Silvester Zoo-Tiere trotzen dem Feuerwerk

Tiere wie die Erdmännchen dürfen selbst entschieden, ob sie draußen bleiben.
Tiere wie die Erdmännchen dürfen selbst entschieden, ob sie draußen bleiben. © Foto: Wilhelma
Nadja Otterbach 27.12.2017

Nach der stillen (Weihnachts-)Nacht wird’s laut: Vor zwei Tagen noch durften sich Gorillas und Bonobos genüsslich durch die Obst-Präsente fressen, die Besucher mithilfe der Pfleger für sie geschnürt hatten. Doch mit der Besinnlichkeit ist‘s nun vorbei. Wenn an Silvester der Countdown heruntergezählt wird, lassen es auch die Stuttgarter krachen. Die Zoo-Tiere bringen zischende Raketen und explodierende Böller aber nicht aus der Ruhe  – davon ist zumindest Harald Knitter überzeugt. Der Pressesprecher der Wilhelma weiß aus den vergangenen Jahren, dass die meisten der 11 000 Tiere das Spektakel nur gedämpft wahrnehmen werden. Wenn am 31. Dezember die letzten Besucher um 17 Uhr das Gelände verlassen haben, werden Löwen, Zebras und Co. in ihre Häuser gebracht und eingesperrt. „Fast alle verbringen die Silvesternacht drinnen“, so Knitter. Ausnahme: Die Pelikane und Flamingos werden den Start ins neue Jahr wohl unter freiem Himmel erleben, es sei denn, es herrschen eisige Temperaturen.

Manche Spezies kann selbst entscheiden, ob sie bei dem Lärm den Kopf in den Sand steckt oder die Augen gen Himmel richtet – etwa die Erdmännchen, die normalerweise die Nacht in ihren unterirdischen Höhlen verbringen. Oder die Pinguine, die unter große Felsbrocken flüchten können. Man wolle so wenig an der abendlichen Routine der Tiere ändern wie möglich, betont Knitter. „Sonst wären die ja bereits im Vorfeld beunruhigt. Wenn alles ist wie immer, kommen die klar.“

In der Vergangenheit hielten die Hobby-Feuerwerker einigen Abstand zum Zoo. Weder an den Mauern entlang der Straße noch am Zaun im Rosensteinpark wurden in den letzten Jahren Raketen abgeschossen. Der Lärm, den die Böllerei verursache, bringe die Zoo-Bewohner nicht so schnell aus dem Konzept, so der Sprecher, das Geflacker und Licht irritiere sie mehr. Ohnehin seien die Wilhelma-Tiere einiges gewohnt: Menschenmassen, ständig vorbeidonnernde Autos und Dauer-Baustellen.

Ob am Silvestertag viele Besucher durch den Zoo streifen werden, hänge vom Wetter ab, sagt Knitter. 2016 wurden am letzten Tag des Jahres 3400 Menschen gezählt. Mancher Tierpate lässt es sich sicher nicht nehmen, „seinem“ Schützling einen guten Rutsch zu wünschen.

In der Wilhelma freut man sich bereits aufs neue Jahr. Der wohl wichtigste Vorsatz: Im Frühjahr soll das neue Schneeleoparden-Gehege eingeweiht werden. Mit einem Fest um Ostern rum will es der Tierpark krachen lassen – ohne Feuerwerk, versteht sich.