Stuttgart Treppe wird zum Wohnzimmer

Projektleiter Johannes Heynold hat sich auf der Heslacher Taubenstaffel häuslich eingerichtet.
Projektleiter Johannes Heynold hat sich auf der Heslacher Taubenstaffel häuslich eingerichtet. © Foto: Tilman Baur
Stuttgart / TILMAN BAUR 19.08.2016
Obwohl sie als Wahrzeichen der Landeshauptstadt gelten, führen Stäffele in Stuttgart oft ein Schattendasein. Studenten wollten das ändern.

Ruhig ist es auf den Stufen der Taubenstaffel im Stadtteil Heslach im Stuttgarter Süden. Obwohl Autos und Stadtbahnen nur ein paar Meter entfernt die Böblinger Straße entlangfahren, hört man nur ein leises Rauschen. „Staffeln sind eigentlich der ideale Begegnungsraum“, findet Johannes Heynold. Der 25-jährige Masterstudent leitet das Projekt „Stäffele Gallery“. Nach den „Parklets“ ist es das zweite Projekt des „Reallabors für nachhaltige Mobilitätskultur“ der Uni Stuttgart, das seit vergangenem Jahr Visionen, Ideen und konkrete Vorschläge für alternative Fortbewegungskonzepte erarbeitet.

Wie bereits die „Parklets“ – dabei wurden Parkplätze zu Begegnungsstätten umfunkioniert – will auch die „Stäffele Gallery“ bislang ungenutzten städtischen Raum erschließen und für die Bürger attraktiver machen. „Die Stadt als Haus“ lautet das Motto, und ganz in diesem Sinne „möblierten“ die Beteiligten drei Stuttgarter Stäffele Anfang August. Sofas in Form von Paletten, Stühle, eine Leseecke, ein Regal.

Stäffele als Wahrzeichen der Landeshauptstadt hätten sich geradezu aufgedrängt, als sich das „Gallery“-Team im Vorfeld mögliche Räume für eine kreative Nutzung überlegte. „Sie sind wie kleine Inseln zwischen den großen Straßen. Sie eignen sich viel besser als diese für Begegnungen zwischen den Menschen“, sagt Heynold. So wurden die Tauben-, die Finken- und die Witthohstaffel in den vergangenen Wochen zu wahren Eventlocation. Kochkurse, Sportevents, Lesungen und Konzerte wurden dort veranstaltet. Und wenn keine Veranstaltungen stattfanden, konnten sich Anwohner und Interessierte einfach so an den Staffeln treffen, den installierten Sitzgelegenheiten sei Dank.

Kreative Impulse gab es also genug. Am heutigen Freitag geht das Projekt mit einer Lesung zu Ende. Wichtiger und spannender sei aber, so Heynold, das, was danach passiere. „Das Ziel der Projekte ist ja, dass Anwohner selbst tätig werden“, erklärt er. Das Reallabor gebe Denkanstöße, mache Vorschläge, zeige, was machbar ist. „Ideal wäre, wenn Anwohner die Stäffele nun selbst kreativ nutzen“, sagt der Master-Student. Die Frage, ob das passiert, ist offen. „Beim Sportevent zeigten 45 Leute bei Facebook Interesse, gekommen sind aber nur sechs“, berichtet Heynold.

Die öffentlichen Reaktionen fielen gemischt aus. „Vor allem bei Facebook gab es heftige negative Reaktionen“, so der Student – eine Parallele zu den „Parklets“. Anwohner und Gäste, die sich persönlich etwa am Kochkurs beteiligten, reagierten hingegen viel offener. „Hier an der Taubenstaffel haben wir viele engagierte Anwohner getroffen, die sich für das Projekt erwärmen konnten“, erzählt der junge Mann. Ein Ehepaar stellte etwa Strom für den Kochkurs zur Verfügung, ein älterer Mann spendierte in Rum eingelegte Kirschen.

Für ein Fazit sei es zu früh, doch Heynold, glaubt, etwas in Bewegung gebracht zu haben: „Ich kann mir gut vorstellen, dass die Anwohner nach dem Projekt weitermachen.“ 

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