Vereine Wasser und Käse werden vermisst

Der Niederländischer Stammtisch in Carls Brauhaus: Die Holländer in Stuttgart pflegen ein aktives Vereinsleben.
Der Niederländischer Stammtisch in Carls Brauhaus: Die Holländer in Stuttgart pflegen ein aktives Vereinsleben. © Foto: Ferdinando Iannone
Stuttgart / Barbara Wollny 12.06.2018

Das Verhältnis zwischen Holländern und Deutschen gilt als entspannt. Allenfalls in Witzen zeigt sich eine Rivalität: Bei Holländerscherzen geht es meist ums Autofahren und den Fußball:  Was macht ein Holländer, nachdem sein Land die Fußballweltmeisterschaft gewonnen hat? Die Playstation aus. Und NL am Auto steht bekanntlich für „never learned“.

Das gute Verhältnis trifft auch für die 700 Niederländer in Stuttgart zu. Ihr Verein, die Nederlandse Vereniging hat immerhin über 200 Mitglieder. Er feiert am 16. Juni sein 50-jähriges Bestehen. Eigentlich existiert der „Niederländische Verein“ sogar schon seit 1948. Nur wurde er erst 20 Jahre später ins Vereinsregister eingetragen. „Da die Deutschen sehr pflichtbewusst und gründlich sind“, sagt der Vereinsvorsitzende Joris de Jong „können wir jetzt nur das 50-Jährige feiern. Manchmal wundern wir uns, für was alles die Deutschen Regeln haben, selbst für das Putzen der Treppen und Gehwege.“

Die Holländer seien eigentlich nicht so sehr Vereinsmeier. Aber es tue gut, sich gelegentlich im Kreis der Landsleute zu treffen. Es finden Stammtische und Familienausflüge statt, gemeinsam werden die großen holländischen Feiertage wie Königtag und Sinterklaas gefeiert, und die Kinder gehen einmal pro Woche in den Niederländisch-Unterricht

De Jong, der in Esslingen wohnt und beim Daimler im Bereich E-Fahrzeuge arbeitet, fühlt sich in Deutschland seit über 14 Jahren wohl. Das einzige, was ihm fehlt, ist der holländische Käse – „den wirklich guten exportieren wir nicht“. Und das Wasser zum Segeln, das es zu Hause gleich um die nächste Ecke gibt. Und das Fahrradfahren? „Ich fahre hier bisher nicht. Der Verkehr in Stuttgart ist eine Katastrophe. Und für Fußgänger und Radfahrer gibt es auch keinen Platz.“ Die Radwege in Holland seien deutlich markiert, da fühle man sich sehr viel sicherer, sagt de Jong.

Verkehrstechnisch könne sich Deutschland ohnehin einiges von den Niederländern abschauen. Autofahren sei dort durch die hohe Besteuerung extrem teuer, bei Elektrofahrzeugen dagegen falle die Luxussteuer weg. Deshalb sei die E-Auto-Quote in Holland wesentlich höher, sagt de Jong.

Den Vereinsgeburtstag am Samstag können die Niederländer zu ihrem Bedauern – wegen der deutschen Regeln – nicht wie erhofft auf dem Wasser des Neckars feiern. Stattdessen besichtigt der Holländische Verein die Kessler-Sektkellerei und danach wird in einem Esslinger Lokal gefeiert.

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