wird am Samstag, 30. Juni, das 150-jährige Bestehen des Steinmetzbetriebs gefeiert. Los geht es um 10.30 Uhr. Um 11 Uhr eröffnen OB Gunter Czisch, Tobias Mehlich, Handwerkskammer Ulm, und Bundesinnungsmeister Gustav Treulieb die Feier. Bis 17.30 Uhr gibt es Zaubereinlagen, Musik, Kulinarisches und eine offene Werkstatt.

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