Umwelt Zweifel am Sinn der City-Trees

Auf der Bank an der Mooswand lässt es sich bequem sitzen.
Auf der Bank an der Mooswand lässt es sich bequem sitzen. © Foto: Daniel Grupp
Stuttgart / Daniel Grupp 13.08.2018

Feucht, kühl und meist grün – die doppelte Mooswand mit Sitzbänken kann an heißen Tagen eine angenehme Wirkung entfachen. Dennoch hat sich rund um das städtische Grün, das seit zwei Monaten für viel Aufsehen sorgt, eine durchaus hitzige Debatte entzündet. Dies hängt womöglich damit zusammen, dass der „City-Trees“ genannten Konstruktion viel Heilkraft für das geplagte Stadtklima zugesprochen wurde. Eine Luftreinigungswirkung wie 275 Bäume sollte diese neue Form der „grünen Infrastruktur“ entwickeln, hatte die Stadt in einer Mitteilung den Hersteller Green City Solutions GmbH zitiert. „Monat für Montag mehr Grün in die Stadt zu bringen“, gab OB Fritz Kuhn im Juni bei der Aufstellung der Bänke mit Mooswand als Ziel an.

Er habe wohl etwas zu unkritisch aus der „Hochglanzbroschüre“ des Herstellers zitiert, als er die Wirkung der neuen Konstruktion mit 275 Bäumen verglichen habe, räumt Sven Matis, Leiter der städtischen Pressestelle, ein. Dafür habe er auch einen Shit­storm in sozialen Medien hinnehmen müssen, sagt er. Auch das Unternehmen halte inzwischen nicht mehr an dem Vergleich fest, berichtet Matis. Tatsächlich ist auf der Homepage von Green City Solutions der Verweis auf die Bäume nicht zu entdecken.

Die Gemeinderatsfraktion von SÖS-Linke-Plus kritisierte den OB, er habe das Geld falsch eingesetzt. Die City-Trees seien schon anderswo gescheitert. Auch das städtische Umweltamt habe Zweifel am Sinn der Aktion, berichtet die Stuttgarter Zeitung. 

Das Umweltamt sei in dem Fall überhaupt nicht gefragt gewesen, betont Matis. Die Mooswand-Sitze seien Sache des Gartenamts, das mehr Grün ins Leonhardsviertels bringen wollte. Dort seien auch drei Hopfenbuchen gepflanzt worden. Weil wegen Leitungen im Boden kein Platz für weitere Bäume war, seien die City-Trees aufgestellt worden. Matis: „Ein Versuch von  vielen, diese Stadt grüner zu machen.“

Mit der Herstellerfirma hat die Stadt laut Maits einen Wartungsvertrag über vier Jahre abgeschlossen. In Anschaffung, Aufbau und Pflege würden 115 000 Euro investiert.

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