Gastronomie Von der Animierbar zum Szenetreff

Clublegende Laura Halding-Hoppenheit huldigt Tom of Finland.
Clublegende Laura Halding-Hoppenheit huldigt Tom of Finland. © Foto: Ferdinando Iannone
Stuttgart / Rainer Lang 02.06.2018

Als Laura Halding-Hoppenheit vor knapp einer Woche Tom’s Bar eröffnet hat, wurde die Pfarrstraße im Rotlichtviertel zur Partymeile. Schließlich ist die als Stuttgarts Schulenmutti bekannte Kommunalpolitikerin, die für SÖS-Linke-Plus im Gemeinderat sitzt, in der Stadt eine Legende mit riesiger Fangemeinde. Als ihr die Übernahme der Olga-Bar, eines früheren Animierlokals, angetragen wurde, musste die Szene-Gastronomin nicht lange überlegen. „Ich habe nach einem Ort gesucht, an dem sich ältere Schwule und Lesben in ruhiger Atmosphäre treffen können“, sagt sie. In ihrem Kings Club, den  sie vor Jahrzehnten übernahm, sei dagegen laute Musik und Tanzen angesagt. Das wollten die Gäste der ersten Stunde nicht mehr. Außerdem ist die Gastronomin dafür, kleine Bars zu erhalten. Diese würden zunehmend von großen Partymachern geschluckt.

Den schmalen Raum mit kleiner Theke hat sie hell und freundlich gestaltet. Dass Rot ihre Lieblingsfarbe ist, belegt nicht nur ihre Haarfarbe, sondern auch das rote Sofa, das in einer Nische neben der Theke steht. Darüber hängen, noch provisorisch befestigt, die Bilder des Namensgebers ihrer Bar: Tom of Finland, so der Künstlername des Grafikers, dem auch eine Bar gleichen Namens in Berlin gewidmet ist. Bekannt geworden ist der finnische Künstler für seine homoerotischen Illustrationen von muskelbepackten Männern. „Tom ist eine Galionsfigur für die Emanzipation der Schwulen aus der Lederszene.“ Diese seien bei ihr schon immer willkommen gewesen, erzählt Halding-Hoppenheit. Ihre neue Bar sieht sie als Beitrag für ihre „Familie“, erfüllt mit dem „guten Geist von Tom“ und auch gedacht für „Leute mit kleinem Geldbeutel“. Kaffee und Kuchen kosten fünf Euro, Bier und Sekt jeweils drei sowie Wasser und Cola je zwei Euro.

Die Stadträtin will „den Menschen ohne Vorurteile helfen“. Was sie tut, betrachtet sie als „Hommage an Stuttgart“. Die gebürtige Rumänin kam in den 70er Jahren in die Stadt, wo sie zeitweise vier Szenelokale parallel betrieb. Aus eigener Tasche zahlt sie eine Sozialarbeiterin, die sich um Prostituierte in der Altstadt kümmert. Diese sei längst nicht mehr schmuddelig wie einst. Neue Bars drängten das Rotlichtmilieu zurück. Ihr Ziel ist, dass dieser Prozess weitergeht und die Altstadt mit ihren „wunderschönen Häusern“ zum Schmuckstück wird.

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