Zum 23. Mal fand am Wochenende in der Fellbacher Alten Kelter der Weintreff „Unsere Besten“ statt. 54 Weingüter und Genossenschaften aus dem Remstal, Stuttgart und Esslingen stellen sich mit gut 300 Weinen und 25 Sekten dem Urteil des Publikums. Die Veranstaltung sei mit den Jahren zum „Aushängeschild“ des Remstals geworden, sagte Werner Bader, seit Oktober 2018 Geschäftsführer des Veranstalters, des Touristikverbands Remstalroute. Die Besucherzahl liege stabil bei etwa 2000 an den zwei Tagen, sagte Bader, darunter seien viele Gastronomen und Weinfachhändler.

Sich Weinliebhaber als stille Zecher vorzustellen, führt in die Irre. Sie wollen  beim Verkosten viel reden.  In der entspannten Atmosphäre der Alten Kelter finden sie dafür viel Platz, um in Ruhe ihre Eindrücke vergleichen.

Für die acht Themenweinproben ist dieses Jahr Dirk Würtz zuständig, „ein vinophiles Multitalent“, findet Bader. Würtz ist Weinbauer, Journalist, Blogger und beim größten Anteilseigners des Hamburger Weinversender Hawesko zuständig für „Business Development & Innovation Wine“.  Ob er da nicht in Interessenkonflikte gerät? „Doch, das ist eine ständige Herausforderung“, räumt er ein. Hawesko hat einen Jahresumsatz von 500 Millionen Euro –  mehr als das gesamte Weinanbaugebiet Württemberg umsetzt.

Seine Weinproben im Nebenraum hält Würtz im Dialog mit den Weingärtnern und gibt ihnen so die Möglichkeit, für ihre Weine einzustehen.  Moritz Haidle aus Stetten (Weingut Karl Haidle) etwa beklagt die mangelnde Wertschätzung des Württemberger Weins. „Für Gin etwa wird viel Geld bezahlt. Dabei ist er im Vergleich zum Wein ein sehr einfaches Produkt.“

Rainer Schnaitmann fasst die Erfahrungen seines Fellbacher Weinguts zusammen: „Wir verkaufen mehr Wein nach New York als in den Landkreis Böblingen.“  Sein erster Exportmarkt sei Berlin gewesen, von wo er vor 20 Jahren nach dem Studium zurückgekehrt sei. 

Bei den Fellbacher Genossen ist Tom Seibold Vorstandsvorsitzender. „Mit einer Preisspanne von 6,50 bis 8,50 Euro pro 0,75-Liter-Flasche wären wir sehr zufrieden.“ Bislang hänge man aber unter „der magischen Grenze von 5 Euro“ fest. Zur Verkostung hatte er einen 2015er Spätburgunder „Großes Gewächs“ mitgebracht, produziert nach den Vorgaben des Konkurrenzverbandes der Prädikatsweingüter. „Wir wollten zeigen, dass Qualität unabhängig von der Unternehmensform ist.“ Der Preis: 29,50 Euro.

„Machen, was man gut kann“, rät Würtz den Remstälern. Dazu gehöre etwa, die Rebsorte Kerner weiterzupflegen. Aber auch mal machen, was man hierzulande nicht so gut kann: „Die Wertschätzung für das eigene Produkt im Preis auszudrücken.“

Eine achtköpfige Gruppe aus den Berglen probiert fleißig an einem Stehtisch. „Eigentlich kommen wir hierher, seit es den Weintreff gibt“, sagt einer. Er war schon im Stiftskeller bei den ersten Weintreffs dabei: „Wir probieren die Weine gegeneinander. Im Moment Merlot gegen Zweigelt.“  Sie vergleichen ihre Notizen und bereiten Bestellformulare vor.  „Den Roten für 6,50 muss ich noch probieren“, ruft eine Frau und entschwindet im Gewühl.

Das royale Du mit dem Herzog


Wie der Kellermeister des Herzogs von Württemberg seinen Chef anredet, wollte Moderator Dirk Würtz von Moriz Just wissen, technischer Betriebsleiter auf Schloss Monrepos.  „Königliche Hoheit“ sei richtig, erklärte Just. Aber im Betrieb rede er den Chef mit „Herzog Michael“ und mit „Sie“ an. „Das ist dann das royale Du“, kommentierte Würtz.

Das Haus Baden dürfte mit 120 Hektar der größte Weinbergbesitzer in Deutschland sein. Das Haus Württemberg besitzt in Deutschland etwa 40 Hektar Weinberge. fke