Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hat die Börsen – entgegen vorheriger Prognosen nicht abstürzen lassen und auch die heimische Wirtschaft scheint den bevorstehenden Machtwechsel im Weißen Haus eher gelassen zu sehen. Viel Unsicherheit aber wenig Beunruhigung, so lässt sich die Stimmung der Teilnehmer des deutsch-amerikanischen Mittelstandsforums zusammenfassen, dass die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ebner Stolz in Stuttgart veranstaltet hat.

Blitzumfrage unter Firmenchefs

Zur Einschätzung der rund 60 Unternehmensvertreter  gibt es sogar Zahlen, weil die  Berater während der Tagung eine Kurzumfrage gestartet hatten. Danach sind immerhin mehr als 28 Prozent der Meinung, dass die Wahl Trumps gut für die Wirtschaft ist. Der Anteil derer, die negative Auswirkungen befürchten, ist mit 19 Prozent deutlich kleiner.

Ein Manager, der sich vom Amtsantritt Trumps einen Schub für die eigenen Geschäfte in den USA erwartet, ist Theodor Niehaus, Vorstand der Festo Didactic. Der Bildungsdienstleister des Esslinger Automatisierungskonzerns liefert weltweit  Konzepte und Materialien für die Aus- und Weiterbildung in der Automatisierungstechnik. Wenn Trump seine Ankündigung wahr mache und den Produktionssektor in den USA wieder stärke, werde der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften künftig eine große Bedeutung zukommen. Schon heute fehlten der Industrie qualifizierte Mitarbeiter. „Aus reiner Geschäftsperspektive sehen wir der Zukunft sehr positiv entgegen,“ betont Niehaus.

Die USA sind für das Unternehmen mit Hauptsitz in Denkendorf (Landkreis Esslingen) der mit Abstand wichtigste Auslandsmarkt. „Wir haben dort mehr Mitarbeiter als in Deutschland“, erklärt Niehaus. Denn durch die Übernahme eines US-Konkurrenten hatte sich Festo Didactic vom Rang 75 an die Spitze der technischen Bildungsdienstleister in den Vereinigten Staat katapultiert. Der Festo-Manager sieht dort zudem noch viel Potenzial. Denn die USA seien der größte Bildungsmarkt der Welt.

Unternehmen, die nicht in den USA als Produzenten vertreten sind, sehen den Wechsel im Weißen Haus dagegen deutlich skeptischer. Nur 19 Prozent der Forums-Teilnehmer rechnen mit positiven Auswirkungen auf ihren Export nach dem Amtsantritt von Trump. Fast 24 Prozent erwarten sinkende Exporte, die große Mehrheit macht allerdings keine Angaben. Die USA sind für die Region Stuttgart und Baden-Württemberg insgesamt der mit Abstand wichtigste Exportmarkt.

Henning-Günther Wind von Ebner-Stolz rät möglichen Änderungen in der US-Wirtschaftspolitik dadurch zu begegnen, dass deutsche Unternehmen „zusätzlich zum Exportgeschäft mehr vor Ort produzieren“. Das scheinen nicht wenige der heimischen Unternehmen zu erwägen. Bei der Umfrage gab immerhin ein Drittel an, in den nächsten vier Jahren, also in der Regierungszeit Trumps, investieren zu wollen.

Protektionismus ein Problem

Dass Trump durch Abschottung des US-Marktes den freien Handel behindert, glaubt Wind trotz mancher Äußerungen im Wahlkampf derzeit nicht: „Es wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird.“ Sollte es dennoch dazu kommen, sähe man das bei Festo allerdings sehr kritisch. „Protektionismus ist für uns als globales Unternehmen immer ein Problem“, meint Niehaus.

Doch selbst wenn der Präsident in spe den Freihandel zurückstutzen wollte, müssten sich die Exportweltmeister aus dem Südwesten kurz- und mittelfristig keine Gedanken machen, meint man bei der US-Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Clifton-Larson-Allen. Sollten Zölle erhöht oder Einfuhrbestimmungen verschärft werden, werde dies bis zur Umsetzung dauern.

USA immer noch wichtigster Handelspartner


Spitzenreiter Die USA sind für Baden-Württemberg und die Region Stuttgart der mit Abstand wichtigste Handelspartner. Im vergangenen Jahr wurden Güter und Dienstleistungen im Wert von fast 26 Milliarden Euro über den Atlantik transportiert. In diesem Jahr lagen die Exporte in den ersten acht Monaten bei rund 15 Milliarden Euro, was gegenüber dem Vorjahr ein Minus von über 12 Prozent bedeutet. Dennoch liegen die USA auch aktuell weit vor den Auslandsmärkten Frankreich und der Schweiz auf Platz zwei und drei.

Investitionen Baden-Württembergische Unternehmen investieren zudem in den Vereinigten Staaten so viel wie in keinem anderen Land außerhalb Deutschland. 2013 waren es 68 Milliarden Euro, das sind 37 Prozent aller Investitionen im Ausland. jüs