Fahrgeschäft Vom Riesenrad den ganzen Wasen im Blick

Stuttgart / Patrick Vetter 08.10.2018

Eines darf auf keinem Volksfest fehlen und deshalb auch nicht auf dem zweitgrößten in Deutschland: das Riesenrad. Das „Sky Lounge Wheel“ trägt die Gäste auf dem Wasen in den Himmel und bietet eine Aussicht auf das ganze Areal – vom Krämermarkt bis zu den Festzelten und noch weit darüber hinaus. Um den 58 Meter hohen und 400 Tonnen schweren Koloss aufzurichten, brauchte es vor dem Volksfest zweieinhalb Wochen. „Das geht auch schneller. Dieses Mal haben wir uns die Zeit genommen, weil wir sie hatten“, erklärt Wiebke Bruch. Sie ist die Tochter des Riesenradbetreibers Oscar Bruch und ist in Stuttgart für den Betrieb zuständig.

Ein Familienunternehmen

Mit Riesenrädern hat sie schon von klein auf zu tun: Ihr Ur-Urgroßvater hatte bereits eine der beliebten Jahrmarktsattraktionen. Ihre Familie blieb in der Branche, und nun tritt auch sie in die Fußstapfen ihres Vaters. „Ich habe davor aber eine ganz normale Ausbildung zur Bankkauffrau gemacht“, sagt Bruch. Die 26-Jährige hat ihre Karriere bei der Bank aufgegeben, um wieder mit den drei Riesenrädern ihres Vaters übers Land zu fahren. „Die Kirmes hat mich zurück“, fasst es Bruch zusammen.

Aufgebaut werden die Fahrgeschäfte nicht nur in Deutschland: Sie standen zum Beispiel schon in Polen, Luxemburg, Ungarn und Frankreich. Das bedeutet für Bruch ein Leben auf Achse. Eine Heimat gibt es für sie dennoch. In Düsseldorf ist sie aufgewachsen. Auch dort, wo sie schon etliche Male in einer Riesenradgondel saß, sei eine Fahrt immer noch aufregend. „Das ist immer etwas Besonderes“, schwärmt sie.  Mit den Orten wechsle aber zum Glück auch die Aussicht: „Man sieht immer etwas Neues. Der Ausblick ist jedes Mal ein anderer. Ich fahre in jeder Stadt auch selbst mindestens einmal mit.“

Das Rad wird von mindestens acht Arbeitern aufgebaut und betrieben. Die Konstruktion kommt in Containern auf  27 Lkw-Transporte verteilt an und wird dann mit Hilfe eines gemieteten Krans aufgerichtet. Das Team bestehe aus einem Kern aus Mitarbeitern, der schon lange dabei sei und aus öfters wechselnden Kräften, eingespielt seien sie aber alle. Zuletzt stand der kreisende Aussichtsplattform beim Technofestival „Tomorrowland“ in Belgien, der nächste Stopp nach dem Stuttgarter Volksfest wird in Metz beim Weihnachtsmarkt sein.

Bei Sturm kein Betrieb

Dank der geschlossenen Gondeln können auch Gäste mit Höhenangst mit dem Riesenrad fahren, trotzdem gebe es manchmal sehr ängstliche Leute. „Eine Frau hatte Höhenangst und Klaustrophobie. Sie konnte dann natürlich ihre Karte zurückgeben“, erzählt Bruch. Angst zu haben, brauche aber niemand. Bei einem zu starken Sturm werde der Betrieb zwar eingestellt, aber meistens nicht, weil es gefährlich werde, sondern weil die Gondeln sonst zu sehr schaukeln könnten. „Es gibt da klare Regelungen, aber wir stoppen oft schon, bevor wir eigentlich müssten“, erklärt Bruch.

Mehrmals pro Fahrt halten die 40 Gondeln des Riesenrades an, damit bis zu acht Gäste unten einsteigen können und die oben die Aussicht genießen können. Von oben wirken die 58 Meter des mobilen Giganten nochmal höher und die Gondeln dann doch wackelig  – vor allem, wenn der Stahlkäfig durch den Wind oder unruhige Mitfahrer zu schwingen beginnt. Aber dieses mulmige Gefühl im Bauch, das jeden in der Höhe befällt, gehört ebenso zu den Fahrgeschäften, wie die Riesenräder fester Bestandteil des Volksfests sind.

Polizei schleppt zig Falschparker ab

Die Polizei hat am Samstag rund um den Wasen im großen Stil abgeschleppt. 73 Autos wurden entfernt, sagte ein Polizeisprecher, „überall, wo Platz ist, quetschen sich die Leute hin“. Er rät dringend zur Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Ansonsten berichtete er von einem verhältnismäßig ruhigen Wasen-Wochenende – abgesehen von Raufereien und Ruhestörungen. „Es sind immer viele Betrunkene dabei“, so der Polizist. Das 100. Landwirtschaftliche Hauptfest ist am Sonntag nach neun Messetagen zu Ende gegangen. Die Veranstalter zählten knapp 210.000 Besucher. car

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel