Beruf Wilhelma: Ein Garten wie kein anderer

Eine Gärtnerin mit viel Liebe zu Bäumen und Blumen: Galyna Kießling pflegt in der Wilhelma die Außenanlagen – zum Beispiel die historischen Wandelgänge im Maurischen Garten.
Eine Gärtnerin mit viel Liebe zu Bäumen und Blumen: Galyna Kießling pflegt in der Wilhelma die Außenanlagen – zum Beispiel die historischen Wandelgänge im Maurischen Garten. © Foto: Ferdinando Iannone©
Von Barbara Wollny 05.09.2018

Im Maurischen Garten der Wilhelma steht der Sommerflor in großen Beeten vor den Wandelgängen in schönster Blüte. Riesige Dahlien, Kletterrosen, Margeriten, Lilien und Lobelien wetteifern mit ihrer Farbenpracht um die Aufmerksamkeit des Betrachters. Daneben beginnen jahrhundertealte Magnolienbäume gerade wieder große Blüten zu entfalten. Es handelt sich um eine besondere Sorte, die im Herbst noch einmal blüht.

Während Kinder wegen Nashorn, Krokodil und Gorilla in den Zoo kommen, sind für viele erwachsene Besucher die Grünanlagen und der historische Park des Stuttgarter Zoos mindestens genauso attraktiv. Den ließ sich Mitte des 19. Jahrhunderts König Wilhelm im damals hochaktuellen maurischen Stil als seinen Privatgarten namens „Wilhelma“ anlegen. Seitdem gilt er als einer der schönsten botanischen und zoologischen Gärten in ganz Deutschland.

330 Mitarbeiter arbeiten im Stuttgarter Zoo, davon 70 Parkpfleger, die für alles städtische Grün vom Rosensteinpark im Norden bis zum Park der Villa Reitzenstein im Süden zuständig sind. Für die 30 Hektar Gesamtfläche der Wilhelma mit ihren 1500 Bäumen und 130 000 Pflanzen, die jährlich passend zu den Jahreszeiten gesetzt werden, sind 16 Parkpfleger zuständig. Eine davon ist Galyna Kießling.

Die Arbeiten im Garten sind vielfältig. Während ein Gärtner im maurischen Garten ein rundes geleertes Wasserbecken von seinen dicken Algenteppichen befreit, pflegt Galyna Kießling die Sommerblüher. Warum die Algen in den Becken so stark wuchern, weiß Kießling ganz genau: „Wir verwenden kein Chlor, deshalb wachsen die Algen auch so gewaltig, dass wir ein paarmal im Jahr das Wasser herauslassen und die Pflanzen von Hand entfernen müssen“

„Wir verstehen uns sehr gut, die Blumen und ich“, sagt die gelernte Pflanzenfachfrau, die in Russland aufwuchs und ausgebildet wurde. Dort hat sie schon im Botanischen Garten von Jalta gearbeitet. Insofern ist sie von der Pflanzenvielfalt der Wilhelma keinesfalls überfordert, sondern kennt jede Blume, jeden Busch und Baum beim Namen und weiß, wie die Pflanzen zu pflegen sind. Heute bindet sie die an der Wandelhalle rankenden Kletterrosen hoch, schneidet Stauden aus und lockere Äste ab. Immer geht es in der Wilhelma neben der attraktiven Parkgestaltung auch darum, die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten.

Besonderen Spaß macht der geborenen Russin, die der Liebe wegen vor zwanzig Jahren nach Stuttgart kam, das Rasenmähen. „Das ist fast wie Schlittschuhlaufen. Wir fahren ja keine geraden Bahnen, sondern vorwärts und rückwärts, Kurven und Kreise um die Beete, Bäume und Becken herum. Bis es mir manchmal fast schwindlig wird.“

Auch die Wilhelma geht mit der Zeit. Als vor dem Maurischen Landhaus vor einiger Zeit alte Rosenstöcke ausgemustert werden mussten, wurden sie durch bienenfreundliche Sonnenblumen und Sommerblumenmischungen ersetzt. Überhaupt achtet man im Zoo auf biologische Pflanzenpflege, wo immer es geht. Wenn jetzt aber wieder der gefürchtete Buchsbaumzünsler gesichtet wird, ist auch mal Chemie im Einsatz.

Zu jeder Jahreszeit im Freien

Seit insgesamt zehn Jahren arbeitet Kießling in der Wilhelma, täglich von sieben bis sechzehn Uhr und im Wechsel mit den Kollegen auch am Wochenende und an den Feiertagen. Häufig auch bei extremen Wetterbedingungen: Hitze, Kälte, Regen oder Schnee. Wird Kießling das nicht manchmal zu anstrengend? „Nein“ sagt die Parkpflegerin und strahlt dabei. „Ich bin zufrieden, dass ich die meiste Zeit im Freien arbeiten und mich hier ganz in die Arbeit vertiefen kann. Falls es mal stundenlang richtig schüttet, haben wir auch drinnen Arbeit und pflegen unsere Gartenwerkzeuge oder die Fahrzeuge im Betriebshof.“

Und dann kommt schon wieder ein Zoobesucher vorbei und fragt nach Pflegehinweisen oder Pflanzennamen. Und Kießling gibt Auskunft und informiert über ihre Pflanzen. Die Stuttgarter Wilhelma ist eben ein besonderer Arbeitsplatz.

Ein Blick hinter die Kulissen

In der Sommerserie wurden sieben Mitarbeiter der Wilhelma vorgestellt. Wer mehr über ihre Arbeit wissen möchte und einen Blick hinter die Kulissen erhaschen möchte, kann am Sonntag, 30. September, in den Zoo kommen.

Beim 25. Wilhelma-Tag dürfen die sonst nicht öffentlich zugänglichen Räume wie die Futterküche, die Behandlungsräume der Zootierärzte oder der Fuhrpark der Parkpfleger besichtigt werden. Es gibt einen Eignungstest für Tierpfleger, Ponyreiten und Hobbygärtner können Pflanzen aus der Zoo-Zucht erwerben.  Der Wilhelma-Tag findet von
9 bis 17 Uhr statt. Alle Angebote sind im Eintrittspreis mit enthalten. bw

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