Lebensmittel Viel zu schade für die Tonne

Was im Weber übrig bleibt, packt Kellnerin Bayarmaa Bohnet in solche Boxen.
Was im Weber übrig bleibt, packt Kellnerin Bayarmaa Bohnet in solche Boxen. © Foto: D. Leibbrand
Stuttgart / Caroline Holowiecki 04.09.2017

Zu viel gekauft, zu üppig gekocht – und jetzt? Oft landen einwandfreie Lebensmittel im Müll. In Privathaushalten passiert das, in Supermärkten, Bäckereien, Restaurants und Hotels erst recht. Um der unnötigen Verschwendung entgegenzuwirken, haben sich fünf Kopenhagener Start-up-Unternehmer zusammengetan und die App „Too Good To Go“ entwickelt, zu Deutsch etwa: zu gut für die Tonne.

 Die Handyfunktion fürs Resteessen führt Gastronomen, Hersteller und Händler mit Kunden zusammen. Angeboten wird, was nach dem Mittagsbüfett oder kurz vor Ladenschluss übrig ist. Bezahlt wird per Kreditkarte, Paypal oder Sofortüberweisung, abholen muss man sein Essen in einem festen Zeitfenster selbst. Der Preis beträgt mindestens die Hälfte des Originalpreises und maximal 3,90 Euro. Im Schnitt, erklärt Teresa Sophie Rath, Sprecherin der Deutschlandzentrale, gehen die Lebensmittel für drei Euro über die Theke. Effekt: Die Kunden speisen günstig und lernen neue Lokale kennen, der Anbieter verdient an bislang unverkäuflichen Waren, auch der Umwelt ist geholfen. Die Boxen, die „Too Good To Go“ zur Verfügung stellt, sind biologisch abbaubar.

 In sechs Ländern gibt es die App. In Stuttgart und Umgebung, beispielsweise in Reutlingen und Bietigheim-Bissingen, sind schon mehr als 50 Partnerläden dabei, erklärt Teresa Sophie Rath, wenngleich nicht alle jederzeit in der App zu sehen seien, etwa saison- oder urlaubsbedingt. Seit dem Stuttgart-Start im März seien knapp 4000 Mahlzeiten gerettet und 6,5 Tonnen Kohlenstoffdioxid gespart worden. Und die Zahl derer, die mitmachen, steige.

Neu registriert hat sich Volker Göhner, Inhaber des Restaurants Weber in der Calwer Straße, nachdem seine Frau einen Fernsehbericht gesehen hatte. Im normalen Tagesgeschäft bleibe nichts übrig, weil immer frisch auf Bestellung produziert werde. Aber nach dem Frühstücksbüfett am Wochenende, bei dem sämtliche Brötchen-, Käse- und Wurstsorten bis zum Ende vorgehalten würden, falle viel Abfall an. „Das hält sich ja nicht bis zur nächsten Woche“, erklärt Göhner. Die Idee der Resteverwertung per Klick findet er „sehr sympathisch“, auch beim Personal sei die Begeisterung groß. Bereits am ersten Wochenende nach der Registrierung seien sechs Kunden mit großen Augen am Büfett gestanden, berichtet der Gastronom.

Die App soll noch verbessert werden, erklärt Teresa Sophie Rath. Momentan werde an einem Filter für Vegetarier und Veganer gearbeitet. Bislang nämlich ist das, was die Kunden erhalten, „eher eine Überraschungsbox“. Denn was übrig bleibt, das ist vorher nie klar.

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