Ulm 137 neue Wohnungen in Ulm

Ulm / HANS-ULI THIERER 04.02.2016
Neue Wohnungen in Ulm: Sowohl im Osten der Kernstadt als auch im Westen sind fast 140 in Planung. 80 davon sollen erschwinglich bleiben.
Die Stadträte: entzückt, wie zwei einstimmige Beschlüsse zeigen. Entzückt über zwei Wohnbauprojekte – ein öffentlich-genossenschaftliches und ein privates – in der Kernstadt, die bis Ende 2017/Anfang 2018 Ulm 137 neue Wohnungen bescheren sollen.

Sprecher aller Fraktionen untermauerten im Fachausschuss für Stadtentwicklung, was Baubürgermeister Tim von Winning und Chefstadtplaner Volker Jescheck zuvor betont hatten: Ein bisher als Parkplatz untergenutztes Grundstück zwischen Bach- und Wichernstraße nahe der Arbeitsagentur im Osten der Stadt und eine Brache im Norden des Dichterviertels, also im Westen, werden hochwertigen Nutzungen zugeführt. „Alle Voraussetzungen für verdichtetes Wohnen sind dort erfüllt“, sagte von Winning.

UWS/Heimstätte Der Bau von 63 Wohnungen auf einem 4500 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Bach- und Wichernstraße steht erst am Anfang. Weil nach den Worten Jeschecks dort nicht mit Protesten zu rechnen ist und um das Verfahren zu beschleunigen, werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Der Bebauungsplan ist aufgestellt und auch gleich öffentlich ausgelegt worden. Die Pläne stammen vom Tübinger Büro Hähnig und Gemmeke, dessen Arbeit in einem Gutachterverfahren unter acht Vorschlägen ausgewählt worden war. Wie dieses Büro baut, ist derzeit zu besichtigen beim Kepler-Gymnasium, wo das UWS-Mehrgenerationenhaus „Keplerbogen“ entsteht. In der Oststadt sind drei Gebäude vorgesehen mit Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen, darunter ein acht Stockwerke und 24 Meter hoher Wohnturm. Im Erdgeschoss eines der Häuser des hinter dem Bastei-Behördencenter liegenden Baukomplexes ist Platz für Läden und Büros. Zwei Drittel werden als preisgünstige Wohnungen gebaut, mit Mieten im Mittel des Mietspiegels (rund 9 Euro/Quadratmeter), das restliche Drittel sind geförderte Wohnungen (6 Euro/qm). Zur Realisierung haben die städtische Wohnungsbaugesellschaft UWS und die Genossenschaft Heimstätte eine gemeinsame Gesellschaft gegründet, die Wohnen Ulm GbR. Einen normalen Verlauf der Planungsverfahrens vorausgesetzt, rechnet UWS-Chef Frank Pinsler mit einem Baubeginn noch in diesem Jahr, Fertigstellung Ende 2017/Anfang 2018.

Pro Invest Bereits kurz vor dem Baustart steht das Vorhaben der Ulmer Vermittlungsgesellschaft für Immobilien und Projektmanagement Pro Invest, das die Stadtpolitik gleichsam das „Initialobjekt“ (Jescheck) fürs Sanierungsgebiet Dichterviertel wertet. Der Ausschuss – bis auf ein kurzes Geplänkel über die Frage der Bauhöhen hellauf begeistert – empfahl dem Gemeinderat für dessen Sitzung am 17. Februar, den Bebauungsplan als Satzung zu verabschieden. Erst danach möchte Pro-Invest-Chef Rainer Staiger Details des Millionen-Vorhabens vorstellen. So viel aber ist klar: Es entsteht ein Komplex aus vier Gebäuden, darunter ein Vier-Sterne-Hotel mit 148 Zimmern, das die Fattal-Gruppe als Leonardo Royal Hotel betreiben wird. In den anderen drei Gebäuden werden 74 Wohnungen geschaffen, darunter 20 preiswerte Mietwohnungen. Unternehmer Staiger: „Ich sehe mich in der Verpflichtung und im Einvernehmen mit der Stadt, hier auch preiswertes Wohnen anzubieten.“
 

Wie hoch hinaus?

Rahmenpläne
Was sind Rahmenpläne wert? Diese Frage warf Stadtrat Karl Faßnacht (FWG) in der Debatte über das Hotel-Wohnbau-Vorhaben im Dichterviertel auf. Während des Verfahrens war die Bauhöhe um ein Stockwerk erhöht worden gegenüber den im Rahmenplan vorgeschlagenen vier Stockwerken. Als „B’scheißerle“ (CDU-Stadtrat Winfried Walter) wurde dem Investor zudem ein zurückversetztes doppeltes Stapelgeschoss zugestanden. Faßnacht: „Was gilt?“ Gegenposition bezogen Dorothee Kühne (SPD) und Baubürgermeister Tim von Winning. Kühne: Der Druck auf den Wohnungsmarkt erfordere es, alle Rahmenpläne zu überdenken. Höher zu bauen sei die verträglichste Form der Verdichtung. Im besagten Fall stimme dies, sagte von Winning. Jedoch könne daraus keine Generallinie abgeleitet werden. Bei jedem einzelnen Projekt sei zu prüfen, ob mit einer im Rahmenplan vorgegebenen Richtschnur-Höhe die Obergrenze erreicht sie.

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