Stuttgart Tunnelbau in kleinen Schritten

Der U-12-Tunnel im Europaviertel nimmt Gestalt an.
Der U-12-Tunnel im Europaviertel nimmt Gestalt an. © Foto: Ferdinando Iannone
OLIVER SCHMALE 11.02.2015
Weil der alte Tunnel für die Stadtbahn dem geplanten Stuttgarter Tiefbahnhof im Weg ist, wird im Europaviertel derzeit ein neuer gebaut. Zentimeter für Zentimeter schreiten die Arbeiten voran.

Noch geht es auf einer schmalen Holztreppe hinunter in rund 20 Meter Tiefe in die riesige Baugrube vor dem Gebäude der alten Bahndirektion. Dort wird gerade der bestehende Stadtbahntunnel geöffnet. Und das ist gar nicht so einfach. Rund 140 Betonblöcke - einen Meter breit, zwei Meter hoch und fünf Tonnen schwer - müssen herausgesägt werden, erklärte Bernd Schröder vom Stuttgarter Tiefbauamt gestern bei einem Vor-Ort-Termin. Vorsichtig werden die Blöcke aus der alten Tunnelwand entfernt - um einen Anschluss an den neuen Tunnel zu erhalten. Dieser wird realisiert, weil der alte Tunnel dem geplanten Tiefbahnhof im Weg ist. Der Startschuss für das Projekt ist im Herbst 2008 gefallen.

Die Tunnelarbeiten finden bei laufendem Betrieb statt, alle zwei Minuten sind die Lichter einer Bahn zu sehen. Gearbeitet wird von Nord nach Süd - vom Kurt-Georg-Kiesinger-Platz in Richtung Türlenstraße. Der Tunnel wird in bergmännischer Weise erstellt, die Röhren sind bereits fertig. Im Drei-Schicht-Betrieb wurde dafür rund um die Uhr gearbeitet. Drei Meter pro Tag kam man voran, so dass die Vortriebsarbeiten im September 2014 abgeschlossen werden konnten.

Die Innenschale des Tunnels in Richtung stadtauswärts ist auf einer Länge von 200 Meter fertig und in Richtung stadteinwärts auf einer Länge von 100 Metern. Die jeweils letzten Meter der 440 Meter langen Tunnelröhren werden in offener Bauweise erstellt. Erst danach können die Bauarbeiten für den Tiefbahnhof in diesem Bereich starten.

Sind die Bauarbeiter - rund 70 sind im Einsatz - im Europaviertel einmal abgezogen, werden in dem Areal mehrere Ebenen Tunnel übereinander liegen. Ganz unten fährt künftig die Linie U 12. Oberhalb werden schon vorher die bestehenden Linien U 5, U 6, U 7 unterwegs sein.

Insgesamt sollen bis 2017 einmal 76 000 Kubikmeter Beton verbaut werden. Dieser wird mithilfe eines speziellen Leitungssystems in den entstehenden Tunnel gepumpt. Mit einem bestimmten Arbeitsgerät, dem sogenannten Schälwagen, werden in Zehn-Meter-Schritten die 40 Zentimeter Innenschalen der Röhren erstellt, wie SSB-Projektleiter Markus Wittmann erzählte. Es geht in kleinen Schritten voran. 30 Zentimeter in der Woche.

Dass die Blöcke des alten Tunnels derzeit mithilfe eines Hochdruckwasserstrahls herausgesägt werden, merken die Fahrgäste in den Bahnen übrigens nicht: Die Arbeiten finden abgeschirmt hinter feuerfesten Platten statt.