Fliegerbombe Um 15.35 Uhr ist der Blindgänger entschärft

Neu-Ulm / Hans-Uli Mayer 18.03.2018
Die Räumung großer Teile der Neu-Ulmer Innenstadt erfolgt völlig reibungslos. Um 15.35 Uhr war die Zehn-Zentner-Bombe entschärft.

Um 15.35 Uhr war die Gefahr vorüber. Die Polizei meldete die Entschärfung der Zehn-Zentner-Bombe und hob wenig später auch die Absperrungen für große Teile der Innenstadt auf. Vor der Baugrube des Südstadtbogens standen die Sprengmeister und wirkten bei aller zur Schau gestellten Lässigkeit doch auch erleichtert: „Eine Bombe zu entschärfen ist niemals Alltag. Jede ist etwas anders“, sagte der 40-jährige Martin Radons von der Kampfmittelbeseitigung Bayern. Gemeinsam mit seinem Kollegen Roger Flakowski (54) hatte er 55 Minuten gebraucht, um das Monstrum zu entschärfen.

Kalt war es den beiden Männern trotz der eisigen Temperaturen nicht geworden. Von Nervosität wollen sie zwar nicht sprechen, aber „gefroren haben wir nicht“, sagt Flakowski. Auch wenn letztlich alles glatt gelaufen ist, gab es auch am Sonntag schwierige Momente. Üblicherweise haben sie beim Entschärfen von Bomben dieser Bauart Probleme mit dem Kopfzünder, der sich aber offenbar problemlos entfernen ließ. Hingegen machte ihnen der Heckzünder Schwierigkeiten, den sie dann aber auch sicher entfernen konnten.

„Du bist so auf deine Arbeit konzentriert, da kommt keine Angst auf“, beschreibt Radons die Situation, als er mit seinem Kollegen allein in der Baugrube war. Immerhin sei so eine 500-Kilo-Bombe das größte Kaliber aus dem Zweiten Weltkrieg. Bis zu 60 kleinere Bomben entschärfen sie pro Jahr. Zehn Zentner aber sind selbst für die Sprengmeister aus München etwas Besonderes. Noch am Abend wurde die Bombe abtransportiert und zu einem entsprechenden Zerlegebetrieb in Bayern gebracht.

Auch OB Gerold Noerenberg, der den ganzen Tag über in der Stadt war und auch mit dem Polizeihubschrauber fliegen durfte, war erleichtert, als alles vorbei war: „Das ist alles top gelaufen. Ich bin sehr zufrieden und danke allen freiwilligen Helfern für ihren Einsatz.“ Noerenberg stellte in Aussicht, dass das um den Sprengstoff entleerte Bombengehäuse aus dokumentarischen Gründen eventuell wieder zurück nach Neu-Ulm kommt. „Es sollte uns schon zu denken geben, dass wir so lange nach dem Krieg immer noch mit dessen Auswirkungen zu tun haben.“

So vordergründig entspannt sich das am Ende des Tages anhörte, er hatte ganz schön eisig begonnen. Und zwar nicht nur wegen des Wintereinbruchs über Nacht, sondern weil im Umkreis von 500 Metern sämtliche Wohngebäude evakuiert worden waren. Insgesamt waren 12.600 Menschen aufgefordert gewesen, ihre Wohnungen zu verlassen. Nach Angaben der Sprecherin der Stadt, Sandra Lützel, war das die größte Evakuierung in der jüngeren Geschichte Neu-Ulms.

Schon von 8 Uhr morgens an war der betroffene Bereich hermetisch abgesperrt. Von Ulm aus war die Donaustraße hin zur Herdbrücke gesperrt, auch sonst standen selbst in den kleinsten Gassen Polizisten der Bereitschaftspolizei Eichstätt, die wegen der klirrenden Kälte im Stundenrhythmus abgelöst wurden, um sich nach 60 Minuten in der Wärmestube wieder auf die Straße zu stellen. „Wir haben strikte Anweisung, niemanden durchzulassen“, lautete die stereotype Auskunft. Höflich, aber bestimmt. Auch nicht mal schnell mit dem Rad durchfahren war erlaubt. „Das macht mir alles einen sehr professionellen Eindruck“, sagte etwa Jens Dyson, der an der Meininger Allee wohnt und schon vor 9 Uhr in der Früh mit einem Bekannten auf dem Weg ins Ausweichquartier in der Weststadtschule war.

Keine zweite Bombe

Schon während der Evakuierung und noch vor der eigentlichen Entschärfung machten sich die Männer von der Kampfmittelbeseitigung an einem zweiten Verdachtspunkt direkt am westlichen Kreisverkehr beim Glacis-Center an die Arbeit. Wie berichtet, war auch dort eine Bombe vermutet worden, was sich jedoch nicht bewahrheitete. Bis zur Mittagsstunde hat das Sprengkommando das Erdreich Schicht für Schicht bis in eine Tiefe von fünfeinhalb Metern abgegraben, bis auf Altmetall und Schrott aber nichts gefunden –  vor allem nichts Explosives. So konnte zumindest in diesem Punkt frühzeitig Entwarnung gegeben werden.

Für den OB dürfte es erst einmal auch genug sein, mit Weltkriegsbomben und Blindgängern. „Ich habe so schnell keinen Bedarf mehr daran“, sagte Noerenberg am frühen Abend. Wohl wissend aber, dass rund um den Bahntrog und des Industriegebiets in den kommenden Jahren noch viel gebaut wird.

Freiwillige Helfer sorgen für einen reibungslosen Ablauf

Züge Am Bahnhof in Ulm war gegen 11.30 Uhr geschäftiges, aber keineswegs hektisches Treiben zu beobachten. Bahnmitarbeiter wurden in Beschlag genommen – egal ob persönlich am Bahnsteig oder am Telefon an der Information. Die häufigste Frage: „Wo geht es denn hier zum Schienenersatzverkehr?“ Die meisten Fahrgäste aber schienen informiert zu sein und hatten sich entweder gegen eine Reise mit der Bahn in Richtung Günzburg oder Memmingen entschieden oder die Doppelstadt gleich ganz umfahren.

Stopp Bis zum Beginn der Entschärfung konnten Züge im Neu-Ulmer Bahnhof zwar nicht anhalten, aber immerhin durchfahren. Der verspätete ICE kurz vor 14 Uhr war der letzte, der passieren durfte. Danach ging dann aber gar nichts mehr, bis der Sprengmeister wieder grünes Licht gab. Um 15.45 Uhr vermeldete die Deutsche Bahn noch vor der offiziellen Entwarnung durch die Polizei: Die Züge fahren wieder.

Helfer Insgesamt waren gestern 600 Personen im Einsatz, wie Sandra Lützel von der Stadtverwaltung sagte. Davon waren alleine 300 Bereitschaftspolizisten aus Eichstätt, die zum einen die Zugänge zur Innenstadt absperrten und zum anderen für die Sicherheit in dem entvölkerten Areal sorgten. Die ehrenamtlichen Helfer kamen vom BRK, dem THW und der Feuerwehr.