Nato-Logistik-Kommando 150 Friedensaktivisten demonstrieren in Ulm

Transparente gegen das neue Nato-Kommando in Ulm, Pace-Fahnen und bunte Regenschirme prägten das Bild der Friedensdemo am Samstag.
Transparente gegen das neue Nato-Kommando in Ulm, Pace-Fahnen und bunte Regenschirme prägten das Bild der Friedensdemo am Samstag. © Foto: Oliver Schulz
Ulm / Verena Schühly 22.07.2018

Friedensaktivisten sind wetterfest: Genau zu Beginn der Demonstration „Kein Nato-Logistik-Kommando in Ulm“ am Samstagmittag setzte der Regen ein und hörte nicht auf, so lange die Veranstaltung dauerte. Rund 75 Menschen  trafen sich zum Auftakt vor der Wilhelmsburgkaserne, wo die Nato ihr neues Hauptquartier für schnelle Truppen- und Materialtransporte stationieren will. Im Juni wurde das beschlossen.

„Das ist das alt bekannte Säbelrasseln gegen Russland aus den Zeiten des Kalten Kriegs“, machte Rainer Schmid vom Bündnis Friedensbewegt Ulm deutlich, das die Demo organisiert hatte. „Aber statt Aufrüstung muss die Politik auf Dialog setzen und das Geld besser in Völkerverständigung investieren.“

„In Ulm beginnt Krieg“

Nach dem Marsch von der Kaserne in die Stadtmitte zum Hans-und-Sophie-Scholl-Platz war die Schar der Demonstranten auf rund 150 Menschen angewachsen. Unterstützt wurden die Ulmer von Friedensaktivisten aus Stuttgart, Tübingen, Reutlingen, Geislingen und vom Bodensee.

„Es darf in Ulm keine neue Logistik für Krieg geben“, betonte Heike Hänsel. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag moderierte die Kundgebung. Aufgabe des Nato-Kommandos „Joint Support Enabling Command“ (JSEC) soll es sein, das Verlegen von Truppen schnell zu organisieren – und zwar in Richtung Osten. „Diese Drehscheibe hat eine ganz neue Dimension, die von einer massiven Aufrüstungspolitik begleitet wird.“ Aktuell habe Deutschland den höchsten Rüstungsetat seiner Geschichte.

Geld nicht in Aufrüstung

Dieter Lachenmayer vom Friedensnetz Baden-Württemberg sieht folgende Gefahr: „In Ulm beginnt Krieg – und zwar Krieg in Europa und gegen Russland.“ Er habe sich mit der Konzeption des Kommandos beschäftigt, aber dabei komme „das V-Wort nirgends vor: Um Verteidigung geht es hier nicht.“ Auch die aktuelle Wunschliste der Bundeswehr zeige, dass „der Landkrieg zurückkommt, aber das darf nicht sein.“ Lachenmayer forderte, Geld nicht in Aufrüstung zu stecken, sondern in Menschen, die in der Pflege arbeiten, die arm sind oder die geflüchtet sind. Dazu zitierte er auch den Ausspruch von Angela Merkel: „Wir schaffen das.“ Für eine gute Stimmung trotz des Regens sorgten die Musik der Sängerin Gizem Gözüacik und flotte Samba-Rhythmen der Lokomotive Stuttgart.

Ulmer Spatz als „Seltsamer Vogel“

Kabarett Aus der Vogelperspektive, aber „nicht mit Spatzenhirn“ zeigte sich bei der Demo Christa Mayerhofer als Ulmer Spatz „von seiner anarchischen Seite“. Im Vogelkostüm forderte sie, kein Geld für Rüstung auszugeben, sondern für Schulen: neue Klos an der Sägefeldschule und eine neue Heizung an der Spitalhofschule.

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