Mobilität Wenn der Friseur mit dem Rad kommt

Von Förderanträgen für Lasten-E-Bikes (fast) überrollt: Verena Neubauer. Foto
Von Förderanträgen für Lasten-E-Bikes (fast) überrollt: Verena Neubauer. Foto © Foto: Bild: Barbara Wollny
Stuttgart / Barbara Wollny 05.11.2018

Kinder, Aktentaschen, Hunde, Einkäufe, Handwerker-Utensilien und Baumaterial lassen sich in großen Kästen  vor oder hinter dem Radlenker transportieren: Was in den Niederlanden oder in Dänemark seit Jahrzehnten ein gewohnter Anblick ist, kommt jetzt auch im hügligen Deutschland in Mode – allerdings erst seit Elektro- die Muskelkraft ergänzt. Immerhin lassen sich auf einem solchen Transportrad locker über hundert Kilo Last mitnehmen.

Auf dem Stuttgarter Schlossplatz parkten gestern auf Einladung des Verkehrsministeriums über 80 solcher Transporträder. Von den Stuttgarter Friseuren Alexander Hauser, die mit Rad Einkäufe und Hausbesuche machen, vom Lastenrad der Oper, das zu Fahrten ins Zentrallager in der Cannstatter Zuckerfabrik eingesetzt wird, „wenn man zu viel Gepäck hat um mit der U-Bahn zu fahren und zu wenig, um den Caddy zu nehmen“, bis zum Steinmetz, Lichtkünstler, rollenden Kaffeeausschank, Szenenkneipen-Betreiber oder Installateur – es scheint keine Branche zu geben, die ihre Siebensachen nicht in einem solchen Transportrad unterbringen könnte und begeistert davon ist, dass keine Zeit mehr für Staus oder Parkplatzsuche vergeudet wird.

„Wir sehen hier den Aufbruch in eine neue Zeit der Citylogistik“, zeigte sich Verkehrsminister Winfried Hermann hocherfreut. Seit Juni 2017 hat das Verkehrsministerium Baden-Württemberg innerhalb der Elektromobilitäts-Initiative landesweit mehr als 900 Radlern einen Zuschuss für E-Lastenräder genehmigt, wenn sie ihre Räder für den gewerblichen, gemeinnützigen, gemeinschaftlichen oder kommunalen Einsatz benutzen. 158 E-Lastenräder sind davon in Stuttgart unterwegs. Insgesamt betrug die Fördersumme dafür bislang rund 1,6 Millionen Euro und sie läuft weiter. 403 der neuen Besitzer sagen, dass ihr E- Lastenrad seitdem den PKW ersetzt.

Auch die Stadt hatte Mitte September ein Förderprogramm für E-Lastenräder ausgelegt, das am 31. Oktober ausgelaufen ist. Momentan prüft Verena Neubauer, wie sie die Fördermittel verteilt. 300 Anträge sind eingegangen, für 167 Räder war das Programm ausgelegt. 250 000 Euro sind dafür im städtischen Etat eingeplant.

Förderberechtigt sind Familien und Alleinerziehende mit mindestens einem Kind. 1500 Euro gibt es sofort für die Anschaffung, weitere 500 Euro nach drei Jahren, wenn ein bestehendes Auto abgemeldet oder kein neues Auto angeschafft wurde. Alle diese Aktionen sollen dazu beitragen, dass weniger Autos und Schadstoffe die Stadt belasten. Laut dem Verkehrsclub Deutschland spart ein Lastenrad, das täglich 20 Kilometer unterwegs ist, im Vergleich zu einem Kleinwagen 800 Kilogramm CO2. Und gesund für den Fahrer ist es auch noch.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel