Ulm / Chirin Kolb Die Firma Realgrund plant an der Ecke Karlstraße/Neutorstraße mehrere Neubauten mit großem Supermarkt im Erdgeschoss.

Eine Brachfläche an markanter Stelle am Rand der Ulmer Innenstadt  verschwindet. Der Bauträger Realgrund will fast das ganze Areal zwischen Karl-, Neutor- und Wildstraße bebauen: mit bis zu siebengeschossigen Gebäuden und zwei Tiefgaragenebenen. Ins Erdgeschoss soll ein 1400 Quadratmeter großer Supermarkt einziehen. Ansonsten sind nur Wohnungen vorgesehen, rund 130 insgesamt, vom Ein-Zimmer-Mikroapartment bis zur Fünf-Zimmer-Wohnung.

Auf dem Gelände stehen nur noch wenige Häuser, einige davon werden abgerissen. Mit dem Abbruch soll im Spätherbst begonnen werden, sagt Realgrund-Vorstand Christian Holz.  Er rechnet mit einer Bauzeit von 20 Monaten, so dass die Neubauten im dritten oder vierten Quartal 2021 bezugsfertig wären. Die Investitionssumme liege zwischen 35 und 40 Millionen Euro.

Nach den Plänen der Stuttgarter Architektenpartnerschaft EMT soll entlang der Karl- und Neutorstraße eine sechsgeschossige Bebauung entstehen mit einem siebengeschossigen „Kopfbau“ an der Straßenecke als markanter Eingang in die Karlstraße. Die übrigen Gebäude werden vier bis fünf Geschosse hoch. Ein begrünter Innenhof liegt sozusagen im ersten Stock, denn der Supermarkt nimmt das Erdgeschoss durchgängig ein.

 35 der geplanten rund 160 Stellplätze sind laut Christian Holz für Supermarkt-Kunden reserviert. Sie können direkt von der Tiefgarage mit zwei Aufzügen in den Markt fahren. Holz rechnet mit Kundschaft aus der Nachbarschaft, aus Bewohnern und Beschäftigten im Umfeld. Die Anbindung an den Nahverkehr sei in diesem Fall besonders attraktiv: „Die Linie 2 hält direkt vor der Haustür.“ Die Zufahrt zur Tiefgarage führt über die Wildstraße. Sie bleibt eine Einbahnstraße, die aber von der Karlstraße her in beiden Richtungen befahrbar wird bis zur Tiefgarage.

Die Wohnungen werden an einen so genannten institutionellen Anleger verkauft, an eine Versicherungsgesellschaft voraussichtlich. Realgrund baut laut Vorstand Holz auch 15 bis 20 sozial geförderte Wohnungen. Damit komme das Unternehmen einer Vorgabe des Gemeinderats entgegen, wonach bei größeren Mehrfamilienhäusern 30 Prozent der Wohnungen auf ursprünglich städtischem Grund für geförderten  Wohnungsbau reserviert sein müssen. Realgrund habe sich auf 20 Prozent eingelassen und wäre selbst dazu nicht verpflichtet, wie Baubürgermeister Tim von Winning in der Sitzung des Bauausschusses betonte. Denn die Kaufoption von Realgrund für die städtischen Grundstücke datiert aus dem Jahr 2011 und ist damit älter als der entsprechende Gemeinderatsbeschluss.

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Verzögerung wegen der Linie 2

Kritik kam von den Grünen. Sie finden das Bauvorhaben zwar wie die anderen Fraktionen sehr gut, hätten aber gern mehr sozial geförderte Wohnungen. Der Beschluss des Gemeinderats erweise sich sonst „als zahnloser Tiger“, sagte Annette Weinreich. Seit 2011 sei der Wert des Grundstücks locker um zehn Prozent gestiegen, wovon der Bauträger schließlich profitiere. Michael Joukov-Schwelling sprach von einem „Geschäft auf Gegenseitigkeit“: Der Bauherr wolle von der Stadt Baurecht, sie sollte im Gegenzug mehr geförderten Wohnungsbau durchdrücken.

Die übrigen Fraktionen wollten sich darauf nicht einlassen. Von „nachkarten“ war die Rede, von Vertragstreue der Stadt. 30 Prozent seien das Ziel der Verwaltung in den Verhandlungen mit Realgrund gewesen, sagte der Baubürgermeister. Allerdings sei das für die Stadt nicht das einzige Kriterium gewesen: Sie bestand auf der gewerblichen Nutzung im Erdgeschoss. Das Ergebnis war demnach also ein Kompromiss und „unterm Strich ein gutes Ergebnis“.  Das sahen im Übrigen am Ende alle Räte so: Die Aufstellung des Bebauungsplans wurde einstimmig beschlossen.

Realgrund trägt sich auf diesem Grundstück schon seit einigen Jahren mit Bauplänen. Sie mussten wegen des Baus der Straßenbahnlinie zurückgestellt werden, weil die Stadt die Fläche für die Baustelleneinrichtung brauchte. Von Winning: „Wir haben den Bauträger zunächst ausgebremst.“

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Straßenraum Die vielen Projekte von Realgrund an der Karlstraße hängen auch mit deren Neugestaltung zusammen, sagt Vorstand Christian Holz. Was die Stadt dort geplant und umgesetzt habe, hält er optisch und vom Wohnwert her für eine gelungene Aufwertung. Und: „Durch Tempo 30 nachts kann man dort wieder wohnen.“