Im Herbst 2013 veranstaltete der Verband Region Stuttgart (VRS) zum ersten Mal einen S-Bahn-Gipfel - Vertreter der Bahn präsentierten Vorschläge, wie man die Pünktlichkeit der Züge verbessern kann. Im Juni 2014, beim zweiten S-Bahn-Gipfel, versprachen sie zudem millionenschwere Investitionen in die marode Infrastruktur. Nun steht der dritte S-Bahn-Gipfel vor der Tür, am 15. April soll es eine lange Sitzung des VRS-Verkehrsausschusses geben. Doch ein Aufwärtstrend ist auch nach vielen vollmundigen Absichtserklärungen noch nicht zu erkennen.

Im Gegenteil: Die S-Bahn ist in Sachen Pünktlichkeit im Jahr 2014 erneut schlechter geworden. Das geht aus einer Qualitätsanalyse hervor, die der VRS und die von ihm mit dem S-Bahn-Betrieb betraute Bahntochter DB Regio AG zum zwölften Mal erstellen ließen. Demnach kamen im vergangenen Jahr durchschnittlich 85,8 Prozent der S-Bahnen in der Region Stuttgart mit bis zu drei Minuten Verspätung an ihrem Bestimmungsort an. Der vereinbarte Zielwert liegt bei 94,5 Prozent. 95,6 Prozent der Züge wichen bis zu sechs Minuten vom Fahrplan ab (Zielwert: 98 Prozent).

Die Regionaldirektorin Nicola Schelling will Erklärungen für die Misere hören: "Ich erwarte, dass die Vertreter der Bahn uns beim S-Bahn-Gipfel am 15. April darlegen, mit welchem Erfolg die umgesetzten Maßnahmen greifen." Als Finanzierungsträger des S-Bahn-Betriebs habe der VRS zahlreiche Verbesserungen angestoßen. Dazu gehöre die Ausweitung des 15-Minuten-Takts in der Hauptverkehrszeit und der Einsatz längerer Züge. "Das muss sich für die Fahrgäste auszahlen", fordert die Regionaldirektorin.

Leichte Verbesserungen, "allerdings auf niedrigem Niveau", stellt der VRS bei der Pünktlichkeit in der Hauptverkehrszeit fest: Drei von vier Zügen (75,2 Prozent) erreichten ihr Ziel demnach innerhalb der Drei-Minuten-Toleranzzeit (Zielwert: 91,5 Prozent); 92,8 Prozent der Züge kamen mit weniger als sechs Minuten Verspätung an (Zielwert: 98 Prozent).

Etwa 3,5 Prozent der S-Bahnen sind im vergangenen Jahr ausgefallen oder waren so massiv verspätet, dass es so gewertet wird. Nach dem Verkehrsvertrag erhält der VRS deshalb für die Jahre 2013 und 2014 zwischen 2,5 und drei Millionen Euro Ausgleichszahlungen. Eine Detailbewertung laufe noch, so der VRS. Sicher ist indes: Die Zahl der Ausfälle hat 2014 zugenommen. DB Regio sei dafür jedoch kaum verantwortlich zu machen, erklärt der VRS-Wirtschaftsdirektor Jürgen Wurmthaler. Drei Viertel der Zugausfälle hätten Ursachen gehabt, auf die die Bahn keinen Einfluss gehabt habe. Dazu gehörten der Bahnstreik, Baustellen und andere Faktoren wie Suizidankündigungen, Bombenfunde oder Notarzteinsätze. Die restlichen 25 Prozent seien auf Störungen der Infrastruktur oder Probleme des Betreibers zurückzuführen.

Immerhin: Laut dem Verband Region Stuttgart gibt es erste Anzeichen, dass sich der Einsatz von längeren Zügen und der dadurch gewonnene Platz in den Bahnen positiv auswirkt. Tatsächlich sind die Pünktlichkeitswerte im März 2015 erstmals wieder gestiegen - eine Momentaufnahme freilich. Zehn neue Fahrzeuge, die ab Ende 2016 aufs Gleis gesetzt werden, sollen zur weiteren Stabilisierung des Fahrplans beitragen.

In den Ohren der Fahrgäste dürfte das wie Musik klingen. Denn sie waren zuletzt alles andere als zufrieden und vergaben für die Pünktlichkeit die bislang schlechteste Schulnote von 3,2; für die Informationspolitik bei Verspätungen gab es die Note 3,1 (Zielwert jeweils: 2,5).

Immerhin: Sauber und sicher

Stichproben 640 Fahrgäste wurden für die Qualitätsanalyse nach ihren Eindrücken von Pünktlichkeit, Sauberkeit, Information und Sicherheit befragt. In 240 Bahnen wurden laut VRS zudem Stichproben mit Blick auf die Sauberkeit genommen. Das Ergebnis in diesem Punkt sei der einzig wirklich erfreuliche Wert der Befragung, sagt der VRS-Wirtschaftsdirektor Jürgen Wurmthaler. 94,9 Prozent der Züge seien blitzblank (Zielwert: 92 Prozent). Die Fahrgäste vergaben dafür die Bestnote von 2,5 (Zielwert: 2,5). Erfreulich sei auch das dokumentierte Sicherheitsgefühl der Fahrgäste: Es liegt laut VRS mit 2,0 auf dem Niveau der Vorjahre und ist damit besser als der Zielwert von 2,5.