Dass die Stuttgarter Wilhelma dem Betreiber ihrer Gastronomiebetriebe, der Schuler GmbH, zum Ende des Jahres gekündigt hat, bewegt die Gemüter der Zoobesucher. In Internetforen wird heiß diskutiert, ob das bisherige Angebot denn nun gut war oder nicht. Wie so oft, melden sich vor allem die Unzufriedenen zu Wort.

Doch auch die Zufriedenen muss es geben: Immerhin sorgt die Schuler GmbH seit 55 Jahren in den drei Wilhelma-Restaurants für die Verpflegung. Umso mehr ist es der Chefin Denise Schuler ein Anliegen, weiterzumachen. „Die Wilhelma war immer unser zu Hause“, sagt die 34-Jährige, die den Familienbetrieb 2014 übernahm. Dieser ist auch Partner des Berliner Zoos. „Wir werden uns wieder bewerben.“

Vergangene Woche hatte die Wilhelma, wie berichtet, verkündet, den Pachtvertrag zum 1. März 2018 europaweit auszuschreiben. Der Stuttgarter Zoo soll fit für die Zukunft gemacht werden. Da solle auch der Gastronomie-Betrieb ein „Facelift“ erhalten. Mit Blick auf ein verändertes Verbraucherverhalten sollen künftig die Aspekte Nachhaltigkeit, Regionalität, Saisonalität, Bio und artgerechte Tierhaltung „eine wesentlich größere Rolle spielen als bisher“, hieß es in einer Mitteilung.

Eine Formulierung, die Denise Schuler sauer aufgestoßen ist. An sich habe man zur Wilhelma ein gutes Verhältnis, doch dieser Hinweis habe ein „Gschmäckle“. Er suggeriere, dass man diese Kriterien nicht erfülle, was aber falsch sei, so Schuler. Sie habe schon jetzt vieles umgesetzt. Immerhin sei man von der Aktion „Schmeck den Süden“ mit zwei Löwen ausgezeichnet worden. Mindestens 60 Prozent der Produkte stammten demnach bereits aus der Region. „Wir haben uns Zoos weltweit angeschaut und sind da absolut up to date“, so Schuler, die selbst „weitestgehend vegan lebt“, wie sie sagt.

Das „weitestgehend“ kann man in den Augen der Stuttgarter Tierrechtsorganisation Peta indes streichen. Sie fordert von der Wilhelma „einen wirklichen Neuanfang“ und die Wahl eines Pächters, der „ausschließlich vegane Speisen anbietet“. Im Sinne des Tierschutzes wäre das „ein erster Schritt“, heißt es in einer Mitteilung. Artgerecht produzierte tierische Produkte gebe es nicht.

Bis zum 11. September können Bewerber Interesse bekunden. Der neue Pachtvertrag soll auf 15 Jahre geschlossen werden. Schuler glaubt, dass die Konkurrenz groß ist, macht sich aber trotzdem Hoffnungen: „Wir haben schon drei Ausschreibungen mitgemacht und gewonnen.“ Sie habe neue Ideen, die gestellten Anforderungen könne sie erfüllen. Zu diesen gehört, kräftig in die Modernisierung und den Umbau des Gastronomieangebots zu investieren. Eine grobe Kostenschätzung beläuft sich laut Zoo auf sieben Millionen Euro, wobei das Land Zuschüsse zugesichert hat.