Stuttgart / Daniel Grupp  Uhr

Der Druck auf Werner Wölfle wächst. Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) erwartet von seinem Parteifreund und Sozialbürgermeister eine „dienstliche Erklärung“, heißt es in einer Mitteilung der Stadtverwaltung. Wölfle, der laut einem Bericht der Stuttgarter Zeitung, in der vorigen Woche im Urlaub war, muss Fragen beantworten, die in seine Zeit als Krankenhausbürgermeister (bis 2016) zurückreichen.

Von links bis rechts, abgesehen von der Grünenfraktion, musste sich Wölfle im Gemeinderat schon oft kritische Äußerungen zu seiner Rolle im Korruptionsskandal des städtischen Klinikums anhören. Es geht dabei um Bestechung und Bestechlichkeit im Zusammenhang mit risikoreichen Arabien-Geschäften der Auslandsabteilung (International Unit, IU) des Klinikums.

Die Stadtverwaltung, allen voran der ehemalige Krankenhausbürgermeister, hatte betont, man habe sich nicht in die Geschäfte des Klinikums eingemischt. Demnach sei Krankenhausbürgermeister Wölfle nicht informiert gewesen, dass der Leiter der IU, Andreas Braun, vom damaligen Klinikchef Ralph-Michael Schmitz „legitimiert“ war, die Vereinbarung einer Kooperation zwischen Klinikum und Kuwait „zu unterzeichnen“, teilte die Stadt in einer Stellungnahme im März 2017 dem Gemeinderat mit.

Weil nun SMS-Mitteilungen, die Braun und Wölfle im Februar 2014 ausgetauscht haben, bekannt wurden, bestehen Zweifel an dieser Stellungnahme. OB Kuhn weist den Vorwurf der Lüge, der im Zusammenhang mit der Antwort kolportiert werde, „entschieden zurück“. Er habe in Abstimmung mit seiner Verwaltung geantwortet. „Ich glaube – bis zum Beweis des Gegenteils – den fachlich zuständigen Bürgermeistern“, wird Kuhn zitiert.

IU-Leiter Braun, früher Landesvorsitzender der Grünen (1999 bis 2006), saß mehrere Monate in Untersuchungshaft. Er soll inzwischen mit der Staatsanwaltschaft kooperieren, war von der Ermittlungsbehörde zu hören. Auf diese Zusammenarbeit soll die Durchsuchung beim städtischen Nahverkehrsbetrieb SSB am 12. Dezember zurückgehen. Demnach hat ein Mitarbeiter der Personalabteilung Geld gefordert, um Aufträge an Brauns Beratungsfirma zu vergeben. Braun soll bezahlt haben, berichtet die Stuttgarter Zeitung.  Der Ex-IU-Chef war als Coach im Personalbereich tätig.