Wissen VHS Stuttgart feiert drei Jubiläen

Der „Treffpunkt am Rotebühlplatz“ ist die Zentrale der Stuttgarter Volkshochschule.
Der „Treffpunkt am Rotebühlplatz“ ist die Zentrale der Stuttgarter Volkshochschule. © Foto: Ferdinando Iannone
Stuttgart / Caroline Holowiecki 14.08.2018

Hundert Jahre VHS, 70 Jahre Abendgymnasium und 20 Jahre Frauenakademie: Die Volkshochschule Stuttgart mit Sitz am Rotebühlplatz startet mit dem Herbst-Winter-Semester 2018/19 in einen regelrechten Jubiläumsmarathon. Bis Oktober 2019 werden mehrere Feste gefeiert, und auch abseits der Feierlichkeiten hat Dagmar Mikasch-Köthner, die Direktorin, gut lachen. Mit rund 3000 Angeboten und etwa 200 000 Buchungen pro Semester – Tendenz leicht steigend – ist die VHS eine der größten bundesweit. „Stuttgart ist eine weiterbildungsoffene Stadt“, sagt sie.

Um so lang zu bestehen, muss man sich wandeln und Trends aufnehmen. So sind 70 Prozent der pro Jahr bis zu 60 Abend-Abiturienten heute junge Leute mit Migrationshintergrund. 35 Sprachen können erlernt werden. Der Wandel schlägt sich auch im Jahresthema nieder. „Internationale Stadt Stuttgart“ soll die Landeshauptstadt als Ort beleuchten, in der über 180 verschiedene Nationen leben und der als Wirtschaftsstandort globale Bedeutung hat. Zum Programm gehören eine virtuelle Tour durch die National Gallery London (15. Januar), Auftritte der interkulturellen Tanzgruppe „Dancers across Borders“ oder – ganz neu – ein englischsprachiges Programm. „Auch wer nicht so gut Deutsch spricht, soll teilhaben können“, erklärt Dagmar Mikasch-Köthner.

Auch Esslingen feiert

Die Stuttgarter ist nicht die einzige VHS, die Grund zu feiern hat. Auch die Kollegen aus Esslingen begehen 2019 den 100. Geburtstag ihrer Einrichtung. Tatsächlich wurden in Deutschland besonders viele Volkshochschulen nach Ende des Ersten Weltkrieges mit dem Ziel gegründet, die breite Bevölkerung besser zu bilden. Und noch ein Jubiläum steht in Esslingen an: 25 Jahre Lyrikbühne; eine Reihe, die sich stets mit einem Dichter beschäftigt und dann in einer Lesung mündet. In diesem Semester wird es um Robert Gernhardt gehen.

Davon abgesehen setzt die VHS im kommenden Semester einmal mehr auf die politische Bildung. In der Reihe „Offene Gesellschaft“ soll es etwa um die Frage gehen, wie wir leben wollen. „Die Region Stuttgart ist eine der größten boomenden Regionen. Es geht um Wirtschafts-, aber auch Bevölkerungswachstum, um Zuzug und Stadtentwicklung“, erklärt der Betriebsleiter Arne Zielinski. Die Auswahl kommt an. 2017 nahmen 37 000 Menschen an rund 2700 Kursen teil. „Es gibt ein kontinuierliches Wachstum“, sagt er.

Das verzeichnet auch Martina Wörner, die Leiterin der VHS Ludwigsburg. Und das liege unter anderem an einer der Spezialitäten der Einrichtung, die es seit 1946 gibt: dem Studium Generale. Um die 400 Menschen bildeten sich hier pro Semester weiter und schlügen auch selbst Themen vor, „das finde ich für die heutige Zeit sehr passend“. Rund 800 Veranstaltungen für bis zu 12 000 Teilnehmer richten sie und ihr Team pro Semester aus. 2019 geht es schwerpunktmäßig ums Thema „Kultur macht Geschichten“ mit Unterpunkten wie Fakes und Fakten oder Wissenschaft. Immerhin finden in Ludwigsburg im Herbst die Literaturtage statt.

Tatsächlich hat jede VHS ein anderes Profil. Die Einrichtung für Böblingen-Sindelfingen etwa, 1949 gegründet, widmet sich heuer dem Thema  Ernährung. Zwei Familien werden dafür sechs Wochen mit regionalen Produkten versorgt und begleitet, ihre Erfahrungen fließen in Berichte ein, erklärt Leiter Christian Fiebig. Weiterer Schwerpunkt: Wählen. Anlass dafür ist das Jubiläum 100 Jahre Frauenwahlrecht. Die fünftgrößte VHS in Baden-Württemberg bietet Bildung in 85 000 Unterrichtsstunden pro Jahr. Das ist so viel, dass man als einzelne Person zehn Jahre sieben Tage die Woche lernen müsste, um alle Kursinhalte durchzupowern, rechnet Fiebig vor. Es gehe um lebenslanges Lernen, um Work-Life-Balance, „die Zeiten von Makramee sind vorbei“.

Infokasten
Demokratie im Stresstest

Zukunft Die VHS Stuttgart wurde 1919 von Robert Bosch und Theodor Bäuerle gegründet. Zum 100. Geburtstag legt sie einen Schwerpunkt aufs Lernen in der Zukunft. So greift der Gehirnforscher Manfred Spitzer am 1. Februar 2019 das Thema auf. Zum Jubiläumsprogramm gehört auch die Reihe „Demokratie – Bildung – Digitalisierung, 100 Jahre Volkshochschule“. Am 26. Oktober wird  das Podiumsgespräch „1918 – 2018: Demokratie im Stresstest – gestern und heute?“ mit Landtagspräsidentin Muhterem Aras und Historiker Wolfgang Niess geführt.

Heft Das neue Kursheft liegt an mehr als 90 Stellen aus, unter anderem im Treffpunkt Rotebühlplatz. Mehr dazu auf www.vhs-stuttgart.de. car

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