Stuttgart / SABINE FISCHER  Uhr
80 000 Euro hat die Stadt Stuttgart investiert, um auf dem Wasen ein Sportprogramm zu bieten. Das Angebot könnte noch mehr Nachfrage vertragen. 

„Das kann doch jeder“, ruft ein Rentner im neonfarbenen Sportoutfit und lenkt sein Fahrrad ungelenk über einige zum Slalom-Parkour umfunktionierte Holzbretter. Links, Kurve, rechts, rechts, Kurve. Dann donnern seine Reifen zurück auf den Beton. Er bleibt stehen, wirft noch einen Blick über die Schulter und radelt dann kommentarlos davon. Und plötzlich ist es wieder still zwischen den neu installierten Sportgeräten auf dem Cannstatter Wasen. Fast unangenehm still. Vielleicht ist das aber auch nur so irritierend, weil einem normalerweise  unweigerlich ekstatische Feierbilder in den Kopf kommen, wenn man an das Areal in Bad Cannstatt denkt.

Doch Frühlings- und Volksfest im Herbst haben nun Pause. Diese Brachlage, in der sich der Wasen in den Sommermonaten befindet, will die Stadt nun nutzen, um vornehmlich jungen Stuttgartern eine neue, fitness-orientierte Freizeitmöglichkeit zu bieten. „WasenSportSommer“ heißt das entsprechende Programm. Und so stehen auf dem Betongelände nun zwar verschiedene schick durchdesignte Sportgeräte, doch der jugendliche Ansturm bleibt bisher eher aus. Statt sportlicher Ausgelassenheit herrscht bei einem Besuch auf dem Cannstatter Wasen dieser Tage Stille. Der Sand des Beachvolleyballfelds weht in den Böen der Juni-Kaltfront fast so theatralisch durch die Luft wie in der Duellier-Szene eines Westerns. Dahinter schwingen Slacklines auf und ab, eine schicke Boulderwand knirscht unbehaglich in ihrem Kiesbett. Ob an diesem Geisterstadt-Gefühl nun das schlechte Wetter schuld ist oder die Tatsache, dass in der Stadt bisher kaum jemand um die Existenz des Sportparks weiß, sei dahingestellt. Immerhin: Tags drauf ist ein bisschen mehr los.

Das innovative Projekt hat jedenfalls mehr Aufmerksamkeit verdient. Von Juni bis Anfang September stehen die Sportgeräte täglich von 8 bis 21 Uhr kostenlos zur Benutzung bereit – ob man in der Mittagspause nun eine Runde Tischtennis spielen, auf dem Bolzplatz kicken oder sich mit dem BMX-Rad auf dem Geschicklichkeitsparcours verausgaben möchte. Direkt an der U-Bahn-Haltestelle „Mercedes-Straße“ gelegen kann man den Trendsportpark ohne Voranmeldung ausprobieren, eine offizielle Betreuung gibt es sporadisch – direkt vor Ort ist nur jemand, wenn die städtischen Vereine gerade einen ihrer verschiedenen Sportkurse anbieten: Von Mountainbike-Techniktraining über Slackline-Training bis zur brasilianischen Kampfsportart Caporeia können Interessierte dabei zusätzlich zum individuellen Sporteln an verschiedenen Einführungskursen teilnehmen.

80 000 Euro hat sich die Stadt das Pionierprojekt kosten lassen. Dennoch spricht Günter Kuhnigk, Leiter des Sportamts, bei der Eröffnung des Parks von „einem Testlauf“. Bis September will man abwarten, wie das neue Angebot angenommen werde. Anschließend stehe zur Debatte, ob der Sportpark im kommenden Jahr auf das Wasengelände zurückkehrt.

Trendangebote in Stuttgart

Aktiv Neben dem „WasenSportSommer“ hat Stuttgart viele weitere unkonventionelle Sportangebote in petto: In Bad Cannstatt warten beispielsweise in der „Sprungbude“ über 80 Trampoline auf knapp 1700 Quadratmetern auf Besucher. Und im Dornhaldenwald gibt es für Mountainbiker eine eigens bereitgestellte Down-Hill-Strecke – der „Woodpecker Trail“ in Degerloch ist rund einen Kilometer lang und verfügt über 27 Hindernisse. In Bad Cannstatt hat zudem vor einigen Tagen die neue Skatehalle „Stuttpark“ eröffnet.saf