Anfang der 80er Jahre lebten schätzungsweise zwischen 500 und 800 Sumatra-Nashörner in Indonesien und Malaysia, 2011 waren es 200, aktuell gibt es nur noch 80 Tiere der kleinsten Nashornart. „In 15 Jahren könnte es kein einziges mehr geben“, sagt Stefanie Reska, die bei der Wilhelma für die Artenschutz-Aktivitäten zuständig ist. Dann wäre eine der fünf lebenden Nashornarten völlig ausgerottet. „Wir befinden uns in einer Zeit des Massensterbens“, sagt Thomas Kölpin. Das will der Direktor des Zoos so aber nicht hinnehmen: „Schließlich sollen auch noch unsere Kinder diese Tierart zu sehen bekommen.“

Vor fünf Jahren, als Kölpin Direktor des Zoologisch-Botanischen Gartens wurde, nahm er sich fest vor: Die Wilhelma soll sich nicht nur für den Artenschutz im Zoo stark machen, sondern auch Projekte unterstützten, die dafür sorgen, dass bedrohte Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen weiterhin ohne Gefahr leben können. Kölpin scheint nicht der einzige zu sein, dem dieses Vorhaben am Herzen liegt: „Wir haben 2014 circa 30 000 Euro Spenden gesammelt, 2018 waren es bereits 80 000 Euro“, sagt er stolz.

Zahl der Berggorillas steigt

Für 2019 hat die Wilhelma sich neue Ziele gesetzt: Sie möchte weiterhin in bestehende, aber auch in neue Schutzprogramme auf der ganzen Welt investieren. 18 Projekte sind es im Moment, in die die Spenden des Zoos fließen. Besonders stolz sind Kölpin und Reska auf das „Congohounds“-Projekt im Virunga-Nationalpark in Ruanda. Seit 2012 unterstützt der Zoo die Spürhundestaffel, die zur Rettung der Berggorillas ins Leben gerufen wurde. „Wir haben zum Beispiel in die Ausbildung der Hunde investiert, die Wilderer und Munition finden sollen, und Geländefahrzeuge gekauft“, erzählt Reska. Das Projekt trägt Früchte: Die Zahl der Berggorillas ist seither von 880 auf 1000 gestiegen.

Seit 2015 unterstützt der Stuttgarter Zoo auch eine Initiative, die sich für das „Shipstern“-Reservat in Belize in Mittelamerika einsetzt. „Das Gebiet ist sehr vielfältig. Dort gibt es Regenwald und Mangrovenwälder“, erklärt Reska. Doch die Natur und der Lebensraum der Tiere sind durch Rodung bedroht. „Im letzten Jahr haben wir uns die Sache mal angeschaut, aus dem Haushaltsbudget 100 000 Euro entnommen und den Kauf eines Stück Regenwaldes unterstützt.“ Genauer gesagt sind es 400 Quadratkilometer. „Wir schützen durch den Kauf keine einzelne Art, sondern erhalten für viele Tiere einen Lebensraum. Darunter fallen Jaguare, Tapire, aber auch viele Vögel“, berichtet Reska.

In diesem Jahr setzt sich die Wilhelma als Mitglied der International Rhino Foundation außerdem für den Schutz der Sumatra-Nashörner ein. Gemeinsam mit großen Organisationen wie WWF oder National Geographic hat sich der Stuttgarter Zoo vorgenommen, die Population, die im Moment nur noch aus 80 Tieren besteht, zu retten. „Die Nashörner leben in Indonesien und Malaysia. Sie sind dort so verstreut, dass sie sich eigentlich gar nicht begegnen“, sagt Reska. Um sich zu vermehren, sei das keine gute Grundlage. „Die Nashörner sterben mit Sicherheit aus, wenn nicht eingegriffen wird.“

Die International Rhino Foundation will sozusagen als Partnervermittler eingreifen und die Tiere zusammenbringen – und zwar in drei Zuchtstationen, eine in Malaysia und zwei in Indonesien. „Sie werden in einer Art Fort Knox zusammengeführt“, erklärt Kölpin. In den Reservaten solle es an nichts mangeln, Salzlecksteine werde es geben und Schlammpfützen. Ranger sollen die Tiere schützen, schließlich haben auch sie ein Horn, das bei Wilderern sehr begehrt ist – wenn auch nur ein sehr kleines. „Ob unser Vorhaben funktioniert, wissen wir nicht“, sagt der Zoo-Direktor. „Wir müssen abwarten.“

Infokasten


Nur ein Euro für den Artenschutz


Mit Flyern und Informationstafeln will die Wilhelma Gäste über die Artenschutzprojekte informieren, in die der Stuttgarter Zoo involviert ist. Damit Besucher nicht nur bei Fundraising-Aktionen von der Möglichkeit zu spenden mitbekommen, nimmt sich die Wilhelma ein Beispiel an den Zoos in Leipzig und Basel.

Gäste sollen beim Kauf ihrer Tickets die Chance haben, einen sogenannten Artenschutz-Euro auf den regulären Preis draufzulegen. Dieser Euro komme zu hundert Prozent dem Artenschutz zugute, sagt Kölpin. „Wir wollen unsere Besucher auch regelmäßig über die Projekte informieren, in die ihr Geld fließt.“ sei