Verkehr Wachsender Protest gegen Diesel-Fahrverbot

Mit Warnwesten und Plakaten protestieren immer mehr Menschen gegen die Methoden zur Luftreinhaltung.
Mit Warnwesten und Plakaten protestieren immer mehr Menschen gegen die Methoden zur Luftreinhaltung. © Foto: Thomas Kienzle, afp
Stuttgart / lsw 04.02.2019

Sie sind wütend auf die Politik und die Autobauer: Rund 1000 Menschen haben laut Polizei am Samstagnachmittag im Umfeld des Stuttgarter Neckartors gegen die Diesel-Fahrverbote in der Stadt demonstriert. „Ich fahre einen Diesel und soll mir jetzt ein neues Auto kaufen“, sagt Yvonne Morgenthaler. Die Verbote brächten für die Umwelt sowieso nichts.

Das Neckartor ist bekannt für seine schlechte Luft. 71 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) pro Kubikmeter Luft wurden hier im vergangenen Jahr im Mittel gemessen – der EU-Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm. Stuttgart war 2018 erneut die Stadt mit der höchsten Belastung an NO2. Um das zu verbessern, dürfen im Stadtgebiet seit Januar Diesel der Euro-4-Klasse und schlechter nicht mehr fahren. Für die Einwohner der Landeshauptstadt greift das Verbot am 1. April.

„Wir haben selber keinen Diesel, aber das ist ja erst der Anfang“, sagt Demo-Teilnehmer Holger Friesch. Er hat Sorge, dass man bald auch viele Benziner nicht mehr fahren dürfe. Für ihn sind von allen möglichen Lösungen für bessere Luft und Umweltschutz die Fahrverbote die schlechteste Idee. Stattdessen solle man intelligente Verkehrskonzepte fördern.

Viele Demonstranten zweifeln die Richtigkeit der Schadstoff-Messungen an und hoffen auf Unterstützung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Dieser hatte die bisherigen Standorte der Messstellen kritisiert: „Wenn man sich selber kasteien will, dann muss man es so machen wie in Stuttgart“, sagte Scheuer am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“. Sein Ressortkollege im Land, Winfried Hermann (Grüne), entgegnete am Freitag: „Alles ist rechtskonform und wurde mehrfach überprüft. Der Bundesminister sollte sich besser informieren, bevor er polemisch einen Feldzug gegen Messstationen führt.“

Die Menschen vor dem Lautsprecherwagen in der Schwabenmetropole wollen zeigen, dass sie da sind und Aufstehen gegen „die da oben“. Einem Aufruf des Veranstalters folgend tragen knapp die Hälfte der Protestierenden gelbe Westen. Sie  erinnern damit an die Demos in Frankreich. Die Franzosen hätten ähnliche Probleme, deshalb habe er auch in Stuttgart zum Protest in „Gelbwesten“ aufgerufen, sagte Initiator Ioannis Sakkaros. „Es geht hier um eine Regierung, die uns verarscht – und darum, dass wir als Bürger die Leidtragenden sind“, erklärte der 26-jährige Porsche-Mitarbeiter.

In Stuttgart ist es die vierte Demo die der 26-jährige Veranstalter angemeldet hat. Die Zahl der Teilnehmer steigt kontinuierlich.  Zur ersten Kundgebung vor drei Wochen waren laut Polizei knapp 250 Menschen gekommen, eine Woche später waren es 700. Zur AfD-Demo gegen Fahrverbote kamen laut Polizei etwa 70 Teilnehmer. Auch in München gingen an diesem Samstag rund 150 Demonstranten auf die Straße.
 

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