Stuttgart / DOMINIQUE LEIBBRAND  Uhr

Im Frühjahr 2017 soll feststehen, ob in Stuttgart und der Region Umweltstreifen im Kampf gegen die Feinstaub-Belastung sinnvoll sein könnten. Für diesen Zeitraum werden die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie erwartet, die das Verkehrsministerium in Auftrag gegeben hatte. Komme die Studie zu einem positiven Ergebnis, könnte ein Modellversuch folgen, teilte eine Sprecherin des Ministeriums mit.

Unter Umweltstreifen versteht man privilegierte Sonderbahnen, auf denen beispielsweise nur emissionsarme oder mehrfachbesetzte Fahrzeuge fahren dürfen. Sie sind Teil des Luftreinhaltungs-Konzepts für die Stadt Stuttgart. In Deutschland gibt es solche Umweltstreifen bislang nicht.  In den USA seien sie dafür unter dem Namen „high-occupancy vehicle lanes“ verbreitet, so die Sprecherin. Und auch in europäischen Städten wie Amsterdam, Bristol oder Madrid gebe es Beispiele in verschiedener Ausgestaltung und Bauweise.

Mit der Studie beauftragt wurde Professor Markus Friedrich vom Lehrstuhl für Verkehrsplanung und Verkehrsleittechnik der Uni Stuttgart. Er soll untersuchen, welche verkehrliche Wirkung die Streifen hätten, ob sie rechtlich und praktisch umsetzbar wären, wie wirksam sie in Bezug auf die Minderung von Schadstoffen wären und wie man sie kontrollieren könnte.

Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Jochen Haußmann, hat sein Urteil in puncto Umweltstreifen schon gefällt: „Ich glaube kaum, dass Umweltstreifen in Stuttgart vernünftig realisiert werden könnten. Es fehlt hier einfach der Platz dazu.“ Würde man beispielsweise einen Fahrstreifen nur noch für Elektroautos freigeben, dann staue es sich auf den anderen Straßen umso mehr, glaubt er. Die wenigen Busspuren in Stuttgart könne man erst recht nicht auch noch mit anderen Fahrzeugen belegen, das verzögere die Busfahrten und bringe die sowieso schon engen Fahrpläne in Gefahr. Haußmann fordert stattdessen unter anderem Telematik mit dynamischer Routenplanung und intelligente Ampeln.